Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Silvia Berger

Bakterien in Krieg und Frieden

Eine Geschichte der medizinischen Bakteriologie in Deutschland, 1890-1933. Dissertation

Cover: Bakterien in Krieg und Frieden

Wallstein Verlag, Göttingen 2009
ISBN-10 3835305565
ISBN-13 9783835305564
Gebunden, 476 Seiten, 46,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Als die WHO 1980 den "Tod der Pocken" verkündete, rückte die Vision einer Welt ohne Infektionskrankheiten in greifbare Nähe. Mithilfe der Bakteriologie schien die "Ausrottung" der Seuchen erstmals möglich. Das Auftauchen neuer und die Rückkehr überwunden geglaubter Erreger machten jedoch wenig später klar, dass dies eine Illusion war. Silvia Berger zeigt mit Blick auf Deutschland zwischen 1890 und 1933, dass der Glaube an die Beherrschbarkeit von Infektionskrankheiten nicht erst in neuester Zeit erschüttert wurde. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg erfuhr die Bakteriologie eine tiefgreifende Krise. Der von Militärbakteriologen zwischen 1914 und 1918 rigoros verfolgte Traum von der Vernichtung aller "unsichtbaren Feinde" und der Herstellung "reiner" Körper und Territorien rückte in weite Ferne. Die einstige Renommierwissenschaft musste in den 1920er Jahren eingestehen, dass sie mit ihren Denkfiguren das komplexe Zusammenspiel von Mikro- und Makroorganismen nicht mehr erklären konnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2009

Rezensent Thomas Weber würdigt Silvia Bergers Buch "Bakterien in Krieg und Frieden" als anspruchsvolle und überaus instruktive Geschichte der Bakteriologie in Deutschland von 1890 bis 1933. Im Mittelpunkt der Arbeit sieht er die Entwicklung der Bakteriologie, ihre Versuche, sich an neue Entdeckungen anzupassen, und die gegenseitige Beeinflussung von bakteriologischer und politischer Sprache. Deutlich wird für ihn dabei auch, wie der Traum der Bakteriologen, Infektionskrankheiten endgültig auszulöschen, scheiterte. Auch wenn die Darstellung 1933 endet, lassen sich aus dem Buch nach Ansicht Webers jede Menge aktuelle Einsichten im Blick auf HIV, Sars, H5N1, H1N1 und so weiter ziehen.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.11.2009

Angeregt, aber letztlich doch unzufrieden hat Andreas Weber dieses kulturgeschichtliche Buch wieder zugeklappt. Zwar verdankt er diesem "klugen und belesenen" historischen Überblick über die Geschichte der Bakteriologie einige beklemmende Einsichten. Zum Beispiel die, dass es einen metaphorischen Gleichklang von biologischer Theorie und politischer Despotie gibt, was Silvia Berger ihm sinnfällig an den Parallelen zwischen Robert Kochs Vernichtungskrieg gegen die Bakterien und dem Preußischen Militarismus machen konnte. Und den Metaphern rund um Hitlers genozidale Desinfektion des Volkskörpers. Die Schwäche des Buchs besteht für ihn jedoch darin, dass diese Verhältnisse immer nur historisch gedacht werden könnten, weshalb auch in der vorliegenden Studie der Diskurs bei der Anwendung auf die Gegenwart nicht aufgehen würde.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren