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Thomas Lindenberger
Volkspolizei
Herrschaftspraxis und öffentliche Ordnung im SED-Staat 1952-1968. Habil.
Klappentext
Wie in jeder modernen Gesellschaft gab es in der DDR eine "öffentliche", uniformierte Polizei, die im Alltag für "Ordnung und Sicherheit" sorgen sollte. In den Forschungen zur Geschichte der zweiten deutschen Diktatur stand ihre Bedeutung bislang im Schatten der allgegenwärtigen Geheimpolizei, der Stasi. Die vorliegende Studie stellt die erste auf unveröffentlichte Quellen gestützte wissenschaftliche Monografie zur Geschichte der Deutschen Volkspolizei dar. Direkt den Weisungen der SED-Sicherheitspolitiker unterstellt, war dieses "Organ" der "Arbeiter-und-Bauern-Macht" ein wichtiges Bindeglied zwischen dem SED-Staat und seinen Bürgern. Fast ausschließlich aus Arbeiterkreisen rekrutiert, sollte die "VP" nicht nur politisch zuverlässig, sondern auch eine Polizei "aus dem Volk und für das Volk" sein. Ihre Symbolfigur, der "Abschnittsbevollmächtigte", kurz "ABV", verkörperte gerade auf dem Land als gutmütig-gestrenger "Dorfsheriff" die harmoniesüchtige Utopie einer "sozialistischen Polizei". Deren repressiv-autoritäre Kehrseite wird anhand der Überwachung und Drangsalierung jugendlicher "Rowdys" und "Beatfans" dargestellt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2004
Als eine facettenreiche Abhandlung zur Arbeit der Volkspolizei und ihren gesetzlichen Grundlagen in den fünfziger und sechziger Jahren der DDR schätzt Rezensent Jochen Staadt, Leiter des Forschungsverbunds SED-Staat an der Freien Universität Berlin, die Arbeit des Historikers Thomas Lindenberger, Projektleiter für zeithistorische Studien in Potsdam, ein. "Von einer Polizeigeschichte", so der Rezensent, sei diese Habilitationsschrift "jedoch weit entfernt". Die "sozialgeschichtlich orientierte Untersuchung", so Staadt, lässt die Führungskräfte der Volkspolizei, der SED und des Innenministeriums weitestgehend außer Acht und weist nur "wenige dürre Zeilen" zu biografischen Aspekten und da sogar noch Fehler auf. Ob der Rezensent mit der Rolle der Volkspolizei im Herrschaftsapparat der SED, wie Lindenberg sie darstellt, einverstanden ist oder nicht, wird aus seiner Kritik nicht klar. Zwar referiert er im größten Teil seiner Rezension Entwicklung und Bedeutung der Volkspolizei, ob er diese Informationen aus dem Buch hat, erfahren wir jedoch nicht. Als "erschöpfend" würdigt Staadt das Buch, wenn es von der Bekämpfung des "Rowdytums" und der "Gammler" handelt - da könne es "übrigens als Beitrag zu einer gesamtdeutschen Polizeigeschichte gelesen werden".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.11.2003
Für den beeindruckten Rezensenten Stefan-Ludwig Hoffmann steht außer Frage, dass der Historiker Thomas Lindenberger mit seiner Potsdamer Habilitationsschrift die Stellung der Volkspolizei im Herrschaftsapparat der SED geradezu vorbildlich analysiert hat. "Spannend" geschrieben entzaubere er den Mythos des "gutmütig-gestrengen Vopos" als "Folklore der DDR-Identität". Der Wahrheit habe dieses Bild nie entsprochen, schreibt Hoffmann, denn die Volkspolizei "war von Beginn an zuerst Instrument der politischen Umerziehung und Machtausübung". Anhand reichlichem, bisher unveröffentlichtem Quellenmaterial liefere der Verfasser auch den für das Verständnis der lokalen Polizeiarbeit so notwendigen "organisationsgeschichtlichen Rahmen". Und für das "Eintauchen" in diese "kafkaeske Welt" zollt ihm der Rezensent Respekt. Im Zentrum der Arbeit stehen aber die grundlegenden Kapitel zur gewaltsamen Kollektivierung der Landwirtschaft und zu den erfolglosen Versuchen, "jugendliche Subkulturen in den Griff zu bekommen".
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