Herausgegeben vom Museum für Kommunikation, Bern. Walkenmatt ist der Familiensitz einer Bauernfamilie, der über regelmäßige Briefkontakte die Familienangehörigen in aller Welt vereint. Die nach Russland und Amerika Ausgewanderten erfahren so Neues aus der Heimat und erzählen ihrerseits den Zurückgebliebenen über ihre Lebensgewohnheiten und Abenteuer in der neuen Welt. Die von Walkenmatt abgehenden Briefe schildern den Alltag: Sie berichten übers Wetter, die anstehende Ernte, über Geburten, Todesfälle, Krankheiten und anderes mehr. Auch der Dorfklatsch fehlt nicht, die Briefe vermelden Heiraten, Feste und Gebräuche. Am Rande scheinen auch die historischen Ereignisse mit ihren jeweiligen Auswirkungen auf die städtische und ländliche Bevölkerung auf: Die beiden Weltkriege, die Russische Revolution, Rezession und Wirtschaftswunder. Der Band lässt in über 250 Briefen aus den Jahren 1890 bis 1946 eine vergangene Briefkultur lebendig werden...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.03.2002
Von wegen, denkt der Rezensent mit dem Kürzel "uha". Die Bauern des 19. und 20. Jahrhunderts waren viel reger und kreativer, als gemeinhin angenommen wird. Jedenfalls hat der Rezensent das nach der Lektüre der rund 300 Briefe aus dem Berner Oberland erkannt, die das Museum für Kommunikation herausgegeben hat. Die thematisieren zwar vor allem das Wetter, Krankheiten, Ernährung und Notlagen, sind aber ein wichtiges Zeugnis, so "uha", der "bäuerlichen Alltagskultur. Ganz davon abgesehen, so der Rezensent augenzwinkernd, kommen durchaus auch so manche, mit "zuweilem ergreifenden Ton" geschilderten Liebeszwiste zur Sprache.
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