Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
"Berli Weinstein hatte sich wieder einmal taufen lassen, und diesmal mit Erfolg." So beginnt einer der originellsten Romane des 20. Jahrhunderts. 1920 erschienen, erlebt er bis 1925 sechzehn Auflagen. Das "Tohuwabohu" beginnt damit, dass ein junger Ostjude nach Berlin und ein vornehmer, getaufter Berliner Jude nach Borytschew kommen. Mit von der Partie sind Ostjuden und Reformierte, Getaufte und Antisemiten, Fromme und Liberale.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.04.2001
Beatrix Langner nutzt die Besprechung der beiden Romane, um allgemein die Situation von Juden in Berlin vor 1933 zu beschreiben. Sie empfiehlt, die beiden Bücher zusammen zu lesen, da sie zwei Seiten jüdischen Lebens beleuchteten. Auch finde man in beiden Büchern Argumente für eine internationale zionistische Bewegung.
1.) Sammy Gronemann: "Tohuwabohu"
Diesen Roman, der bereits 1920 in Berlin erschien und nun neu aufgelegt wurde, lobt die Rezensentin als präzisen Blick auf die "Nahtstelle zwischen assimilierten und traditionellen Judentum". Er spielt auf "engstem Raum", nämlich im Berliner Scheunenviertel und beleuchtet, so Langner, vor allem das Zusammentreffen der ansässigen Juden mit den meist bettelarmen Zuzüglern aus Osteuropa. Gronemann schildere auch, wie erfinderisch Letztere waren, um ihren Glauben mit kapitalistischen Geschäftspraktiken unter einen Hut zu bekommen.
2.) Martin Beradt: "Die Strasse der kleinen Ewigkeit"
Dieser Roman, der ebenfalls im Berliner Scheunenviertel spielt, zeigt die Innenperspektive jüdischer Gemeinschaft, wie Langner meint. Die Rezensentin weist auf die "sanfte Melancholie jiddischer Alltagspoesie" hin, die den Ton dieses Buches ausmacht. Abschließend wendet sie sich noch dem "umfangreichen", wenn auch schwierigen Nachwort von Eike Geisel zu, das sich u. a. mit der touristischen Wiederbelebung des Scheunenviertels beschäftigt und seine "Wut" über städtebaulichen Entscheidungen in dem Bezirk nicht verhehlen kann.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2000
Thomas Rietzschel merkt an, dass man heute eigentlich nur wenig über das jüdische Leben in Deutschland zu Beginn des Jahrhunderts weiß. Um so mehr begrüßt er die Neuauflage des bereits 1920 erschienenen Bandes. Schon damals war das Buch erfolgreich, wie der Leser erfährt, zumal es "Deutsche wie Juden in fremde Bereiche führte, in Kreise, die sie gegenseitig mieden". Besonders begeistert ist Rietzschel von dem Facettenreichtum des Buchs, in dem sowohl "orthodoxe Fanatiker" und Assimilierte auftauchen, Rabbiner und auch Juden, die ihre Herkunft verleugneten.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.06.2000
1920 ist dieser Roman über das Leben des jüdischen Antihelden Heinz erstmals erschienen; in ihm beschäftigt sich der 1875 geborene Autor mit dem Assimilationszwang des jüdischen Bürgertums vor der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Und das tut er, meint K.H. Kramberg, mit "schwarzem Humor" und einem "zum Heulen schönen" Deutsch. Der Autor selbst war überzeugter Zionist, schreibt Kramberg, und wanderte 1933 zunächst nach Paris und drei Jahre später nach Tel Aviv aus, wo er 1952 starb. Aber auch dem "jüdischen Vaterland" ist das große Durcheinander nach Sammy Gronemann nicht fremd, befindet Kramberg, ohne allerdings mehr zu verraten über Inhalt, Form und Stil des Romans. Ein Lob, dessen Begründung in dieser Besprechung leider nicht zugänglich gemacht wird.
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