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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Werner Fritsch

Jenseits

Roman

Cover: Jenseits

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN-10 3518411217
ISBN-13 9783518411216
Broschiert, 72 Seiten, 13,29 EUR

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Klappentext

Jenseits von Gut und Böse, jenseits von Wirklichkeit und Halluzination, vielleicht schon jenseits seines eigenen Körpers befindet sich Wolfram Sexmaschine Kühn, der verdächtigt wird, seine Ehefrau Cora, Mutter seines Sohnes Felix, umgebracht zu haben. Bevor ihn die Polizei stellt, wird er von jemandem, der sich hinter einer Karnevals-Hitlermaske verbirgt und ihm einen Revolver an die Stirn hält, bedroht. Wer aber ist der Mann hinter der Maske? Ist es Klostermeyer, der ehemalige Zuhälter Coras, in dessen Bett ihr toter Körper gefunden wurde? Oder einer von Klostermeyers Killern? Oder der Maler Johannes, der Cora kurz vor ihrem Tod gemalt hat? In Wolframs Kopf jedenfalls läuft wie im Zeitraffer sein Leben ab - der vielleicht "letzte Film".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.09.2000

Dieser Monolog eines Gescheiterten (der nun mutmaßlich in der Gefängnispsychiatrie sitzt) lebt, so der Rezensent Jörg Drews, von seiner Sprache. Werner Fritsch ziehe hier die verschiedensten Register, "vom Zotigen bis zur Mystik", aufgeraut durch den oberpfälzischen Dialekt. Ungeklärt bleiben die Realitätsverhältnisse - es geht um Mord und künstlerische Ambition und ein Höllensturz-Gemälde -, überzeugend aber ist, so Drews, die "finstere, so vulgäre wie pathetische Gewalt" des Textes. Er reiht den neuen Band ein in Fritschs bisheriges Werk, das mehr und mehr zu einem ganzen "Provinzkosmos" ergänzt werde.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2000

Martin Ebel sieht in der Erzählung Mittel der Avantgarde bemüht, die aber schon etwas "Rost" angesetzt hätten. Der Plot sei dramaturgisch so in Szene gesetzt, dass er jedem Krimi-Drehbuch "zur Ehre gereichen" würde. Doch für ein literarisches Werk sei alles zu wohlgefügt, "allzu gut passt hier alles zusammen". Den Rezensenten stören die absehbaren Erklärungen und das ordentliche Abwickeln der Geschehnisse. Zudem bemängelt er die Form des"inneren Monologs", die zur Karikatur gerate. Und wenn der Autor auch mit Macht die Zutaten der modernen Prosa bemühe, sei seine Geschichte einfach zu "ordentlich", um wirklich zu überraschen, so der Rezensent kritisch.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.07.2000

Stephan Maus zeigt sich vor allem von der Kunstsprache und der Schnelligkeit dieser Erzählung beeindruckt: ?Wie ein Projektor ist die Mündung des Trommelrevolvers auf das Kopfkino des Erzählers Kühn gerichtet?. Und in diesem Kopfkino läuft ein atemloser Film von ?Sex und Crime?. Dabei gefällt dem Rezensenten, wie Fritsch ?Klischees aus Genre-Filmen und populärer Literatur? durch den Fleischwolf dreht und wiederbelebt. Was den Rezensenten an diesem Band jedoch am meisten beeindruckt hat, ist Fritschs Fähigkeit, aus den absurdesten ?halbgaren Versatzstücken (Hitler, Thailand, Transsexuelle, verstümmelte Hure)? eine so ungewöhnliche - und wie der Rezensent findet - durchaus empfehlenswerte Geschichte zu kreieren. Dass sich Fritsche mit diesem Erzählstil von den meisten seiner jungen deutschen Autorenkollegen unterscheidet, findet der Rezensent eher erfreulich.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2000

"Nichts für Zartbesaitete" sei Werner Fritschs monologisierender Spracherguss, befindet Samuel Moser in einer ausführlichen Besprechung, aber angesprochen hat ihn die atemlose, obszöne, grelle Rede eines arbeitslosen Metzgergesellen und verhinderten Künstlers schon. Was "schießt" einem durch den Kopf, der einen Revolver an der Schläfe fühlt? Wie bei Rubens gelinge Fritsch in seinem "Jenseits"-Monolog die Beschreibung der Hölle weitaus besser als die des Himmels, meint Moser. Gut und böse, schön und häßlich, eines sei die Maske des anderen, nichts eindeutig zuzuordnen, und auch der Protagonist verstecke sich hinter einer Sprachmaske, die es dem Autor ermögliche, so Moser, mittels einer Kunstsprache eine "entstellte Wahrheit" anklingen zu lassen.

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