Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Deutsch von Willi Winkler. Ravelstein ist berühmt und hat ein Netzwerk von Freunden in der ganzen Welt. Als Philosophieprofessor an einer amerikanischen Universität war er verehrt, als Bestsellerautor wurde er reich und konnte sich dann endlich den Luxus leisten, den er Zeit seines Lebens geliebt hat. Aber Ravelstein muss bald sterben. In Paris trifft er noch einmal seinen alten Freund Chick, einen amerikanischen Schriftsteller. Chick, Ich-Erzähler des Romans, soll Ravelsteins Biografie schreiben, gnadenlos offen und ungeschminkt. Beim eleganten Souper mit Chicks junger Frau und Ravelsteins schönem Liebhaber, beim Flanieren und Einkaufen oder im Café Flore diskutieren die beiden Freunde Ravelsteins Leben, gemeinsame Erlebnisse, und sie mokieren sich über den Niedergang der amerikanischen Kultur, über den Ravelstein sein berühmtes Buch geschrieben hat. Aus diesen Gesprächen und Rückblenden entsteht Ravelsteins Leben, die Biografie, an der Chick arbeitet und in der sich auch sein eigenes Leben spiegelt. Der Roman ist, wie oft bei Saul Bellow, voll autobiografischer Züge.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2001
Kein Zweifel, Jörg Häntzschel ist von diesem Buch enttäuscht. Zum einen bescheinigt er Bellow ein gehöriges Maß an Eitelkeit, die sich allein schon darin äußere, dass er letztlich keine Biografie des Freundes verfasst habe, sondern eher ein Porträt ihrer gemeinsamen Freundschaft. Zum anderen sieht Häntzschel hier auch ein Zeugnis der unterschwelligen Rivalität zwischen beiden, die der Rezensent auf "beträchtliche Unsicherheit des Autors gegenüber Bloom" zurück führt. "Peinlich" ist das, so Häntzschel. Eine der größten Schwächen dieses Buchs sieht der Rezensent darin, dass Bellow eigentlich nicht erzählt, sondern lediglich Behauptungen aufstellt und "referiert", wobei sich dem Rezensenten der Eindruck aufdrängt, dass Bellows Schilderungen nicht immer ganz der Wahrheit entsprechen. Ein weiterer Aspekt, den er bemängelt, sind die zahlreichen Wiederholungen und "klappernden Sätze" (wofür er auch Beispiele anführt), die seiner Ansicht nach das Buch durchziehen. Da helfen, so Häntzschel, auch "etliche unterhaltsame Anekdoten" nicht.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.02.2001
Etwas spät bespricht Gerrit Bartels den viel gefeierten Schlüsselroman, den Bellow über seinen Freund Allan Bloom schrieb. Bartels freut sich hier vor allem über die beiden "älteren Männer, die intelligent und witzig drauflosreden", vermerkt die unvermeidlichen autobiografischen Züge des Buchs und schildert mit Sympathie Bellows und Blooms im Leben und im Roman vorgebrachte Klage über das Verschwinden der klassischen Bildung und einer literarischen Öffentlichkeit in den USA.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.12.2000
Saul Bellow hat seinem Freund Professor Alan Bloom einen "Freundschaftsdienst" erwiesen und ein Buch über ihn geschrieben. Ein "wunderbarer biografischer Roman," findet Rezensentin Gabriele Killert. Bloom heißt darin "Ravelstein" und wird in "typischer Helden- und Heiligenverehrung" beschrieben. Ob er damit dem Original nahekommt, "kann uns herzlich egal sein, zumal wir das Original ohnehin nicht kennen", meint Killert. Die Figur Chick hingegen sei ein "ziemlich vollkommenes Ebenbild des nunmehr 85-jährigen Autors." Chick ist im Buch Ravelsteins Freund und "ein echter Bellow. Das heißt: glücklich und zerknirscht." Außerdem schuldkomplex-beladen, weil er sich dem amerikanischen Traum ausliefert und darüber das jüdische Trauma verdrängt. Killert empfindet es als "schmerzlich", dass gerade Bellow von sich selbst enttäuscht ist, weil er das "Erschrecken vor der Schande" des Holocaust nicht ertragen kann. Dabei sei es gerade seine eigene Literatur, mit der "fieberhaft Schuld abgetragen" werde. Und das sei - so die Rezensentin - "das Rührende an Ravelstein."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.10.2000
Martin Lüdke äußert sich in seiner ausführlichen Rezension sehr skeptisch über das jüngste Buch des amerikanischen Literaturnobelpreisträgers. Problematisch findet er zunächst, das der Roman eine kaum verbrämte Biografie eines gewissen Allan Bloom darstellt, der durch eine Streitschrift über den `Niedergang des amerikanischen Geistes` hervorgetreten ist, die hierzulande als `konservative, wenn nicht gar reaktionäre` Einschätzung der 68er Bewegung aufgefasst wurde. Gleichzeitig nutze der Autor die Lebensbeschreibung aber vor allem als `Selbstbeschreibung`, indem er der Hauptfigur nur eine `marginale Rolle` zuweise und dem Erzähler - d.h. in diesem Fall sich selbst - ein Denkmal setzte. Befremdet ist der Rezensent auch vom `Grad an Indiskretion`, die der Autor in den Enthüllungen über die Homosexualität und Aids-Erkrankung Blooms zeigt. Letztlich sei der Roman weniger eine Biografie als das `Zeugnis eines mehrfachen Triumphs` des 84-jährigen Autors, der seinen `besten Freund`, 15 Jahre jünger als er selbst, `auf der ganzen Linie besiegt hat`, nicht zuletzt durch das Überstehen einer lebensgefährlichen Fischvergiftung.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Rezensent Hans Ulrich Gumbrecht erzählt zunächst eine Geschichte aus Reagans Amerika, damit wir verstehen, dass Bellows Buch eigentlich ein Schlüsselroman ist. Denn er befürchtet, dass man das Buch sonst von einer "kleinmeisterlichen" Perspektive aus als "Campus-Roman" auffassen könnte. Ja, und dann wissen wir also, dass ein schwuler Universitätsprofessor und sein heterosexueller Freund plus Ehefrau die Hauptrolle spielen. Wissen, das sich hinter dem alternden Freund und seiner jungen Frau Rosamund das Ehepaar Bellow, hinter dem Professor Bellows Freund Alan Bloom verbergen, der wollte, dass Bellow seine Biografie schreibt. Wir haben sogar erfahren, dass wir Zeuge einer kleinen Sensation wurden, weil Bellow im Roman enthüllt, dass Ravelstein bzw. Bloom an Aids gestorben ist. Dann landen wir bei Rosamunds Körper und plötzlich weiß auch der Rezensent, dass es ganz egal ist, ob "Ravelstein" nun ein Schlüsselroman ist, oder nicht. "Wie es wäre", steht nämlich am Ende, "gut zu leben im Angesicht des Todes, das ist die Vorstellung, die vorwegzunehmen uns `Ravelstein` einlädt". Bloß die deutsche Übersetzung von Willy Winkler verleidet dem Kritiker viel. Wozu, fragt er, brauchen gebildete deutsche Leser überhaupt Übersetzungen aus dem Englischen, wenn deren Kompetenz so bescheiden ist.
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