Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Klappentext
Er wolle sein Werk vollständig publiziert haben, "bevor es soweit ist", sagte der 86-jährige Stefan Heym anlässlich einer Lesung aus dem seit Mitte der 60iger Jahre unveröffentlichten Roman "Die Architekten". Illusionslos und doch voll Poesie ist die Geschichte um Aufstieg, Fall und endliches Überleben des DDR-Stararchitekten Arnold Sundstrom eine Abrechnung mit Machtgier, Untertanengeist und stalinistischer Willkür. Heym erzählt, wie Menschen am Verlust einer sicher geglaubten politischen Moral zu zerbrechen drohen, während andere sich längst all solcher Werte entledigt haben. Heyms altes neues Buch beantwortet genauer als jede politische Analyse, wie das DDR-System lange funktioniert hat und warum es auf so jämmerliche Weise zu Grunde gehen musste. "Die Architekten", ein erschreckend aktueller Roman über die Amoralität der Macht, sind gültig in Ost wie West.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000
Jens Jessen widmet dem Roman eine eingehende Rezension. Während ihn das Buch literarisch nicht überzeugt, findet er seine Thematik außerordentlich ergiebig. Schon in den sechziger Jahren in der DDR entstanden, war es dem Autor nicht möglich, ihn zu veröffentlichen, nicht zuletzt, weil er die "unzureichende Entstalinisierung" seines Landes unter die Lupe nahm, wie der Rezensent ausführt. Der "politische Intrigenroman" um Architekten, die durch das veränderte politische Klima in der DDR der späten fünfziger Jahren in die Krise geraten, sei durchaus aktuell, da er an die gegenwärtige "Architekturdebatte" anschließe: ob sich nämlich Architektur und "Herrschaftsform" trennen ließen. Das "Form-Inhalt-Problem" der Romanthematik erstrecke sich jedoch auch auf den Roman selbst, denn der Autor verpacke die "kühne Konstruktion" seines Buches in eine realistische Hülle und das Medium sei ihm nicht mehr als das "Transportmittel" seiner Ideen. Darin sieht der Rezensent letztlich den eigentlichen "Reiz" aber auch die Hauptschwäche des Textes, der sich gewissermaßen selbst "dekonstruiert".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2000
Martin Ebel zeichnet in seiner Kritik die Karriere Stefan Heyms nach, um den Mitte der 60er Jahre geschriebenen Roman besser in den Gesamtzusammenhang einordnen zu können. In der DDR hätte "Die Architekten" aus politischen Gründen nie erscheinen können, aber das der englische Verlag das Buch damals ebenfalls abgelehnt hatte, findet Ebel genauso verständlich: "papierne" Dialoge und eine Sprache, die - vor allem wenn es um Erotik geht - "zwischen Amtsdeutsch und Anzüglichkeit" schlingert, stellt er fest. Allerdings wisse Heym, wie man einen "dramatischen Knoten" schürzt und bei der Beschreibung der Verhandlungen des Stararchitekten mit den Parteibonzen gelinge dem Autor gar manches "Kabinettstückchen". Doch die politische Ausrichtung des Romans kritisiert Ebel mit deutlichen Worten: Ein "prominenter, weltläufiger Intellektueller" wie Heym, mit "besten Verbindungen" zum Westen, hätte damals von den Gulags und Schauprozessen wissen müssen. Er hätte auch wissen müssen, dass diese Dinge keine `überwindbaren Missstände` waren, wie es einmal im Roman heißt, sondern "integraler Bestandteil" des ganzen Systems, meint Ebel. Auch wenn der Rezensenten diese Beschönigungen nicht durchgehen lässt, gibt er doch zu, dass der Roman, wäre er 1965 erschienen, als "richtiger, ja tollkühner Schritt in die richtige Richtung gelobt" worden wäre.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.08.2000
Nach 35 Jahren hat Stefan Heym seinen unveröffentlichten Roman selbst aus dem Englischen übersetzt - und herausgekommen ist, so der Rezensent Christian Thomas, ein allemal interessantes Dokument einer recht finsteren Zeit in der DDR. Erst einmal wird der Roman zwischen Heiner Müller ("Der Bau"), Erik Neutsch ("Spur der Steine") und Brigitte Reimann ("Franziska Linkerhand") ins Umfeld bekannter DDR-Architektur-Literatur eingeordnet - allerdings warnt der Rezensent sogleich: ein "literarisches Großereignis" sei der Roman nicht. Zu viel Kolportage, zu viele Klischees, wenngleich Heym sich als "findiger Regisseur der mächtigen Zusammenstöße" erweise. Was hier zusammenstößt, sind die Stalinallee (hier als: Straße des Weltfriedens), Bauhaus und Zuckerbäcker, stalinistischer Terror, Liebe und Seitensprung. Heraus gekommen ist eine Studie über zerstörte Hoffnungen auf den Sozialismus, ja, zuletzt, "über den Pfusch schlechthin", so Thomas.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2000
In einer eingehenden Besprechung widmet sich Heinrich Wefing dem schon 1966 entstandenen doch erst jetzt erschienen Roman. Der Autor habe ein beeindruckendes "Lehrstück über die korrumpierende Kraft der Diktatur" geschrieben, so der Rezensent anerkennend. Das Buch sei spannend erzählt und zurückhaltend in den eingesetzten Mitteln, wobei der Autor großes "Gespür für Effekte" beweise. Es gibt aber auch einiges zu bemängeln: da er mehr Interesse an der politischen als an der psychologischen Geschichte seiner Figuren habe, neige Heym zu Klischees und der Roman werde seine "Thesenhaftigkeit" nie ganz los, kritisiert der Rezensent. Zudem sei das Buch, das ursprünglich auf Englisch geschrieben und nun von Heym selbst ins Deutsche übertragen worden ist, mitunter den sprachlichen Gepflogenheiten der sechziger Jahre, in dem das Buch spielt, nicht angemessen, was den Rezensenten irritiert. Zudem komme die Geschichte in Aufbau und Stil manchmal etwas "altbacken" daher. Doch all dieses kann den Rezensenten nicht davon abhalten, diesen Roman als "hellsichtige Studie über die Verführbarkeit von Eliten" zu preisen. Er sei auf dem Gebiet der Fiktion schon zu Erkenntnissen gelangt , zu denen man in wissenschaftlichen Untersuchungen erst viel später gekommen sei, so der Rezensent anerkennend.
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