Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Diane von Weltzien. Tränen fließen nicht nur aus Kummer. Man kann auch Tränen lachen. Das Weinen ist eine nur dem Menschen eigene Fähigkeit und Kunst, die Wissenschaftler und Künstler gleichermaßen seit jeher faszinierte. In Tom Lutz` Studie wird erstmals beschrieben, welche Wirkung Tränen in der Geschichte hatten und heutzutage beispielsweise in der Werbung erzielen, wie Philosophen, Anthropologen und Psychologen das Weinen interpretieren und wie es neurologisch und ophtalmologisch erklärt wird. Darüber hinaus bezieht der Autor die bildenden Künste sowie literarische Texte und Filme in seine Untersuchung ein, um das Mysterium des Weinens und die vielen Bedeutungen von Tränen zu ergründen. Die erste populäre Kulturgeschichte dieses ganz und gar menschlichen Phänomens.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2000
Man gehe ans Regal Kulturgeschichte: Da gibt es die Geschichte des Meers, des Todes, des Hintern, der Busen, des Ohres. Jetzt also der Tränen. Klaus Ungerer mag das Buch des Literaturwissenschaftlers Tom Lutz anscheinend, findet aber keine Schlussfolgerung und schlussfolgert deshalb selbst: "Das Weinen wird nicht immer gern gesehen - oft aber doch." Der physiologische Teil ist "dröge" geraten, dann aber "schillern die Tränen in Zeit und Raum". Die Trauervorschriften aus dem Korea des 19. Jahrhunderts werden vorgestellt, und im Tagebuch des Jesuitengründers Ignatius von Loyola hat Lutz 175 Tränenströme gezählt. Vielleicht sind wir heute auf bestem Wege zur neuen Empfindsamkeit: Bob Dole weinte vierzig Jahre fast nie, ab 1992 aber immer öfter. Nur warum wir weinen, das wissen wir immer noch nicht. Und das weiß auch Tom Lutz nicht, weiß Klaus Ungerer.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.11.2000
Eine etwas tränenselige, mitunter beinahe delirante, Rezension zu dieser Kulturgeschichte des Weinens hat Bernd Heimberger verfasst. Als sicher ist ihr wenigstens soviel zu entnehmen, dass die Übersetzung stellenweise grauenhaft ist, dass der Nachweis geführt wird, dass Tränen die verschiedensten Funktionen haben können und dass man im Buch über die unterschiedliche chemische Substanz männlicher und weiblicher Tränen wenig erfährt. Als wichtige Erkenntnis bleibt: "Die Geschichte eines Lebens ist auch die Geschichte der Tränen eines Lebens."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.11.2000
Wussten Sie, dass es - chemisch betrachtet - drei Sorten von Tränen gibt? Dass Politiker häufiger weinen als Politikerinnen? Was uns am Heulen Vergnügen bereitet? Fragen, die Rolf-Bernhard Essig in seiner Besprechung aufwirft, um auf die Lektüre der jüngsten Kulturgeschichte des Weinens neugierig zu machen. Essig ist von der Spannweite des Buches beeindruckt: der Autor greift auf die allgemeine, nicht nur europäische Kulturgeschichte zurück, bezieht Theater, Religion, auch die Ethnologie mit ein und verwertet zugleich neueste Erkenntnisse aus Psychologie, Medizin und Neurophysiologie. Vor allem die "argumentative Offenheit" des Autors gefällt Essig, auch wenn sie manchmal von "Namesgeklingel" und der anglizismenhaltigen Übersetzung konterkariert werde. Obwohl der Autor die vor 15 Jahren erschienene Studie von Gisela Berkenbusch ignoriert habe, so Essig, sei es ihm gelungen, Umfassenderes zu liefern. Die Frage Roland Barthes`, von Essig zitiert, "Wer wird die Geschichte der Tränen schreiben?", beantwortee Lutz mit: `Wir alle`. Falsche Bescheidenheit, findet Essig.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.07.2000
Der Rezensent mit dem Kürzel "rox." betont in einer Notiz über das Buch, dass es - anders als es der deutsche Titel vermuten lasse - durchaus der einmal von dem Dichter Edgar Young geforderten "Philosophie der Tränen" nahekomme. Lutz, amerikanischer Psychologe, unternimmt nach "rox." "Erkundungen ins Tränenreich", die dem Rezensenten offensichtlich instruktiv erscheinen. Auch begrüßt der Rezensent Lutz` Richtigstellung, dass nur der Mensch weinen kann und dass es keine Kultur gibt, wo keine Tränen sind.
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