Bücherschau der Woche
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Klappentext
1955 wird Max Frisch mit "Stiller" berühmt, im selben Jahr verlässt er Frau und Kinder und verkauft sein Architekturbüro. Fortan wird er nur noch schreiben. Seine Bücher werden in unzählige Sprachen übersetzt und seine Bühnenwerke auf der ganzen Welt gespielt. Und Max Frisch wird zu einem klassischen Intellektuellen, der mit der kritischen Hellsichtigkeit eines Aufklärers das Zeitgeschehen beobachtet und sich einmischt, wo er Missstände sieht. So umfangreich die Literatur über Max Frisch ist: Urs Bircher stellt erstmals sein Leben und Werk im zeitgeschichtlichen Zusammenhang und für ein breites Publikum dar. Dies ist der zweite Band seiner Frisch-Biografie. Der erste Band erschien 1997 unter dem Titel "Vom langsamen Wachsen eines Zorns. Max Frisch 1911?1955".
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.05.2001
Hans-Peter Kunisch hat sich unter den neueren Erscheinungen zum Frühwerk Max Frischs umgesehen. In seiner Mehrfachbesprechung legt er uns vor allem zwei Bücher ans Herz: Frischs "'Im übrigen bin ich immer völlig allein.' Briefwechsel mit der Mutter 1933. Eishockeyweltmeisterschaft. Reisefeuilletons" (Suhrkamp). Sowie den ersten Band von Urs Birchers Frisch- Biographie: "Mit Ausnahme der Freundschaft. Max Frisch 1911-1955" (Limmat-Verlag).
1) Max Frisch: "Im übrigen bin ich immer völlig allein."
Den Autor will Kunisch ein wenig in Schutz nehmen. Gegen das Verdikt vom "blumig-lyrischen Stil" des "naiven jungen Frisch" führt er die frühen, hier versammelten Arbeiten ins Feld. "Glänzend" nennt er sie, möchte das Wort allerdings durchaus in seiner Doppelbedeutung verstanden wissen, "das Verschmockte aller Selbstdarstellung inbegriffen." Dennoch: Die Feuilletons des "Moral- Schriftstellers als junger Dandy" findet er nicht durchweg unpolitisch oder seltsam, sondern mitunter "recht überzeugend historisch". Wenn auch der Band als Ganzes die "nahe liegende Thematisierung der politischen Haltung weitgehend vermeidet."
2) Urs Bircher: "Mit Ausnahme der Freundschaft. Max Frisch 1911-1955"
Gegen diesen ersten Band von Birchers Biographie, meint unser Rezensent, sei der zweite eher harmlos. Überfällig sei der hier vorgelegte Versuch, den ersten Lebensabschnitt des weltbekannten Autors Frisch "einmal auch politisch darzustellen." Kunisch räumt ein, dass die "patriotisch-nationalistischen Haltungen" des jungen Frisch "als prinzipientreuer Kleinbürger, der den offiziellen Schweizer Standpunkt (während des Kriegs) verinnerlicht hatte", dem Kenner zwar bereits bekannt seien, Bircher jedoch komme das Verdienst zu, sie einem breiteren Publikum vorzuführen. Allerdings: Etwas weniger "Aufdeckungsgestus" hätte es nach Kunischs Dafürhalten auch getan.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2000
Wohlwollende Aufnahme findet dieser zweite Band der Biografie Max Frischs bei Walter Hinck, sehr kritisch ist hingegen seine Beurteilung der Bedeutung des Schweizer Autors selbst. In vielen Einschätzungen scheint der Rezensent mit dem Biografen einig, dass nämlich Max Frisch zu Lebzeiten als Schriftsteller wohl überschätzt gewesen ist, was vor allem seinem Engagement als kritischem Intellektuellem zu verdanken war. Als "Staatsfeind Nr.1" hat er sich wohlgefühlt, und erfuhr dabei erst kurz vor seinem Tod (1991), dass er tatsächlich über vierzig Jahre lang von der Schweizer Polizei überwacht wurde. Für die Zeitlosigkeit und Allgemeinheit vieler seiner frühen parabelhaften Theaterstücke trifft ihn dasselbe Verdikt, wie er es selbst über Brecht einmal ausgesprochen hat, schreibt Hinck, nämlich das von der "durchschlagenden Wirkungslosigkeit des Klassikers". Größere "Haltbarkeit" bescheinigen Autor und Rezensent seinen stark autobiografisch gefärbten Werken wie den "Tagebüchern" und dem Roman "Montauk". Und angenehm sachlich findet Hinck die Beschreibung der gescheiterten Beziehungen zu Ingeborg Bachmann und Marianne Oellers. Wenig zu sagen weiß der Rezensent zum Lebensmotiv, das im Titel anklingt, nämlich dem der Freundschaft: nur erwähnt wird die ambivalente Beziehung zu Dürrenmatt. Und selbigem bescheinigt der Rezensent am Ende seiner Besprechung, er sei der größere der beiden Schweizer gewesen...
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.05.2000
Leicht enttäuscht zeigt sich Bruno Steiger von Urs Birchlers zweitem Band der Biographie des Schweizer Schriftstellers Max Frisch. Zwar grundsolide und unparteiisch geschrieben, sei dieser zweite Teil, der mit Frischs literarischem Durchbruch als Romancier Mitte der 50er Jahre einsetzt, fürs "breite Publikum" geeignet, aber einen "wissenschaftlichen Anspruch" kann Steiger nicht feststellen. Allerdings teilt der Rezensent nicht mit, ob der Autor diesen überhaupt geltend macht. Für Steiger orientiert sich die Schilderung der biografischen Stationen zu sehr an Daten und Fakten, er vermisst sowohl eine genauere Analyse des literarischen Werks als auch eine originelle Sichtweise auf Frischs Erprobung der Rolle eines politisierenden Intellektuellen.
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