Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. In diesem Roman erzählt Sandor Marai die bittere Geschichte von Eszter, die mit ganzem Herzen den charmanten, betörenden Lajos liebt. Doch Lajos heiratet Vilma, ihre Schwester, und Eszter erholt sich nie von dieser brutalen Zurückweisung. Zwanzig Jahre später sucht Lajos Eszter auf und bringt drei geheimnisvolle Briefe mit, die eine schreckliche Wahrheit zutage fördern.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.2000
Ein Werk, das irgendwie aus dem 20. Jahrhundert herausfällt, meint Rezensentin Sabine Brandt über diesen kleinen Roman Sandor Marais'. Und obgleich sein Stil "elegant" ist und die Übersetzung das auch zu vermitteln vermag, lässt er die Rezensentin doch irgendwie verständnislos zurück. Das scheint zunächst in der Fabel begründet, die Brandt nicht einleuchtet - "weder unter existentiellen noch unter emotionalen Aspekten". Dann aber vermerkt sie die Schönheit der Form dieses Romans, und uns dämmert: das ist's, warum wir darin unsere Gegenwart so vergeblich suchen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2000
Zu einer späten Würdigung des Gesamtwerkes des im Jahr 1900 geborenen ungarischen Schriftstellers Sándor Márai sieht sich Herrmann Wallmann veranlasst. Ausführlich und mitunter kompliziert stellt er dem Leser nicht nur "Das Vermächtnis der Eszter" (zuerst 1939 erschienen) vor, sondern er setzt diesen Roman in Beziehung zum Gesamtwerk und insbesondere zu einem weiteren Roman von Márai, "Die Glut", den er 1942 verfasst hat (in deutscher Neuübersetzung 1999 erschienen). Beide Werke seien ein Diptychon, dessen einzelne Elemente sich gegenseitig erhellten und beschatteten. In beiden Werken erhalten die Protagonisten nach einer Zeitspanne von 41 bzw. 20 Jahren Besuch von einem Nebenbuhler beziehugseise dem einstigen Liebhaber. Wallmann findet es spannend, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Entstehungsgeschichte und der deutschen Publikationsgeschichte zu betrachten. Beeindruckt ist er jedenfalls von Márais Stil, den er mit dem von Heinrich von Kleist vergleicht. Wallmann rechtfertigt seine ausgiebigen Ausflüge zu den anderen Werken Márais mit der Figur der Eszter, der Márais sein lebensphilosophisches und poetologisches Programm in den Mund gelegt habe. Wer also "Das Vermächtnis der Eszter" lesen will, kommt um alle weiteren Werke des Autors nicht herum. Und der gehört für Wallmann zu den bisher unerkannten Größen der Weltliteratur.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.09.2000
In einer sehr umfangreichen Sammelbesprechung rezensiert Klaus Harpprecht mehrere Bücher von Sandor Marai. Dabei informiert der Rezensent nicht nur ausführlich über das Leben des Dichters, sondern bringt auch mehrfach sein Bedauern, ja Entsetzen darüber zum Ausdruck, dass Marai - den er in mancher Hinsicht mit Joseph Roth, Stefan Zweig, Robert Musil und anderen in eine Reihe stellt - so lange Zeit fast völlig in Vergessenheit geraten ist. "Wo hatten wir unsere Augen, wo unsere Ohren?", fragt Harpprecht, der sich von der Neuentdeckung von Marais Werken begeistert zeigt. Dieser Roman von 1938 weist, wie der Rezensent feststellt, in mancher Hinsicht Parallelen auf zu Marais Roman "Die Glut". Gemeinsam sind beiden "die melancholische Summe eines Lebens, einer Liebe, eines Verrats" und das lange Warten auf einen "Gast", schließlich auch auf den Tod. Hier ist es Eszter, die lebenslang auf ihre alte, große Liebe wartet, einen Gauner, der sie einst nicht nur wegen ihrer Schwester verlassen, sondern auch um Haus und Hof gebracht hat. Dennoch hofft sie "das alte Versprechen ihrer Liebe einzulösen", weil sie es sich nie verziehen hat, dass sie in jungen Jahren nicht mit ihm "davongelaufen" ist. Und glaubt, nun dafür büßen zu müssen. Harprecht empfiehlt das Buch zwar nicht ausdrücklich, scheint aber doch äußerst beeindruckt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2000
Erstaunliche Parallelen der Anlage erkennt der Rezensent Claus-Ulrich Bielefeld zu "Die Glut", jenem Roman, mit dem Marai lange Zeit nach seinem Tod im letzten Herbst zum Besteller-Autor in Deutschland avancierte. Beide Romane spielen im Ungarn in der Zeit zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg, beschränken ihre Handlung auf ein Haus, und in beiden Romanen, so erzählt Bielefeld, gibt es eine ergebene Dienstmagd, die in der "Glut" Nini und im "Vermächtnis" Nunu heißt. Bielefeld bewundert, wie Marai auch hier die Geschichte einer zerstörerischen Liebe auf knappem Raum konzentriert - diesmal allerdings aus der Perspektive einer Frau. Eindrucksvoll zeichnet Bielefeld nach, wie die Ich-Erzählerin Eszter dem charmanten, aber betrügerischen Lajos nach einer jahrelangen Abwesenheit wieder verfällt, wie sie seine "infamen" Absichten durchschaut und ihnen am Ende doch nachgibt, um endlich zu ihrer Liebe zu stehen.
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