Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Italienischen von Moshe Kahn. Ein poetischer Roman über die Liebe, Freundschaft und das Erlernen von Verantwortung. Der Bestsellerautor aus Italien blickt in seinem neuen Buch zurück auf die Kindheit und Jugend und entwirft das Bild einer Generation, die in den sechziger und siebziger Jahren aufwächst und sich eine - ganz andere - Zukunft vorstellt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.12.2005
Stefano Bennis Roman "Der Zeitenspringer" ist ein "Entwicklungsroman", dessen Protagonist Saltatempo allerdings nicht zur gesellschaftlichen "Anpassung", sondern zu einem "kritischen Bewusstsein" erzogen wird, stellt Maike Albath eingenommen fest. Der Roman spielt in den 60-er Jahren vor dem Hintergrund der radikalen Industrialisierung des ländlichen Italiens; dabei erweist er sich als "Multifunktionsbuch", indem er Kindheitsbeschreibung, "Pubertätsdrama", Liebesgeschichte und eine "Anleitung zu zivilem Ungehorsam" vereint und nicht zuletzt so etwas wie ein "Lehrstück über Italien" darstellt, so Albath. Saltatempo, der mit einer wundersamen "doppelten Zeitwahrnehmung" begabt ist und deshalb manchmal in Vergangenheit und Zukunft schauen kann, ist eine moderne "Pinocchio-Variante" und furchtloser Verteidiger seines Heimatdorfes gegen einen skrupellosen Bürgermeister, fasst die Rezensentin zusammen. Für die Leser, die Benni nur als "Satiriker" kennen, ist der Roman eine Überraschung, denn bei allen "skurrilen" und märchenhaften Vorkommnissen überwiegt insgesamt ein "ruhiger, besonnener und gefühlvoller" Grundton, meint Albath angetan. Sie ist entzückt von diesem "wunderbaren Buch", wobei sie betont, dass Benni die Gefahr des "Kitsch", die vor allem in der Beschreibung von Saltatempos Entwicklung zum Schriftsteller lauert, geschickt durch "Komik und Skurrilität" umgeht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.01.2005
Italien, seit Berlusconi beinahe satirefreie Zone, kann froh sein, einen Autor wie Stefano Benni zu besitzen, findet Rezensent Steffen Richter, der Bennis spöttische bis höhnische Gesellschaftsanalysen schätzt. Ergänzt durch Science-Fiction- und Comic-Elemente sind sie das Markenzeichen des italienischen Autors. Umso verwunderlicher findet es Richter, dass dessen neuer Roman "Der Zeitenspringer" dem Bildungsroman nahe steht und von "fast biblischer Schlichtheit" ist. Es geht um den Jungen Saltatiempo, der über ein inneres "Uhrbiwerk" verfügt, mit dessen Hilfe er in die Zukunft springen kann. Aus der Sicht eines "bald frühreifen, bald altklugen" Protagonisten wird so die Geschichte des vormodernen Italiens wie auch des italienischen Wirtschaftswunders erzählt. Dank der fantastischen Handlungszusammenhänge wird aber das Lehr- zu einem gewohnten Schelmenstück Benni'scher Machart. Zwar findet der Rezensent bisweilen die "linguistische Spottlust" und einige Wortschöpfungen, etwa "Hunderttausendär" (im Anklang an "Millionär"), etwas gewollt. Dennoch sieht er in Saltatempo einen "würdigen Chronisten seiner Generation", der den Leser durch die italienische Geschichte führt, an dessen Ende schon schwach das von Benni an anderer Stelle genannte "Silvinische Zeitalter" mit seiner medialen Gleichschaltung aufleuchtet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2004
Esther Kilchmann ist enttäuscht. Stefano Bennis Können, die anziehende Mischung aus verschiedenen Genres des Surrealen und Alltäglichem, die sie aus seinen kürzeren Texten kennt, wirkt auf sie über die Distanz von 300 Seiten nurmehr "bemüht originell". Nichts in diesem Buch, was der von "farblosen" Charakteren und Orten angeödeten Rezensentin zur Hilfe kommen könnte. Den Zeitsprung in Italiens wilde, rote Sechziger hat sich Kilchmann ganz anders vorgestellt. Aufregender, unmittelbarer.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.2004
Nina May hat sich von Stefano Bennis etwas merkwürdigen, aber "hoch poetischen" Buch absolut überzeugen lassen. Darin erzähle der junge Held Saltatempo von seiner Kindheit und Jugend. Was das Buch so merkwürdig mache: Saltatempo, also Zeitenspringer, sei kein gewöhnlicher Held, denn in seinem Inneren herrsche ein "Uhrbiwerk", eine äußere und eine chaotisch springende innere Zeit, die ihm mal seine verstorbene Mutter, mal Ereignisse aus der Zukunft zeige. Auf diese seltsame Zeitschicht hätte der Autor eigentlich verzichten können, denn sein Buch wäre auch so stark genug, findet die Kritikerin. Angereichert mit "genialen Absonderlichkeiten" und "berauschenden Fantasien" und mit viel Selbstironie erzählt, hat es Nina May aber begeistert. Auch wenn der Roman gegen Ende hin etwas zu sehr nach Bildungsroman schmecke: Bennis hoch poetische Sprache sei "bezaubernd heiter, frech" und sorge für die große "Leuchtkraft" dieses Romans.
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