Bücherschau der Woche
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Thomas Elsaesser
Das Weimarer Kino - aufgeklärt und doppelbödig
Klappentext
Aus dem Englischen von Michael Wedel. Der Holländer Thomas Elsaesser versucht mit seiner Studie in fünf Kapiteln, einen neuen Blick auf das Weimarer Kino zu werfen. Von Klassikern wie "Das Cabinet des Dr. Caligari", mit dem die kurze Epoche des expressionistischen Films in Deutschland beginnt, über Murnaus "Nosferatu" bis hin zu "Metropolis" werden Einblicke in die gestalterischen und stilprägnanten Entwicklungen des deutschen Films der 20er und 30er Jahre gegeben. Weiter stellt der Autor Produktionen, Regisseure, Drehbuchautoren und Filmarchitekten der Avantgarde und deren Einfluss auf den Film noir in der Filmgeschichte vor.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.12.2000
In einer Tour de Force handelt Norbert Grob die Neuerscheinungen der Saison zum Thema Film ab. Da die Bücher aber alle nichts miteinander zu tun und Grobs Darstellung nach auch von sehr unterschiedlicher Qualität sind, tut er sich und seinen Lesern keinen Gefallen damit.
1)Cameron Crowe: "Hat es Spaß gemacht, Mr. Wilder?"
Im Gegensatz zu Truffauts Gespräch mit Alfred Hitchcock, meint Norbert Grob, erfährt man in den Gesprächen zwischen Billy Wilders und dem Autoren und Regisseur Cameron auch eine ganze Menge darüber, was hinter den Kulissen geschehen ist. Laut Grob plaudert Billy Wilder "so offenherzig wie vergnüglich" über Marilyn Monroe und Marlene Dietrich, über Jack Lemmon und Erich von Stroheim. Aber es ist nicht nur der Klatsch, den Grob an diesem Buch würdigt, es sind auch die "pointierten Kurzanalysen" und Bekenntnisse, die Wilder über seine Filme abgibt.
2) Thilo Wydra: "Margarethe von Trotta"
Norbert Grob sieht in Wydras Buch die Stationen im Leben der Margarethe von Trotta behutsam nachgezeichnet. Und auch die Entwicklung der Filmemacherin vom "überhitzten auteur" zum "gelassenen realisateur" scheint ihm einleuchtend dargestellt, auch wenn Wydra sich für Grobs Geschmack zu sehr auf Trottas eigene Aussagen verlässt. Allerdings vermisst er einiges an "Reflexion" und stilistischen Analysen. Auch die Typisierung, dass sie "filmt, um zu überleben", ist ihm etwas zu allgemein.
3) Peter Bogdanovich: "Wer hat denn den gedreht?"
Bogdanovich Gespräche mit 16 Regisseuren - von Walsh, Hawks und Cukor bis Aldrich und Preminger - geben laut Norbert Grob einen "profunden Einblick" in Hollywoods Filmhandwerk. Für Grob eine aufregende Lektüre, und gelegentlich sogar "wunder- und abenteuerlich". Nur leider geriert sich Bogdanovich manchmal etwas zu eitel, wie Grob moniert.
4)Thomas Elsässer: "Das Weimarer Kino - aufgeklärt und doppelbödig"
Wenn sich Norbert Grob doch nur etwas mehr Platz für die Rezension dieses Buches gegeben hätte! Elsässer ist seiner Meinung nach ein wirklich beeindruckendes Buch gelungen. Wenn man Grob Glauben schenken kann, versammelt das Buch in sich alle Qualitäten, die für ein richtig gutes Buch bürgen: Argumentativen Schwung, fantasiereiche Untersuchungen und sinnliche Bilder. Leider behauptet Grob nur, für die Begründung hat er keinen Platz mehr.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.09.2000
In einer Doppelrezension bespricht Jörg Becker zwei Bücher, die sich mit dem Film in der Weimarer Republik beschäftigen.
1.) Thomas Elsaesser: "Das Weimarer Kino - aufgeklärt und doppelbödig" (Vorwerk 8)
Nach Ansicht des Rezensenten setzt dieser Band einen "Maßstab als Filmliteratur und als Kulturgeschichte", auch wenn Becker einräumt, dass die meisten der Beiträge bereits einzeln veröffentlicht worden sind. Besonders hebt er Elsaessers "ausgiebige und theoretisch höchst fundierte Betrachtung des `Caligari`-Stoffs und der Ästhetik von Langs beiden `Mabuse`-Filmen" hervor, wobei Beckers Begründung dafür leider reichlich salomonisch ausfällt. Deutlich wird jedoch, dass der Rezensent den Autor für einen ausgemachten Kenner der Theoretiker der Zeit hält, der nicht nur Lotte H. Eisners `Die dämonische Leinwand` und Siegfried Kracauers `Von Caligari zu Hitler` unter die Lupe nimmt, sondern auch darstellt, inwiefern die "Konsumkultur" bei den Filmen der Zeit eine Rolle spielte.
2.) Helmut Korte: "Der Spielfilm und das Ende der Weimarer Republik" (Vandenhoeck & Ruprecht)
Becker weist darauf hin, dass Korte daran gelegen ist, die Diskrepanz zwischen "Botschaft von Filmen und ihrer Wirkung" aufzuzeigen. Deshalb sei ein `rezeptionshistorisch begründetes Vorgehen` angebracht, so Korte. Im Mittelpunkt scheint für den Rezensenten der Versuch Kortes zu stehen, die Filme der Zeit zu klassifizieren und - anders als Kracauer - auch "Durchschnittsprodukte" zu berücksichtigen, wobei er allerdings einschränkend einräume, dass die "affektive Qualität" der Filme heute kaum noch nachzuvollziehen ist. Dabei zeigt sich, so Becker, dass gerade historische, tragisch endende Filme, die "Mittelschicht-Stoffe transportieren, besonders erfolgreich waren, obwohl sie gar nicht so häufig produziert wurden. Korte geht es vor allem darum, dass `zeitgenössisch dominante Wirkungsspektrum` zu ermitteln. Dies scheint ihm nach Becker gelungen zu sein, auch wenn der Rezensent dies nicht dezidiert zum Ausdruck bringt.
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