Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Thorsten Becker hat einen Roman über Luther geschrieben. Der Leser verdeutscht mit ihm das Gotteswort, zieht mit ihm in den Bauernkrieg und wird auf die Hochzeit mit Katharina von Bora geladen, lernt den Revolutionär und Fürstenknecht kennen. Er kommt dieser übergewaltigen Figur der deutschen Geschichte nahe wie kaum sonst.Und doch setzt die Handlung nicht zwischen 1483 und 1546 in Eisleben oder Wittenberg ein, sondern 1943 in Alma Ata, dem Zufluchts- und Verbannungsort vieler Deutscher. Dem Erzähler, Schauspieler und desertierter Pilot der Luftwaffe, ist die Herausgabe des Luther-Romans aus der Feder des tragisch geendeten Erfolgsschriftstellers Gisbert Gutsche anvertraut. Im Nachdenken über Gutsche verstrickt er sich immer tiefer in die Widersprüche von dessen Künstlerexistenz bis hin zum gemeinsamen Freitod mit der jüdischen Frau und Tochter.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2009
Zurückhaltend äußert sich Rezensentin Sabine Doering über Thorsten Beckers Luther-Roman "Das ewige Haus". Sie bescheinigt dem Autor dabei durchaus ein aufwendiges Spiel mit Dichtung und Wirklichkeit. So verklammere Becker das Lebens des Reformators mit dem des Autors Jochen Kleppers, der 1942 Selbstmord beging und im Buch als Gisbert Gutsche mit dem Vorhaben auftaucht, einen Roman über Luther und seine Frau zu schreiben. Allerdings tut Becker nach Ansicht Doerings kaum etwas, um den historischen Hintergrund aufzuhellen, so dass die meisten Leser die zahlreichen Bezüge wohl nicht erkennen werden. Die Vorwürfe gegen Luther, die in dem Roman erhoben werden, findet sie weder neu noch originell, Beckers Sicht der deutschen Geschichte ziemlich "holzschnittartig". Und auch mit der Entzauberung des Schriftstellers Gutsche kann sie wenig anfangen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.03.2009
Christoph Bartmann ist nur teilweise überzeugt von Thomas Beckers neuem Roman, den er sogleich als Herausgeberfiktion enttarnt. Der Autor, erfahren wir, erzählt in seinem Buch die Vita Martin Luthers, und das aus einer ziemlich verschachtelten Narrationsperspektive. Denn dies ist auch die Geschichte des Dichters Gisbert Gutsche und die des deutschen Barons von Wolzogen, der Ende des Zweiten Weltkriegs im kasachischen Exil dazu verdonnert wird, Gutsches nachgelassene Luther-Biografie zu editieren und den Schriftsteller für die Sowjets zum Märtyrer zu stilisieren. Im Wechsel präsentiert Becker also jeweils ein Kapitel aus der fiktiven Biografie und ein Kapitel fiktive Editierung. Dieses vielstimmige Erzählen bewegt Bartmann zu Vergleichen mit Thomas Mann, restlos überladen findet er allerdings die Figur Wolzogens, der durch reine Mutmaßungen die Umstände der Biografie-Entstehung nachvollziehen muss. Schlussendlich, meint Bartmann, hat sich Becker mit der komplizierten Konstruktion seines Romans übernommen, auch wenn der Rezensent den interessanten Stoff und gute Gedanken "in größerer Menge" mit Lob bedenkt.
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