Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Vera Lind

Selbstmord in der Frühen Neuzeit

Diskurs, Lebenswelt und kultureller Wandel am Beispiel der Herzogtümer Schleswig und Holstein

Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 1999
ISBN-10 3525354614
ISBN-13 9783525354612
Gebunden, 518 Seiten, 55,22 EUR

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Klappentext

In der Frühen Neuzeit galt "Selbstmord" sowohl im Kirchenrecht als auch im weltlichen Recht als kriminelle Handlung, die zu bestrafen war. Im 18. Jahrhundert veränderte sich die Sichtweise: Es entwickelte sich eine breite Debatte über die Bewertung des "Selbstmordes". Dieser aufklärerische Diskurs plädierte für die Straflosigkeit des "Selbstmordes", der nun als Akt menschlicher Willensfreiheit und Ausdruck einer Krankheit aufgefaßt wurde. Dieser Umschwung in der Bewertung des "Selbstmordes" ist Gegenstand des Buches.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2000

Daniel Müller Hofstede gibt in seiner Rezension zunächst einen Überblick über die rechtliche und moralische Bewertung des Selbstmordes in der Geschichte, bevor er sich dem Buch Vera Linds zuwendet. Denn in der Zeit, die die Autorin für ihre Untersuchung gewählt hat, zeichnete sich ein Einstellungswandel ab, der zu einer Entkriminalisierung des Selbstmordes führte. Wichtig sei der Autorin dabei gewesen, aufzuzeigen, inwiefern die theoretische Debatte über den Selbstmord mit der Alltagspraxis übereinstimmte. Den offiziellen Diskurs - angestoßen durch Friedrich II. und auch Goethes "Werther" - hat Lind, wie der Rezensent findet, mit all den Ambivalenzen "plastisch und kenntnisreich" dargestellt: Einerseits die Eigenverantwortlichkeit des aufgeklärten Individuums, andererseits die pathologische Diagnose, die dem Selbstmörder die freie Entscheidung absprach. Linds Untersuchung von dreihundert Selbstmordfällen habe dank "origineller kulturgeschichtlicher Fragestellungen" zu manch überraschendem Ergebnis geführt. Als Beispiel dafür nennt der Rezensent u. a. eine typische Dramaturgie, um trotz der `Sündhaftigkeit` des Unterfangens doch noch einen "christlichen Tod" sterben zu können. Die Ausführungen über geschlechterspezifisches Verhalten und die Ursachen haben nach Ansicht Müller Hofstedes zwar keine neuen Erkenntnisse gebracht, als wirklich "frappierendes Ergebnis" wertet er jedoch Linds Darlegung, dass die Alltagspraxis dem "liberalisierenden Durchbruch" der theoretischen Debatte um fast fünfzig Jahre voraus war.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren