Bücherschau der Woche
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Klappentext
Sie treffen sich zufällig nach vielen Jahren in einer New Yorker Frühstücksbar wieder: Max, vielleicht Anfang dreißig, und Nelly, die Ältere, noch immer schön. Beide haben früher zusammengewohnt, in Berlin: Er war damals ein kleiner Junge, sie die Lebenspartnerin seines Vaters ? aber eben nicht Max` leibliche Mutter. Sie erzählen. Erzählen sich ihr Leben und ihre Erinnerungen an die Berliner Zeit. Wie war das damals, in jenen aufregenden siebziger Jahren? In der Altbau-Wohnung Mommsenstraße, einer linken WG, Tür an Tür mit einem florierenden Bordell.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.05.2000
New York gebe nur den äußeren Rahmen dieser ins Berlin der 70er und 80er Jahre zurückführenden Geschichte ab, meint Reinhard Baumgart, aber diesem Distanz schaffenden Moment sei womöglich die Tatsache geschuldet, dass Ulrike Kolb nicht wie heute üblich mit satter Ironie oder feister Nostalgie über ehemalige WG-Kultur und Westberliner Politromantik herfällt. Für Baumgart ist die neue Erzählung der Kolb, in der die Begegnung der älteren Nelly mit ihrem einstigen Ziehsohn Max geschildert wird, ein "Kunststück an Balance": sie tauchen ein in eine gemeinsame, aber höchst unterschiedlich erlebte Vergangenheit. Zunächst bestimmt ihre, dann seine Erzählstimme die Perspektive im Bericht aus einer Vergangenheit, der die Lebenspraxis der 68er-Generation rekapituliert und die einstige Losung vom Privaten, das politisch sei, liebevoll aber bestimmt "vom Kopf auf die Füße stellt".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.04.2000
Christiane Schott hat an diesem Roman vor allem die "atmosphärisch dichte Beschreibung" einer Berliner WG in den 70er Jahren gefallen. Kolb sei dabei überhaupt nicht nostalgisch, versichert die Rezensentin. Dem Rückblick scheint nach ihrer Beschreibung etwas traumhaftes anzueignen: dafür sorgen die Anekdoten, Erinnerungsfetzen und die unterschiedlichen Erzählperspektiven des 30jährigen Architekten Max, der seine Kindheit in der Mommsenstraße verlebt hat und der 56jährigen Nelly, der "Alleinreisenden aus Berlin", die damals in der WG mit Max Vater liiert war. "Ein formaler Hochseilakt mit seelischem Tiefgang", resümiert die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.03.2000
Meike Fessmann rezensiert dieses Buch mit warmen Worten - wenn auch keine echte Begeisterung aus ihren Zeilen spricht. Ihres Erachtens wird in diesem Roman kein Generationenkampf zwischen Mutter und Sohn ausgetragen, hier wird eine Liebesgeschichte erzählt. Dabei hebt Fessmann die Genauigkeit und das Unaufgeregte an Kolbs Erzählweise besonders hervor. In stilistischer Hinsicht bemängelt die Rezensentin allerdings, dass Kolbs Zurückhaltung am Anfang des Buches beim Leser für Verwirrung sorgt: erst nach und nach werde klar, dass es Nelly ist, die sich der umständlichen, von Konjunktiven geprägten Sprache bedient. Max hingegen drückt sich sehr viel direkter aus. An der "Ablösung des Konjunktivs durch den Indikativ" meint die Rezensentin jedoch den Bruch ablesen zu können, den Kolb mit ihrer Liebesgeschichte beschreibt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2000
Die Abrechnung mit der Generation von 1968 läuft ja auf Hochtouren und dies Thema sieht Ursula März auch in Ulrike Kolbs jüngstem Roman behandelt, wo es um zwei Menschen geht, die traumatische WG-Erfahrungen zu bewältigen haben. Der Kritik merkt man zwar die Freude an, so manches endlich mal beim Namen genannt zu sehen und aus der Emphase, mit der sie das Buch bespricht, tropft manchmal ziemlicher Geifer gegen die 68er-Generation. Aber Ursula März macht auch neugierig auf das Buch, an dem sie nicht nur seine "undemonstrative Schärfe" begeistert hat. "Diskret und fragend" erzähle Ulrike Kolb ihre Geschichte von Max und Nelly und einer Zeit "in der das Schlagen von Kindern tabu, und dafür das Totdiskutieren von Kindergefühlen eingeführt worden war". Ihre Deutung des Romans als Abrechnung mit 68 nimmt die Rezensentin am Schluß auf die eigene Kappe. Ulrike Kolb würde das so nie schreiben, meint März. Denn die analysiere die Geschichte nicht, sondern bewege sich in ihr und ihren "sinnlichen Elementen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2000
Nelly und Max, der Sohn ihres früheren Geliebten, treffen sich zufällig in New York und erinnern sich, jeder aus seiner Perspektive erzählend, an die Zeit, in der sie - in angedeutetem erotischem Verhältnis - in Westberlin in einer Wohngemeinschaft zusammenlebten. So wenig Verständnis Walter Hinck auch für die "Illusionen einer buntscheckigen Linken" hat, so gefällt ihm doch, dass die Autorin aus den Erinnerungen der beiden keine büßerisch-heuchlerische "Abrechnung" gemacht hat, sondern mit "unprätentiös und luftig" wirkender Sprache ihren Protagonisten das Erzählen überlässt. Dann wieder stört er sich allerdings an der "Konturlosigkeit der Stadt Berlin" in ihrem Text - und noch an manch anderem. So richtig Lust aufs Lesen macht er einem eigentlich nicht.
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