Bücherschau der Woche
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Klappentext
Dezember 1977: Alles sollte anders werden, als Susanne Schädlich die DDR verließ. Doch es war der Beginn einer dramatischen Zerreißprobe: Der Westen war fremder als gedacht, und der lange Arm der Stasi verfolgte die Familie auch hier. Erst Jahre später, im geeinten Deutschland, gelang es Susanne Schädlich, anzukommen. Aber Geschichte vergeht nicht, sie holt einen immer wieder ein.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.05.2009
Susanne Schädlichs Buch über ihren Onkel Karlheinz Schädlich, der die Familie jahrelang für die Stasi bespitzelte, hat Rezensent Kai Schlieter als Beleg dafür gelesen, wie sich der "Verrat" durch eine ganze Familie frisst. Als scheinbar nur "mittelbar" betroffen, erzählt die Autorin sehr um Distanz bemüht von dem Bruder ihres Vaters, Hans Joachim Schädlich, der nicht nur den Schriftsteller für die Stasi bespitzelte, sondern sich über ihn auch Zugang zu anderen wie Günter Grass, Gerd Poppe oder Katja Havemann verschaffte, erklärt der Rezensent. Nach der Ausreise der Familie Schädlich folgen Trennung der Eltern, Depression des Vaters und große Schwierigkeiten der Autorin, sich im Westen einzuleben und hier versucht der Onkel gar, sie zu einer Ausbildung in Ost-Berlin zu überreden, teilt Schlieter mit. Das Buch demonstriert ein Bemühen um Abstand, das sich im betont protokollarischen Stil ausspricht, zugleich aber macht sich Susanne Schädlich darin "Luft" über die Verletzung durch einen Menschen, der ihr mal "der beste Freund" war, so der Rezensent betroffen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.03.2009
Literarische Qualität tritt angesichts der historischen Authentizität als Maßstab zurück, wenn man sich mit einem Text wie dem vorliegenden von Susanne Schädlich auseinandersetzt, meint Martin Lüdke. Die Erinnerungen der Tochter von Hans Joachim Schädlich, die in "Immer wieder Dezember" von der systematische Bespitzelung durch ihren Onkel Karlheinz Schädlich und dessen fulminanten Verrat erzählt, sind nicht nur ein "beeindruckendes Dokument" der "Niedertracht" des von der Autorin lange sehr geliebten Onkels. Auch wenn man vom skrupellosen Treiben der Stasi schon viel gelesen habe, sei das Buch auch ein "Lehrbuch deutsch-deutscher Nachkriegsgeschichte", so Lüdke beklommen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2009
Eingestandermaßen ist Ijoma Mangold etwas voreingenommen an diese Abrechnung mit einem spitzelnden Stasi-Onkel gegangen, um sich im Laufe der Lektüre vollends überzeugen zu lassen: Dies ist eine "bewegende, spannende und exemplarische Geschichte" aus der absurden Spitzelrealität der DDR. Es ist, so erfahren wir, die Geschichte von Karlheinz Schädlich, der seinen Bruder Hans Joachim jahrelang für die Staatssicherheit ausforschte und manipulierte. Erzählt wird sie von Hans Joachim Schädlichs Tochter Susanne, die die eigenen Erinnerungen konfrontiert mit "der lüstern-gemeinen Prosa der Stasi-Akten". In denen wird dokumentiert, mit welchem Zynismus und welch exzentrischer Freude der wenig bekannte Bruder des deutlich bekannteren Schriftstellers seiner Spitzelarbeit nachging. Und den Autoren Lutz Rathenow ebenso verpfiff wie eine Freundin aus dem Westen, von der er sich trennen wollte. Das ergibt "ein erschreckend transparentes Bild" der Stasi-Diktatur, meint Mangold. Susanne Schädlichs Erzählstil findet der Rezensent dabei angenehm unprätentiös, wenn auch durchsetzt von wenig originellen Metaphern und grammatikalischen Unebenheiten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.02.2009
Die Unversöhnlichkeit dieses Erinnerungsbuches fällt Sabine Brandt auf. Es erscheint ihr bemerkenswert, dass die Autorin Susanne Schädlich ihrem "Stasi-Onkel" noch über dessen Tod hinaus nicht verzeihen kann. Wenn die Autorin die Meinung vertritt, Karlheinz Schädlich sei kein Opfer der Stasi gewesen, sondern überzeugter Täter, verbucht das die Rezensentin zwar als aus der Erfahrung der DDR-Schreckenspoltitik erwachsendes, aber dennoch privates Urteil. Angenehm ist ihr die Anlage des Buches nicht als Lamento oder Beschimpfung, sondern als Darlegung der politischen Situation in der DDR, eines unsteten (Familien-)Lebens in Ost und West und dessen, was in den Stasi-Akten zu "IM-Schäfer" alias Onkel Karlheinz steht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.02.2009
Karl Corino zeigt sich ergriffen von dieser Lektüre. Die Geschichte, die Susanne Schädlich, Tochter des Schriftstellers Hans Joachim Schädlich und der Lektorin Krista Maria Schädlich, in "glasklarem Deutsch" aufgeschrieben hat, die Geschichte ihres IM-Onkels Karlheinz Schädlich, ihrer Familie und eines Lebens in Ost- und in Westdeutschland, erscheint ihm als von schlimmeren Erfahrungen geprägt als das Leben von "normalen" Scheidungskindern. Corino erklärt, dass die Autorin betreffend ihren Onkel, den vermeintlichen Freund, jegliche Beschwichtigung und Beschönigung ablehnt und noch dessen Selbstmord im Dezember 2007 als Aggression begreift. Für Corino ist das Buch allerdings viel mehr als eine subjektive Abrechnung. Durch den Einbezug von Stasi-Jargon und Augenzeugenberichten, meint er, gelingt Schädlich eine Chronik von dokumentarischem wie literarischem Rang.
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