Bücherschau der Woche
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Klappentext
Inspirierten und kenntnisreichen Gesprächen über Musik beiwohnen zu dürfen, ist ein seltener Genuss, mit dem uns dieses Buch beglückt. Urs Frauchiger, bekannter Musikpublizist und selbst Cellist, hat während Jahren mit den bedeutendsten Geigern Gespräche geführt, die er hier dokumentiert. Mit Gidon Kremer, Jehudi Menuhin, Kim Kashkashian, Thomas Zehetmair, David Oistrach, Anner Bylsma, Viktoria Mullova, Max Rostal, Igor Ozim und Siegfried Palm. Ein roter Faden läuft durch die Gespräche, nämlich die Frage nach der Bedeutung der repetitiven Arbeit, des täglichen Übens. Wie sehr oder wie wenig wichtig ist das Üben für einen jungen Musiker? Und: der eigene Ton? Wie kommt ein Geiger zu einem künstlerisch tatsächlich bewegenden Geigespiel, jenseits der von der Industrie geförderten und geklonten Virtuosität gewisser Stargeiger? Gerade diesem Thema spürt Frauchiger in den Gesprächen nach, die alle Bereiche der Kunst und des Handwerks berühren und darüber hinaus zu Rundfragen der Musik, der Kultur überhaupt führen. Das Buch kulminiert schließlich in einem imaginierten Symposion über Niccolò Paganini, den Teufelsgeiger.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.12.2000
Thomas Schacher bespricht zwei Neuerscheinungen, die sich auf ganz verschiedene Weise dem Spiel berühmter Violinvirtuosen widmen und dabei den Wandel im Musikgeschäft angemessen berücksichtigen.
Harald Eggebrecht: "Grosse Geiger"
Dieses Buch des Münchener Musikjournalisten Eggebrecht ist geeignet, die Nachfolge des bisherigen Standardwerkes zum Thema Geiger von Albrecht Roeseler anzutreten, meint Thomas Schacher. Anders als bei Roeseler seien die Kapitel allerdings nicht chronologisch, sondern assoziativ geordnet. Schacher lobt die sachliche und auch kritische Darstellungsweise des Autors, dem seine "Helden nicht zu Göttern werden", der der Musik immer den Vorrang einräume, auf dem Zusammenhang zwischen Werk und Interpretation bestehe und die künstlerische Entwicklung der Interpreten statt Klatschgeschichten zur Person schildere. Auch den jüngeren Talenten lieh Eggebrecht sein Ohr, so wie nach Schacher überhaupt Eggebrechts Urteil sich aus dem direkten Hörerlebnis im Konzert (und wenn es nicht anders ging durch einen Live-Mitschnitt statt Einspielungen) bildete; was die jüngeren Interpreten angeht, so hat Eggebrecht einen geschärften Blick für die Zwänge des heutigen Musikgeschäfts, schreibt Schacher. Bei Itzhak Perlman sehe Eggebrecht bei allem Respekt beispielsweise die Gefahr, dass sich der Virtuose zu einem "Violin-Pavarotti" entwickelt.
Urs Frauchinger: "Der eigene Ton"
Frei von jeder Selbstverpflichtung zur Chronologie oder repräsentativen Auswahl verfährt nach Schacher der Autor dieses Buchs, von Haus aus selbst Cellist und früher einmal Direktor der Kulturstiftung Pro Helvetia. Frauchinger hat mit zwölf Virtuosen Gespräche geführt, die er im Lauf seiner Karriere kennen gelernt hat: Geiger sind darunter, aber auch Cellisten und Bratscher. Frauchinger stelle ausschließlich Künstler vor, so der Rezensent, die er bewundere, die sich für ihn gegen den Mainstream behauptet hätten. Die zentrale Frage nach dem "eigenen Ton" führe über die Ebene der technischen Perfektion hinaus. Gidon Kremer zitiert Schacher mit der Bemerkung, dass Authentizität des Spiels nur dann entstehen kann, wenn der Künstler den Ton in sich selber höre. Wie jemand seinen eigenen Ton oder seinen eigenen Stil findet, sieht je nach Persönlichkeit anders aus: die Gespräche sind anregend, meint Schacher, und betreffen außer dem bereits angeklungenen Leitmotiv auch Fragen zur Biografie der Künstler und ihrer Beziehung zur Neuen Musik.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.11.2000
Mit spürbarer Sympathie bespricht Reinhard Olschanski diesen Band, in dem der Frage nachgegangen wird, ob das musikalische Üben die Spontaneität des Ausdrucks möglicherweise behindert und wie sich Musiker mit interpretatorischem Anspruch in der Kulturindustrie behaupten können. Einig sind sich die befragten Musiker, so Olschanski, in dem Punkt, wo das Üben zumindest beim Erlernen der Grundlagen unabdingbar ist, zumal "interpretatorische Freiheit und Spontaneität" ohne grundlegende Technik nicht denkbar sei. Als besonders interessant hebt der Rezensent die Überlegungen Gidon Kremers hervor, der sich über die heute übliche Wettbewerbspraxis und die damit verbundene Tendenz zu "sterilem Perfektionismus" äußert. Auch Thomas Zehetmairs (an Brahms angelehnte) Devise, dass ein Musiker "genau so viel lesen wie üben sollte", findet Olschanski überlegenswert. Ansonsten erfahre der Leser einiges über das, was Musiker für sich als wichtig erachten, um im Kulturbetrieb nicht zermahlen zu werden, ob das nun "Neugier, Offenheit" ist, oder Yoga, wie bei Yehudi Menuhin. Insgesamt lobt der Rezensent als "gut lesbaren, ebenso witzigen wie gelehrten Gesprächsband", der auch fiktive Gespräche mit Ditters von Dittersdorf und ein `Paganinisymposion` enthält und dadurch einen Blick auf die Praxis im 18. und 19. Jahrhundert eröffnet.
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