Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
"Sie kenn ich aus'm Fernsehen." Der Taxifahrer musterte den Mann auf dem Rücksitz, dann hellte sich sein Blick auf. "Ja", brummte er, "Sie sind der Kritiker." Nicht: ein Kritiker. Auch nicht: dieser Kritiker. Sondern: der Kritiker. Nahezu alle Deutschen kennen Marcel Reich-Ranicki - zum Zeitpunkt dieser Taxifahrt war er auf einem Gipfel der Prominenz angelangt, den vor ihm noch kein anderer Kritiker erklommen hatte. Es war der 14. Dezember 2001, der Tag, an dem das "Literarische Quartett" letztmalig ausgestrahlt wurde. Bundespräsident Rau hatte Reich-Ranicki darum gebeten, die Abschiedssendung in seinen Amtssitz zu verlegen. Auf eine so offizielle Bühne wurde die Literaturkritik noch nie gerufen. Und dessen nicht genug: Zu Reich-Ranickis 85. Geburtstag wird die Stadt Frankfurt federführend für die Bundesrepublik ein Bankett ausrichten - zu Ehren des Mannes, der sich mit obsessiver Leidenschaft und Konsequenz für die deutsche Literatur eingesetzt hat.
Uwe Wittstock, der Reich-Ranicki aus langjähriger Zusammenarbeit kennt, nähert sich einfühlsam diesem Kritiker, der die Literatur hierzulande popularisiert hat wie kein anderer zuvor. Entlang vieler Gespräche, die er mit Reich-Ranicki, aber auch mit Weggefährten und Gegnern wie Günter Grass, Joachim Fest und Walter Jens geführt hat, zeigt er ungeschönt und trotzdem voller Sympathie das Leben dieses Mannes, den die Nazis verbannten. Aus dem Verfolgten ist eine der prägendsten - und auch schillerndsten - Personen der deutschen Nachkriegskultur geworden.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.06.2005
Oliver Fink sagt es mit vielen Worten: ein überflüssiges Buch. Nichts als ein weiterer Ausstoß der "gewaltigen MRR-Vermarktungs-Maschinerie". Jeder darf mal ran, und jetzt ist eben Uwe Wittstock an der Reihe, lästert Fink, dem Ex-Chef den Nacken zu kraulen. Nicht, dass keine aufschlussreiche Erzählung von Reich-Ranickis Leben möglich wäre - auch und vielleicht gerade seit der Autobiografie, meint Fink, gäbe es eine Menge zu hinterfragen. Stattdessen aber habe Wittstock die "Samthandschuhe" angezogen und es tunlichst vermieden, "heiße Eisen" - Historikerstreit, Fest, Walser, Bubis - anzufassen. Fazit: ein Geburtstagsständchen, das noch nicht einmal dem im vergangenen Jahr erschienenen - ebenfalls laschen - Buch von Thomas Anz etwas hinzuzufügen hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.04.2005
Natürlich ist das lesenswert, findet Robin Detje, denn wie könnte ein Buch über "den großen Streithammel der westdeutschen Nachkriegskultur" nicht spannend sein. Erschöpft ist die Kritik mit diesem Urteil aber noch nicht. Was die eigentlichen Qualitäten des Buches angeht, differenziert der Rezensent. Durchweg gelungen findet er die erste Hälfte, in der Uwe Wittstock die Agressivität wie die Empfindlichkeit des Kritikers als Reaktionen auf die traumatischen Holocaust-Erlebnisse beschreibe. Dann aber werde die Darstellung zunehmend zu einer persönlichen Angelegenheit des Autors, der als FAZ-Redakteur unmittelbar mit Marcel Reich-Ranicki zu tun hatte. Mitunter, so Detje, mache die Biografie daher in der zweiten Hälfte sehr den Eindruck, dass Wittstock noch immer etwas auszufechten habe. Für den Leser ist das dann nicht unbedingt mehr spannend.
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Uwe Wittstock
Uwe Wittstock, geboren 1955, war Literaturredakteur im Feuilleton der FAZ, Lektor für deutsch-sprachige Literatur im S. Fischer Verlag und ist heute Kulturkorrespondent für Die Welt in Frankfurt am Main.mehr lesen
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