Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Polnischen von von Caesar Rymarowicz. Ein Lehrer in einem kleinen polnischen Bauerndorf blickt zurück auf sein Leben. Dem Strom seiner Erinnerungen folgend, umkreist er seine Kindheit und Jugend, aber auch das Verhältnis zu seinem Vater, der dem Sohn gleichsam zum gebrochenen Spiegel seiner selbst wird. Untrennbar sind ihrer beider Wege miteinander verbunden, und so entsteht das subtile und vielschichtige Porträt eines Vaters und eines Sohnes, die zeitlebens nicht aufgehört haben, einander zu suchen. In einer Prosa von seltener Meisterschaft, die schwebende Leichtigkeit mit virtuoser Sprachgewalt vereint, lässt Wieslaw Mysliwski vor dem Auge des Lesers die beinahe vergessene Welt des ländlichen Polen wiedererstehen - und erschafft eine sensible Hommage an den Vater, der sich einst einen Sohn erträumte.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.07.2001
Die deutsche Übersetzung dieses bereits 1967 im Original erschienenen Romans nimmt Marta Kijowska zum Anlass, den polnischen Autor Wieslaw Mysliwski dem deutschen Publikum vorzustellen. Auch wenn seine insgesamt vier Romane immer auf dem Lande spielen und tief in der bäuerlichen Kultur verwurzelt seien, behauptet Kijowska, so sei er keineswegs als Chronist des Dorflebens zu bezeichnen. 'Ich schreibe nur über die Liebe', zitiert die Rezensentin den mittlerweile 68jährigen Autor. Das hat die Kritiker nicht davon abgehalten, berichtet Kijowska, seine Bücher höchst unterschiedlich zu interpretieren und seine Beschreibungen eines vermeintlich intakten Dorflebens entweder zum Nationalmythos zu stilisieren oder als Gegenbild zur städtischen Entfremdung zu interpretieren. Mysliwskis Distanz zum Literaturbetrieb und seine Gleichgültigkeit gegenüber solchen interpretatorischen Aussagen lassen ihn auch heute noch trotz oder wegen seiner universellen Thematik große Verehrung erfahren, so die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.01.2001
Dagmar Dzierzan bespricht diesen 1967 erstmals im Original erschienen Roman Mysliwskis mit warmen Worten. Ein alternder Dorflehrer erinnert sich an seinen Vater. Er selbst hat in diesem Roman nicht einmal einen Namen. Und doch geht es hier nicht um Abhängigkeiten oder eine "verspätete Abnabelung", schreibt Dzierzan, sondern um die Liebe, die beide füreinander empfunden haben. Gleichzeitig beschreibe Mysliwski, der selbst in einem Dorf aufgewachsen ist, aber auch den Untergang der Dorfkultur in Polen. In einer "einfachen, klaren Sprache, die wie unbeabsichtigt lyrische Akzente" enthalte, mache Mysliwski "das moralisch-philosophische Wertesystem" der Bauern verständlich. Mit der Übersetzung von 1974 ist die Rezensentin allerdings nicht zufrieden. Der Verlag hätte sie wenigstens überarbeiten sollen, findet sie.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Zunächst das Erstaunen der Kritikerin Olga Mannheimer, dass statt des vor vier Jahren erschienenen "Meisterromans", der frühestens in 2002 in deutscher Übersetzung vorliegen würde, nun dieser Erstlingsroman neu aufgelegt wurde. Warum besitzt dieser Autor nicht längst Weltruhm? Diese Frage treibt die Kritikerin, offenbar eine profunde Mysliwski-Kennerin, um. Seine Prosa habe alles, was einen Erzähler höchsten Ranges ausmacht: "Originalität, stilistische Brillanz, Tiefsinn, souveränen Handlungsaufbau". So schreibt sie wenig über "Der Nackte Garten", und rühmt in höchsten und durchaus ansteckenden Tönen Mysliwskis übriges Werk. Möglicherweise, räumt sie dabei ein, stehen gerade jene Stärken dem Weltruhm entgegen, die Mysliwski zu einem großen Schriftsteller machten. Denn: er erschaffe eine Welt aus der "lebendigen, Dialekt gefärbten Sprache", deren Anmut schwer übersetzbar sei. Hinter den Alltagsbildern findet die Kritikerin aber eine "ungewöhnliche Erlebnisintensität", eine "solche Fülle an existentiellen Erkenntnissen", dass man sich für Polen gar nicht interessieren müsse, um sie mit angehaltenem Atem zu lesen. Mehr noch als die Tragweite seiner Themen, beeindrucke Mysliwskis Fähigkeit, "sie ohne jede belehrende Deutung in einfache Form zu fassen." Schon "Der nackte Garten" hat die Kritikerin durch den "familiären Umgang mit fundamentalen Fragen des Seins" verblüfft.
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