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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Sönke Neitzel

Abgehört

Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft. 1942-1945

Cover: Abgehört

Propyläen Verlag, Berlin 2005
ISBN-10 3549072619
ISBN-13 9783549072615
Gebunden, 633 Seiten, 26,80 EUR

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Klappentext

Hitlers Generäle: Was sie wirklich dachten - Was die deutsche Generalität während des Zweiten Weltkriegs über Hitler, die Kriegslage und die deutschen Kriegsverbrechen wusste und dachte, war bisher kaum bekannt. Eine neue Quelle, die der Historiker Sönke Neitzel jüngst im britischen Nationalarchiv erschlossen hat, gibt nun erstmals einen unmittelbaren, authentischen Einblick in die Gedankenwelt der Wehrmachtführung. Es sind die Abhörprotokolle deutscher Stabsoffiziere in britischer Kriegsgefangenschaft. Ohne zu wissen, dass sie abgehört wurden, tauschten sich die hochrangigen, gut informierten Gefangenen offen über ihre Kriegserlebnisse, die weiteren Aussichten des Krieges, den Nationalsozialismus, die Kriegsverbrechen und den 20. Juli aus.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.12.2005

Keine neuen Erkenntnisse, aber ein wertvolles Editionsprojekt für weiterführende Forschungen, lautet das Resümee von Rezensent Oliver Schmidt. In dem idyllisch gelegenen und mit Golfplatz und Schwimmbad ausgestatteten Gefangenenlager Trent Park für deutsche Offiziere habe es eben "solche und solche" gegeben. Erstaunlich sei allenfalls, dass die Briten ziemlich ungehindert heimlich mithören könnten, was die deutschen Offiziere dachten über Hitler, Nationalsozialismus, den Krieg, 20. Juli, Kollaboration und die Ermordung der europäischen Juden. Nach diesen Themenfeldern, so der Rezensent, habe Neitzel die Protokolle geordnet und analysiert. Aus "sozialpsychologischer" Sicht sei interessant, wie sich aus den entgegen gesetzten Haltungen zweier früh inhaftierter Generäle die ganze Gruppenstruktur der folgenden Jahre entwickelt habe. Das "Meinungsspektrum" der Offiziere, referiert der Rezensent, habe von "bedingungsloser Hingabe" bis zur "offensiven Ablehnung" gereicht.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2005

Bernhard Kroener würdigt diese Auswahl von Abhörprotokollen, die zwischen 1942 und 1945 in einem englischen Gefangenenlager für deutsche Offiziere gemacht wurden, als "vorbildliche Edition". Und hebt ihre Aussagekraft hervor: Die abgehörten Generäle und Stabsoffiziere "repräsentierten die mittlere Führungsschicht, mithin die Masse der Generalität der Wehrmacht". Es lassen sich also Schlussfolgerungen ziehen und belegen, beispielsweise über die Haltung der Wehrmachtsoffiziere zum Nationalsozialismus (die einen distanzierten sich von Hitler und machten ihn für die Niederlage verantwortlich, andere richteten nach wie vor alle Hoffnungen auf den versprochenen Endsieg), aber auch über das erschreckende Maß an Beteiligung und Mitwisserschaft der Offiziere an den Verbrechen des NS- Regimes. Der Band, so Kroener, ist außerdem gut kommentiert und bietet so zahlreiche Ansätze für weitere Forschungen.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005

Wolfram Wette findet diesen Band, in dem Söhnke Neitzel erstmals die Abhörprotokolle britischer Spezialisten aus dem Kriegsgefangenenlager für Generäle in Trent Park publiziert, sehr aufschlussreich. Neben vielen Anmerkungen und den Kurzbiografien der 88 abgehörten Generäle enthält das Buch die Abhörprotokolle selbst in deutscher Übersetzung. Darin sind Äußerungen der Inhaftierten zu Verbrechen der Wehrmacht, Reaktionen auf das Hitler-Attentat und Überlegungen der Generäle zu einer Kooperation mit den Briten dokumentiert, konstatiert der Rezensent. Vor allem das gewaltsame, ja "verwilderte Vokabular", das die Generäle bei ihren Unterhaltungen über die Ermordung der Juden, die Erschießung von Zivilisten und den brutalen Umgang mit Kriegsgefangenen verwenden, empfindet der Rezensent als erschreckend. Allerdings, betont Wette, "schert" der Autor die Generäle keineswegs "über einen Kamm", sondern lässt durchaus Unterschiede gelten - etwa zwischen gegenüber dem Nazi-Regime "kritisch eingestellten" Militärs und Generälen, die bis zum Schluss Durchhalte-Parolen verkündeten. "Grundlegend neue Erkenntnisse" sind diesen Abhörprotokollen zwar nicht zu entnehmen, räumt der Rezensent ein. Doch vermitteln die Protokolle einen "aufschlussreichen" Einblick in die "Mentalität" der Wehrmachtführung, so Wette anerkennend.

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