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Klappentext
Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber. Das Lichtwunder von Otranto - die Gebeine von achthundert enthaupteten Märtyrern, deren Leichname ein Jahr lang der Sonne ausgesetzt waren, ohne zu verwesen, und die Kathedrale der süditalienischen Stadt in wundersamem Licht erstrahlen ließen - bildet den Hintergrund dieses rätselvollen Romans. Das Jahrhunderte zurückliegende Geschehen lebt fort in den Erinnerungen, Träumen und Halluzinationen der jungen Holländerin Velli, die in einem Zustand hellsichtigen Wahns ihr Leben erzählt.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.08.2000
Fast eine Verteidigungsschrift! Hansjörg Graf tritt in seiner Besprechung der beiden jüngsten Romane von Roberto Cotroneo möglichen Anschuldigungen entgegen, dessen Romane seien von typischer italienischer Leichtigkeit mit einem Hang zum Mystischen. Dass die literarische Verrätselung Sinn macht und sogar einen Rückgriff auf literarische Traditionen darstellt, versucht Graf in seiner Doppelbesprechung unter Beweis zu stellen. Denen, die dieserlei Bücher nicht leiden können, liefert er die Argumente gleich mit.
1) Roberto Cotroneo: "Otranto"
Offensichtlich gibt es in anderen Ländern auch jüngere Literaturpäpste - Roberto Cotroneo ist im zarten Alter von 39 Jahren nicht nur einer der angesehensten Literaturkritiker Italiens, er hat auch schon eine Reihe von Romanen veröffentlicht, von denen nun insgesamt vier auf Deutsch vorliegen. So jemand zieht immer auch Kritik auf sich. Einer der gängigen Vorwürfe gegen Cotroneo lautet, in seinen Romanen gebe es keine lebendigen Menschen. Stimmt, sagt Hansjörg Graf. Das liege daran, dass die Protagonisten wie Akteure eines unsichtbaren Theaters wirkten, das einen anderen Ort und eine andere Zeit in eins setzen und zur Sprache bringen könne. Cotroneos Wirklichkeitsbegriff sei aus der Mode gekommen. In "Otranto" versucht eine holländische Restauratorin Sinn in das Fußbodenmosaik der Kathedrale, Sinn in die Vergangenheit hineinzulesen und damit zugleich Sinn in das Muster ihres Lebens zu bringen. Das käme einer unio mystica ziemlich nahe, schreibt Graf.
2) Roberto Cotroneo: "Das vollkommene Alter"
Was ist das "Vollkommene Alter?", fragt Hansjörg Graf. Und er zitiert eine Romanfigur: wenn `die Zeit vergisst ihren Tribut zu fordern`. Also spurlos vorübergeht. Oder gar nicht vergeht. Als ein Wechselspiel der Perspektiven und Stimmen erweist sich auch Cotroneos jüngster Roman, schreibt der Rezensent, und alle vermeintlichen Versuche der Romanfiguren, Ordnung zu schaffen, stifteten nur noch mehr Unordnung. Dennoch erfährt der Leser die Rahmenhandlung: es geht um eine Frau "im vollkommenen Alter", die mit zwei anderen Männern ein Verhältnis hat und den sizilianischen Kleinstadtmief Ende der 50er Jahre lüftet. Aber all das sei letztlich nicht sehr wichtig, meint Graf, da die Wirklichkeit bei Cotroneo nichts Feststehendes und Festzumachendes sei. Cotroneo versuche Wirklichkeit auch mit ihren geschichtlichen und mythischen Wurzeln zu begreifen.
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