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Klappentext
Die seit den achtziger Jahren im Entstehen begriffene junge jüdische Literatur schafft einen ästhetischen Raum, in dem Autoren Wege erproben, die über den Riß im Band der Generationen in die Vergangenheit jüdischer Traditionen zurückverweisen. In den Romanen, Erzählungen und Gedichten entwerfen die Nachgeborenen Antworten auf die schwierige Frage, wie sich die nach der Shoah geborenen Juden in Deutschland und Österreich als Erben einer Kultur verstehen können, wenn diese nur noch rudimentär vorhanden ist.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.09.2000
In den 20er Jahren sprach man gar von einer "jüdischen Renaissance" in Deutschland, das kulturelle Leben der jüdischen Gemeinde blühte wie nie zuvor; umso schwerer hatten es die Schriftsteller der sogenannten zweiten Generation (d.h. die Kinder der Überlebenden des Holocausts), die in der Bundesrepublik einen literarischen Start am kulturellen Nullpunkt versuchten. Und doch gibt es davon mehr als sich die erste Generation überhaupt vorstellen konnte. Andreas Kilcher berichtet über drei Bücher, die sich der jüdischen Kultur in Deutschland vor und nach 1933 annehmen.
1) Michael Brenner: "Jüdische Kultur in der Weimarer Republik"
Martin Buber sprach von einer "jüdischen Renaissance", die Wissenschaftler heute nennen es "Dissimilation": die Neuerfindung jüdischer Kultur und Tradition zu Beginn dieses Jahrhunderts. Als herausragend bezeichnet Andreas Kilcher die Studie des Münchener Historikers Michael Brenner (warum sie aus dem Englischen übersetzt werden musste, verrät der Rezensent allerdings nicht), der die Jahre der Weimarer Republik untersucht und dem Rezensenten damit zu neuen Einsichten verhilft. Brenner sieht nämlich das Aufblühen des jüdischen Kulturlebens nicht als Folge des schwelenden Antisemitismus und auch nicht als Ausdruck einer angestrengten Akkulturation; er deutet, wie Kilcher berichtet, dieses "goldene Zeitalter" vielmehr als Antwort auf die innerjüdische Erneuerungsbewegung und als Absage an die Anpassungsbemühungen der Vätergeneration.
2) Thomas Nolden: "Junge jüdische Literatur" und
3) Helene Schruff: "Wechselwirkungen"
Mit der jüngsten deutschen Erzählergeneration jüdischer Herkunft befassen sich gleich zwei Bücher, die Kilcher ohne nennenswerte qualitative Unterscheidung und Wertung rezensiert. Beiden Bücher sei gemeinsam, dass sich ihre Protagonisten - die deutsch-jüdischen Autoren und Autorinnen der "zweiten Generation" wie Honigmann, Biller, Lustiger, Menasse, Schindel, Dischereit - "ex negativo" bestimmen; denn wo sollten sie auch anknüpfen, fragt Kilcher. Sie müssten den Verlust der eigenen Tradition in Deutschland verschmerzen, außerdem fehle ihnen die positive Identifikation mit ihrer Heimat Deutschland. Helen Schruff hat laut Kilcher ihren Blick weiter schweifen lassen. Schließlich müssten sich diese Autoren auch international orientieren und damit auseinandersetzen, dass es mittlerweile ebenso eine jüdische Literatur in Israel gebe wie in Amerika, was der Neuorientierung in Deutschland schlimmstenfalls entgegen und bestenfalls zur Seite stehe.
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