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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Tristan Egolf

Monument für John Kaltenbrunner

Roman

Cover: Monument für John Kaltenbrunner

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN-10 3518411810
ISBN-13 9783518411810
Gebunden, 501 Seiten, 25,46 EUR

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Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert. So einer kann nur anecken, in der Schule, im ganzen Leben. Schon gar, wenn er in Baker aufwächst, einem hinterwäldlerischen Industriekaff im Corn Belt, bewohnt von "Fabrikratten, Trolls, Schmalzköppen und Methodistenvetteln". Letztere bringen ihn um die Früchte seiner Arbeit; als Johns Mutter unheilbar erkrankt, sorgen die frommen Bettkantenhockerinnen routiniert dafür, dass die Sterbende ihnen rechtzeitig alles überschreibt. Klar, dass John sich wehrt. Auch wenn kein Stein auf dem andern bleibt und Bakers geballte Ordnungsmacht anrücken muss. Da ist unser Held gerade mal fünfzehn. Auch die weiteren Stationen dieser modernen Outlaw- Ballade verlaufen drastisch. Nach jahrelanger Achterbahnfahrt führt ihn sein Leben schließlich zur Müllabfuhr, wo der schweigsame, unheimliche junge Mann seine geduckten Kollegen in einen Müllstreik führt, der die Stadt einen heißen Sommer lang in apokalyptische Zustände stürzt. Tristan Egolfs Erstlingsroman ist eine grimmige Ermunterung, sich niemals unterkriegen zu lassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2001

Seine liebe Not hatte Rezensent Friedmar Apel mit diesem Buch. Zwar hatte der Protagonist als Nachkomme von "Hiob, Simplicissimus, Michael Kohlhaas, Käptn Ahab, Tom Sawyer Donald Duck und Superman" zunächst echte Gewinnchancen. Auch die im Buch beschriebene Atmosphäre der amerikanischen Provinz entlocken dem Rezensenten ein paar vielversprechende Stimmungsbilder . Aber dann haben die Grobschlächtigkeit von Egolfs Sozialkritik , die "aufgesetzten erzählerischen Wutausbrüche" und die "vulgärpsychologisch getränkte Fäkalsprache" ihm den Spaß am "Debüt dieses begabten Erzählers" verdorben. Frank Heiberts "tapfere" Übersetzung steigere die mitunter "barocken Übertreibungen" noch durch "wenig zeitgemäße Ausdrücke". Im Ganzen stehe "Einfalt der Handlung" in Missverhältnis "zum Aufwand an Adjektiven und der hysterischen Aufladung der Schilderung gewöhnlicher Situationen".

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.01.2001

Hochtourig wie ein Wirbelsturm erzählt der amerikanische Jungautor Tristan Egolf die Geschichte des John Kaltenbrunner, schreibt Rezensent Martin Lüdke. Ganz in der Tradition der "Great American Novel" verlaufe die Karriere des jungen Viehzüchters - nur, eben doch anders, nämlich von oben nach unten. Lüdke hält das Romandebüt für einen wilden Wurf. Eine Mischung aus Schelmenroman und Kolportage, Slapstick und Sozialkritik. Der Rezensent ist zwar nicht grenzenlos begeistert, streckenweise findet er den Text "ungeheuer ermüdend", aber immerhin überbiete dieser Roman sämtliche amerikanische Literatur der letzten Jahrzehnte. "Ernsthaft, aber nicht verbissen, oft auch komisch", radikal und konsequent beschere Egolf mit diesem Roman dem Leser einen unvergesslichen Eindruck des american way of life der ganz anderen Art.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.12.2000

Alex Rühle zeigt sich von diesem Roman beeindruckt, ist aber nicht begeistert. Egolf schreibe in einem "packenden Furioso, barock, überbordend", dass den Rezensenten zunächst "begeistert" dem Helden der Geschichte in seinem Kampf gegen das Establishment folgen lässt. Mit der Zeit nerven den Rezensent jedoch die unaufhörlichen Eruptionen. Egolf habe als Punkmusiker angefangen, berichtet er, und das merke man auch dem Roman an: immer neue "infernalische Rekorde" werden aufgeboten, stöhnt Rühle. Das ist vielleicht gut für die Triebabfuhr, aber am Ende produziert der Krach nur "leere Langeweile", lautet das Resümee.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2000

