Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.05.2000
"Ist der multimediale Roman geboren?" fragt Gerhard Schulz gleich zu Beginn, weil zum Buch auch eine CD gehört ("Verwandte Stimmen". Musik aus dem gleichnamigen Roman. Decca Record Company, London 2000, 2 CD`s, 39,95 DM). Er zitiert dann ein paar "vollmundige Versprechungen smarten Marketings", und da ahnt man schon: der multimediale Roman ist im Geburtskanal stecken geblieben. Sehr sorgfältig stellt Schulz trotzdem Autor und bisher veröffentlichte Werke vor. Zitiert aus Seths Nachwort, und man hört, dass Musik diesem mehr am Herzen liegt als die Sprache - für den Rezensenten klingt das fast nach Verrat am Schriftstellerberuf. Die Einsichten des Buches in die Musik findet Schulz dann ziemlich konventionell. Besonders deutsche Leser, da ist er sicher, sind verwöhnt von der "Meisterschaft" Thomas Manns auf diesem Gebiet. Kurz streift der Kritiker die Handlung, aber man spürt, dass sie ihn nicht sonderlich gefesselt hat. Lag?s am "schwer zugänglichen Humor" oder an Hauptfigur Michael, die Schulz nicht mochte? Die Übersetzung jedenfalls fand Schulz leserlich. Unverständlich ist ihm bloß, wieso der Verlag im Roman enthaltene Gedichte einem zweiten Übersetzer gab, "dessen Inkompetenzen ins Unsägliche reicht".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2000
Die Sympathie Joachim Kaisers für dieses Buch ist ihm in seiner Rezension deutlich anzumerken - auch wenn er bei Seth Schwächen in der „literarischen Darstellungskunst“ ausmacht. Die Traumata des Protagonisten sind seiner Ansicht nach nicht wirklich nachvollziehbar und überzeugend geschildert, jedoch hat er viel Lobendes über Seths Umgang mit der musikalischen Thematik zu sagen. Bücher, die sich mit der musikalischen Materie beschäftigen, kranken in Kaisers Augen oftmals entweder an mangelndem Fachwissen oder einer so spezialisierten Dastellung, dass selbst „wohl informierte musikalische Laien“ nicht folgen können oder mögen. Seth hingegen sei einerseits seine Fachkenntnis anzumerken, gleichzeitig erfahre man viel über den Alltag, die Probleme und Hoffnungen von praktizierenden Musikern. Dabei weiß Kaiser Seths „überfeine Seelen-Zartheit“, seine Ironie und seine deutlich spürbare Liebe zur Materie besonders zu schätzen. Von einem fachlichen Fehler abgesehen, ist die Übersetzung Annette Grubes seiner Meinung nach gelungen, allerdings läßt Kaiser kein gutes Haar an der Übertragung der kleinen eingestreuten Verse Seths von Eberhard Breidert: Hier diagnositiziert Kaiser spürbar genervt eine „Reim-Dich-oder-ich-fress-Dich“-Schwäche.
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