Bücherschau der Woche
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Klappentext
Herausgegeben und aus dem Französischen übersetzt von Rainer G. Schmidt. Stelen: hochaufgerichtete, eine Inschrift tragende Steindenkmäler, auf die man in China allenthalben stößt, an den Straßenrändern, in Tempelhöfen, vor Grabmälern. Die Schriftzeichen darauf: Dekrete des Himmelssohnes, Huldigungen des Herrschers, Hymnen auf das Reich, Preisungen der Lehre. Victor Segalen, der auf seinen Reisen kreuz und quer durch das China der Mandschu-Kaiser das "Reich der Mitte" gerade im Umbruch erlebte, schrieb mit den Stelen seine wichtigste poetische Arbeit, Gedichte, die den Gestus der chinesischen Epigraphen wiederaufnehmen und gleichzeitig unterwandern, ein Kondensat des "chinesischen Denkens". Ein poetisch-ethnologisches Denkmal: 70 Prosagedichte, die den Geist des alten China evozieren, das Reich der Mitte, erfahren durch einen großen Reisenden und Dichter.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2000
Elmar Schenkels Rezension klingt nach echter Faszination für Buch und Autor: ein poetischer Ethnologe, urteilt er, "der Michel Leiris vorwegnimmt". Begonnen hat der Rezensent mit der Schilderung von Segalens inszeniertem Tod. Ausführlich wird dann Einblick gewährt in das Leben dieses "Nomaden des Geistes", der Anfang des 20. Jahrhunderts auch China bereiste. Dort stieß er auf den Gegenstand dieses Buches: die Stelen, die an "Wegesrändern, Grabstätten und Tempelbezirken" zu finden waren, mit Inschriften, "die an den Krieg, die Liebe erinnerten, an mythische Fürsten und Geschichten". Diese Stelen werden, erklärt uns Schenkel, "zum Sprungbrett für die vagabundierenden Reflexionen und poetischen Träume", die er dann aus sicherem theoretischen Abstand ein wenig beschreibt. An der "aufwendig ausgelegten" deutschen Ausgabe wird besonders das aufschlussreiche Nachwort, die reichhaltigen Anmerkungen und die Übersetzung gelobt.
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