Jörg Häntzschel klingeln regelrecht die Ohren bei diesem Landwirtschaftswestern, von dem ein geschätztes Fünftel "Massenschlägereien" ausmachen. Auch wenn er unter dem "schmerzhaften Dezibel-Level" leidet, ist er zunächst von dem "fulminanten ersten Drittel" des Romans beeindruckt und sieht in den angelegten Motiven und Konflikten des streitbaren Farmers Kaltenbrunner großes Potential. Doch nach und nach werden ihm die "maßlosen Vergleiche" und die Extremsituationen, die der amerikanische Autor entwirft, einfach zuviel. Das Buch verliere an "Kraft" und hinter den bizarren Details werde der "dürftige Inhalt und die ungeschlachte Ausführung" bewusst, moniert der Rezensent. Nach der eindrucksvollen Exposition laufe der Roman ins Leere und treibe den Leser dazu, den Rest so schnell wie möglich hinter sich zu bringen, fasst der Rezensent seine Lektüreerfahrung zusammen. Trotz dieser geharnischten Kritik aber lobt er ausdrücklich die "glänzende" Übertragung ins Deutsche durch Frank Heibert.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.10.2000

Recht apokalyptisch scheint es in diesem Roman zuzugehen, den Kolja Mensing als `last american novel` beschreibt. Eindrucksvoll schildert der Rezensent die Figur dieses John Kaltenbrunner, der in einer abgelegenen Industriestadt in den Appalachen einen Müllstreik auslöst und die Stadt, so scheint es, in einem Berg von Unrat versinken lässt. Mensing erkennt in dieser Stadt das `exemplifizierte Land Amerika` und in Egolfs Roman eine Bebilderung der These, dass Amerika dem Untergang geweiht ist, weil es sich nicht von den Altlasten seiner europäischen Herkunft zu trennen weiß. Was Mensing nun über den Roman denkt, ob er sein Untergangspathos beeindruckend findet oder nicht, geht aus seiner Kritik nicht hervor. Dafür erzählt er ein bisschen Klatsch aus dem Leben des Autors, der mit der Tochter des in Frankreich berühmten Autors Patrick Modiano liiert sei und seinen Roman in den Verlagen erst an den Mann habe bringen können, nachdem Modiano seine Beziehungen spielen ließ.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2000

Als "monumental" bezeichnet Lutz Hagestedt in seiner Besprechung den Erstlingsroman "Monument für John Kaltenbrunner". Den Autor Tristan Egolf nennt er einen "staunenswerten, von Ideen übersprudelnden Erzähler" und vergleicht ihn mit Tom Coraghessan Boyle. Egolf erzähle hier eine Fabel - die Geschichte des Aufrührers John Kaltenbrunner, der die Ordnung einer Kleinstadt mit einem Müllkrieg aus den Fugen hebt und die Bewohner spaltet: Für die einen ist Kaltenbrunner schlicht der Satan, für die anderen ein Erlöser, eine Heilsfigur. Der Autor scheint beides gleichermaßen plausibel zu finden. Hagestedt, der zu Beginn seiner Kritik fast ehrfürchtig all die großen Namen aufgezählt hat, die Egolfs Roman so gelobt haben, gibt - fast schon am Ende seiner Kritik - jedoch zu, dass die "hochtourig erzählte Geschichte" auch "nervt". Egolf habe noch nicht den richtigen Rhythmus gefunden, das "notwendige Wechselspiel von ... Spannung und Entspannung" sei noch nicht stimmig. Die grelle Welt, die sich in dem Buch entfalte, hat den Rezensenten manchmal recht "ermüdet".

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