Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Mit einem Essay von Anton Kuh und einem Nachwort von Gerd Baumgartner. "Es gibt Gegner oder Instanzen, die so hoch stehen oder so groß sind, daß sie keine Adresse und keine Telefonnummer haben. So das Gewissen der Welt ... oder der Kaiser von China. Man kann außerdem unter dem dichten Schleier von Anonymität den Übeltäter oft nicht finden, der hinter dem Ganzen steckt. Eine Behörde versteckt sich hinter der anderen. Niemand ist zuständig. Jeder ist empört, aber jeder ist unschuldig ... Dann gibt es Gegner, die zwar nicht groß, aber so schlau sind, daß man sie nicht trifft ... Sie reagieren nicht auf Briefe ... Sie reagieren nicht auf Drohungen, nicht auf öffentliche Beschämung, nicht auf Skandale."
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.11.2000
Walther Rode dürften wohl die wenigsten kennen, weder als Jurist noch als Autor, befürchtet Rezensent Horst Meier. Um so wichtiger findet er es, dass dieser bereits vor fast siebzig Jahren verstorbene sprachgewandte Kritiker der Justiz einem breiteren Publikum bekannt gemacht wird. War Rode zunächst eher ein Verfasser von Gerichtsreden, Pamphleten und Artikeln, die allerdings von einer Schärfe waren, die ihn in so manche Auseinandersetzung mit den Behörden trieb, stellt das "Lesebuch für Angeklagte" eine Neuheit in seinem Schaffen dar, so Meier: Dieses "sorgfältig zusammengestellte" Lesebuch enthalte "über siebzig geschliffene Skizzen", in denen Rode zeige, "wie es um die gebrechliche Einrichtung namens Justiz und ihre so schwindsüchtige Gerechtigkeit bestellt ist". Auch wenn das Werk, das 1933 von den Nazis verbrannt und 1937 in Österreich als "staatsgefährdend" verboten wurde, keinem heutigen Angeklagten von praktischem Nutzen sei, hält Meier es doch auch heute noch für lesenswert - als "wunderschöne Flaschenpost".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2000
Ulrich Weinzierl ist so begeistert von diesem Buch, dass er es gar "als Pflichtlektüre, nicht bloß für ein forensisches Publikum" betrachtet. Zunächst erläutert Weinzierl kurz den Lebensweg des heute fast vergessenen Anwalts und Publizisten, der seinerzeit eine Berühmtheit für politische Verfahren und streitbare Veröffentlichungen war. Die Neuauflage des vorliegenden Bandes, der bereits 1931 erschienen und - kaum überraschend - der nationalsozialistischen Bücherverbrennung zum Opfer gefallen ist, hält der Rezensent für "überfällig". Rode habe hier dank seiner Berufserfahrung eine "Anleitung" verfasst, wie man als Angeklagter aus "den Mühlen der irdischen Gerechtigkeit" einigermaßen unbeschadet hervorgehen könne. Besonders beeindruckt zeigt sich Weinzierl darüber hinaus von Rodes literarischem Talent, das sich nicht nur in seiner klaren Ausdrucksweise, sondern auch in seinem knappen, aphoristischen Stil zeige. Nach Weinzierl waren dem Autor keine menschlichen Abgründe fremd, und so sei ihm eine eindrückliche, aber auch "amüsante" Charakterisierung von Tätern wie auch von Vertretern des bürokratischen Apparats gelungen. Bei seiner Darstellung bemüht Rode, so der Rezensent, weniger die "Theoretiker der Kriminologie", als vielmehr Shakespeare und Dostojewski. Für Rodes Leben und Werk findet Weinzierl schließlich einen einzigen Begriff zutreffend: "Zivilcourage".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2000
Auch wenn man dem Text sein Alter und seine Zeit anmerkt, habe er das "Zeug zum Klassiker", meint Joachim Güntner und lobt die Edition Memoria für die verlegerische Großtat, Walther Rodes scharfzüngige Abrechnung mit der Justiz aus dem Jahr 1931 aus der Versenkung zu holen. Rode war Wiener wie Karl Kraus, betrieb eine zunächst gutgehende Anwaltskanzlei und schrieb für verschiedene Zeitungen polemische Gerichtsreportagen. Sein Buch ist laut Güntner eine Fundgrube, die Strategien für Angeklagte parat hält, mit einer juristischen Zoologie und jeder Menge Aperçus aufwartet oder allgemeine gerichtspsychologische Betrachtungen anstellt. Der Textsammlung ist die seinerzeit erschienene Rezension von Anton Kuh beigefügt, der schon damals schrieb, Rodes Texte hätten etwas von den Allgemeingültigkeit der Sittengemälde Daumiers oder Swifts. Die dem Rezensenten angenehm auffallende Neuauflage, fadengeheftet und leinengebunden, enthält außerdem ein biografische Skizze von Gerd Baumgartner.
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