Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Toni Davidson

Dr. Sad

Roman

Cover: Dr. Sad

Rowohlt Verlag, Reinbek 2000
ISBN-10 3498013165
ISBN-13 9783498013165
Gebunden, 332 Seiten, 21,47 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Englischen von Peter Robert. Der Psychiater Dr. Curtis Sad experimentiert mit zwei schwer traumatisierten Jungen, die elterlichem Missbrauch ausgesetzt waren. Er ist ein fanatischer Erneuerer seiner Wissenschaft, ein Mann, der Grenzen überschreitet. In einem verlassenen Trakt der schottischen Klinik, bei der er angestellt ist, baut er mit Hilfe einiger Patienten heimlich die Lebenswelt der beiden Jungen nach. Dort unterwirft er den verängstigten Click und den völlig verwahrlosten Fright unter Missachtung aller Gefahren für ihr labiles seelisches Gleichgewicht einer riskanten «Milieutherapie», die Patienten in den unerträglichen Augenblick ihrer Traumatisierung zurückversetzen soll. Es beginnt eine schaurige Reise in die Tiefen des Unterbewusstseins, und sie hat fatale Folgen, denn auch Dr. Sad wird von quälenden sexuellen Obsessionen geplagt ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.11.2000

Ulrich Sonnenschein ist begeistert: keine Normalität in diesem Buch, keine heile Welt, keine Besinnlichkeit! Stattdessen werden "im flirrenden Licht einer Laborlampe" zwei Schicksale betrachtet - an den Rändern der Gesellschaft, an den Grenzen der Sprache: Ein Psychiater und sein Patient. "Scar-culture" heiße der Roman im Original, und wenn man dem Kritiker glauben darf, bietet der Roman nun alles, was einem beim Lesen jenen wohligen Schauer des Grauens verschafft: Inzest, Misshandlungen, Irrsinn. Als "forcierten Realisten" bezeichnet der faszinierte Kritiker den Autor Toni Davidson, von dem wir auch lesen, dass er als "Performance-Künstler im Grenzbereich zwischen Literatur und Musik" experimentiert. Und dass schon zwei frühere Anthologien "von dieser Lust an der Grenzerfahrung" geprägt seien. Einmal handelte es sich um eine Sammlung schwul-lesbischer Kurzgeschichten. Das zweite Buch war eine Anthologie über drogeninduziertes Schreiben. An "Dr.Sad" nun wird vom Rezensenten besonders die "starke Komposition", die "analytische Schärfe" und die Übersetzung von Peter Robert gelobt.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2000

Stephan Maus zeigt sich beeindruckt von diesem Roman, der aus verschiedenen Perspektiven ein Psychiatriedrama inszeniere. Er sei "souverän" geschrieben, lobt der Rezensent, und das ohne in Betroffenheitspathos oder "Voyeurismus" abzugleiten. Durch die Stimmen der verschiedenen Erzähler erhalte der Roman seinen "unverwechselbaren Ton", wobei auch mit "schwarzem Humor" nicht gespart werde. Die Montierung von verschiedenen Textarten wie fiktiver Tonbandbericht, Fotobeschreibung oder Experimentschilderung ließen eine fesselndes "Polyphonie von Leid und Wahn" entstehen.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.07.2000

Mit Achtung aber auch Distanz bespricht Gorg Sütterlin diesen "sprachlich und kompositorisch eindrücklich" gelungenen Erstlingsroman. In ihm geht es um einen ehrgeizigen Psychiater, der durch Drogen und "rekonstruierte Umgebung" die Traumata zweier schwer geschädigter Jungen ihnen - und vor allem sich - zugänglich machen will. Über die Konsequenzen schreibt Sütterlin nur, dass sie "durchaus vorhersehbar" aber auch "verwirrend" sind. Als "gelungen und packend" beurteilt er die Charakterisierungen der beiden Hauptfiguren, Click und Fright; ihre in Rückblenden erzählten Vergangenheiten beinhalten sadistische und sexuelle Quälereien durch "verwahrloste und psychisch angeschlagene Eltern", die der Autor manchmal als Schock aber immer "mit Respekt vor ihrem Leiden" beschreibt. Mit vielen "satirischen Seitenhieben auf die Psychiatrie" kommt der Psychiater Dr.Sad ins Bild, dessen Mischung aus empathischer und voyeuristischer Haltung dem Rezensenten offenbar schwer erträglich war.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren