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Klappentext
Zu seinen Lebzeiten war Siegfried Jacobsohn (1881-1926) einer der berühmtesten Theaterkritiker Berlins. Ohne seine Wochenzeitschrift "Die Schaubühne" ist das Theaterleben der Jahrhundertwende kaum denkbar. In der späteren Weltbühne kamen die republikanischen, intellektuellen Linken zu Wort, die in anderen Blättern kein Forum gefunden hätten. Hier konnten Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky ihre exponierte Rolle als Mahner und Kritiker der untergehenden Weimarer Republik überhaupt erst entwickeln. Die Biografie zeigt, wie aus dem zunächst auf das Theater fixierten Kritiker unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs und der Revolution von 1918/19 ein politischer Redakteur wurde. Auch weniger bekannte Aspekte im Leben Jacobsohns wie seine Jugend, sein Alltag, seine Beziehung zu Frauen oder seine Haltung zum Judentum werden dargestellt. In der Kurt-Tucholsky-Gedenkstätte in Rheinsberg sichtete Stefanie Oswalt umfangreiches Material, das die Grundlage ihres Buches bildet. Zusätzlich führte sie lange Gespräche mit Siegfried Jacobsohns Sohn in den USA.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.02.2001
Im Himmel sieht Rezensent Thomas Rietschel den alten Jacobsohn schmunzeln. Habe er posthum doch diese junge Historikerin in seinen Bann gezogen, deren biografischen Versuch über den Gründer und Herausgeber der "Weltbühne" Rietschel nicht so recht ernst nehmen kann. Ungeachtet aller Mühe, die sie mit der deutschen Sprache habe, spottet der Rezensent, habe die "kleine Oswald" über den "großen Jacobsohn" geschrieben. "Munter" referiere sie und Zweifel an der Bedeutung ihrer Mitteilung lasse sie erst gar nicht aufkommen. "Forsch" werde "viel Bekanntes und wenig Neues" zusammengestellt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.08.2000
Bevor Oliver Vogel am Ende seiner Rezension auf das Buch eingeht, referiert er selbst die wichtigsten Stationen im Leben von Siegfried Jacobsohn und seine Bedeutung als Herausgeber. Was die "mutige intellektuelle Biografie" selbst betrifft, so füllt die Autorin nach Vogels Ansicht zwar "eine Lücke". Dennoch merkt er einige Punkte kritisch an. So hat die Autorin, wie der Leser erfährt, das Jahr 1933 als "Fluchtpunkt" gewählt, obwohl Jacobsohn bereits 1926 gestorben ist. Die dadurch entstandene Sichtweise erscheint ihm fragwürdig, weil dadurch der Blickwinkel eines "besser wissenden" eingenommen wird - zuungunsten von des "vorausschauenden, fortschrittlichen" Blicks Jacobsohns. Das, was Jacobsohn "erspart" geblieben ist, drängt sich für seinen Geschmack zu sehr in den Vordergrund des Bewusstseins. Auch ein Kapitel über Jacobsohns `jüdische Identität`, die ihn "selber kaum interessiert hat" scheint der Rezensent eher störend zu finden, weil diesem Tatbestand dadurch seiner Ansicht nach zuviel Gewicht eingeräumt wird.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.06.2000
Die Geschichte der Zeitschrift "Die Weltbühne" ist gut dokumentiert, um so verwunderlicher, meint Nadine Lange, daß bisher noch niemand eine Biographie des Zeitungsbegründers geschrieben habe. Lange lobt Stefanie Oswalts als Dissertation entstandene Biographie von Siegfried Jacobsohn, bezeichnet sie als gut lesbar und reich bebildert. Auch wenn Jacobsohn ein Arbeitswütiger war, widmet sich das Buch den eher privaten Anteilen seines Lebens: seiner Jugend, seiner unkonventionellen Ehe und seinem jüdischen Selbstverständnis. Besonders erfreut hat sich die Rezensentin an bislang unveröffentlichtem Quellenmaterial und persönlichen Zeugnissen des mittlerweile verstorbenen Sohns, was Lange zu der vergnügten Mitteilung verleitet, Jacobsohn habe seine Zigarren mit Taucherbrille geraucht.
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