Bücherschau der Woche
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Spanischen von Christian Hansen. Udo Berger hat nur eine Leidenschaft: Kriegsspiele. Selbst im Urlaub an der Costa Brava verbringt er die meiste Zeit mit dem Strategiespiel "Das Dritte Reich", einer Simulation des Zweiten Weltkriegs. Eines Abends lernt Udo den mysteriösen Verbrannten kennen, ein angeblich durch Folter verunstalteter Lateinamerikaner, von dem er sofort fasziniert ist. Im Dritten Reich soll dieser den Part der Alliierten übernehmen und den Lauf der Geschichte ändern. Der unheimliche, subtil ironische Roman ist ein Glanzstück aus Roberto Bolanos Nachlass. Er beschreibt die Verdrängung der Vergangenheit durch eine ritualisierte Konsumkultur und stellt die Frage nach dem Geheimnis des Bösen.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Roberto Bolano: Das Dritte Reich - mehr beim Hanser Verlag
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.10.2011
Nicht ganz sicher ist sich Cristina Nord, ob der bereits 1989 fertiggestellte Text des 2003 verstorbenen Autors überhaupt für eine Veröffentlichung vorgesehen war. Glücklich ihn in Händen zu halten ist sie aber allemal, zeichne "Das Dritte Reich" doch eine Motivlage aus, wie Bolano-Aficionados sie sich wünschen: Beispielsweise tummeln sich in diesem Roman eine Vielzahl "ambivalenter deutscher Figuren", mit denen Bolano wieder sein Lieblingsthema, "die Latenz des Bösen", durchdekliniere. So tue sich vor der Hauptfigur, Udo Berger, unangefochtener Meister eines Militärspiels mit dem Namen "Das Dritte Reich?, dessen Tagebuchnotizen den vorliegenden Roman bilden, bald ein selbstgemachter Abgrund auf, vor dem auch der Leser, laut der Rezensentin, mangels moralischer Deutungen und klarer Urteile nicht geschützt werde.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2011
Rezensent Tobias Lehmkuhl ist versucht, Roberto Bolanos Roman "Das Dritte Reich", 1989 entstanden, posthum publiziert und jetzt auf Deutsch erschienen, als "deutschen" Roman zu lesen. Unübersehbar ist die Faszination des Autors für deutschsprachige Literatur und auch der Held seines Buches, Udo Berger, ist Deutscher im Urlaub an der Costa Brava, erfahren wir. Berger hat ein Faible für Kriegsstrategiespiele, vor allem für das Spiel "Das Dritte Reiche". Hier spielt Berger Hitlers Kämpfe mit den Alliierten nach, für seine Gegner sitzt ihm ein mysteriöser "Verbrannter" gegenüber. Wie der Autor die Atmosphäre an der Costa Brava immer "unheimlicher werden" lässt und wie er die Urlaubswirklichkeit mit der Realität des Spiels überblendet, findet der Rezensent ausgesprochen fesselnd. Bolano hat viel von Autoren der deutschen Romantik gelernt, von E.T.A. Hoffmann, Tieck und Eichendorff, so Lehmkuhl, und in diesem frühen Roman stellt er eindrucksvoll unter Beweis, wie gut auch er Spannung erzeugen kann, lobt der Rezensent. Die Thesen, die Bolano seinem Helden aufstellen lässt - er vergleicht Rommel mit Celan und behauptet, Deutschland habe den Krieg nur verloren, weil es zu fair gekämpft habe - "verschlagen einem kurz den Atem", muss Lehmkuhl zugeben. Auch den Schluss des Romans findet der Rezensent eher "banal". Insgesamt aber hat ihn dieser Roman als früher Beweis von Bolanos Erzählkunst sehr beeindruckt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2011
Um einen nachgelassenen Roman Roberto Bolanos handelt es sich hier, verfasst Ende der Achtziger, berichtet Rezensent Ernst Osterkamp. Und er liest ihn natürlich ausgehend vom späteren Bolano, dessen "kalte und klare Poetizität" er bewundert. "Das Dritte Reich" ist gemessen an dem 1000-seitigen Roman "2666" freilich noch als literarischer Gehversuch einzustufen, urteilt Osterkamp. Aber bereits hier gelinge es dem chilenischen Autor, mittels winziger Andeutungen eine undurchsichtig-bedrohliche Realität zu evozieren. "Das Dritte Reich" ist hier der Titel eines Strategiespiels, mit dem der Zweite Weltkrieg nachgespielt werden kann, erfahren wir. Der Protagonist Udo, ein Deutscher, ist Meister darin; seinen Gegenspieler und Bezwinger findet er unerwartet während eines Urlaubs an der Costa Brava in einer enigmatischen Gestalt, die Udo nur "den Verbrannten" nennt. "Von denkwürdiger Schrägheit" ist dieses mehr oder minder deutsche Setting nach Ansicht des Rezensenten - unter anderem würden deutsche Generäle mit deutschen Dichtern in eins gesetzt, von Manstein mit Grass, Rommel mit Celan. Alles in allem eine lohnende - und von Christian Hansen "glänzend übersetzte" - Lektüre, schließt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.10.2011
Das titelgebende "Dritte Reich" in diesem Roman ist ein strategisches Brettspiel aus den Siebzigern, in dem man die Schlachten des Zweiten Weltkrieges nachspielen kann, informiert Rezensent Martin Halter. Protagonist ist der deutsche Meister darin, lesen wir, der an der Costa Brava seinen Ruf zu verteidigen hat und am Ende mehr verlieren wird als nur eine Brettspielpartie. Es handelt sich um ein Frühwerk Roberto Bolanos, das dem Rezensenten offensichtlich gut gefallen hat. Es enthalte bereits zahlreiche Motive der späteren Werke des Autors, wie beispielsweise "die ästhetische Faszination des Bösen" und "die Suche nach dem heiligen Gral absoluter Literatur". Denn Udo, der Held des Romans, ist für Halter nicht nur ein Spieler, sondern vor allem "Archetyp des radikalen Schriftstellers". Insgesamt handelt es sich um einen "echten Bolano", meint der Rezensent, in mancher Beziehung besser, zumindest aber witziger als die späteren Wälzer des Chilenen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.10.2011
Hier wird's diabolisch, vielleicht auch ein bisschen morbide. Aber Rezensent Jens Jessen lässt keinen Zweifel an dem Buch aufkommen, denn geschmacklos werden Roberto Bolano nie. Klar, meint Jessen, dass ein deutscher Autor niemals diese Geschichte hätte erzählen können, aber Bolano treibe hier nicht aus sicherer Distanz ein postmodernes Spiel, er umkreist das Böse, weil er auch in diesem Roman noch an dem Projekt der klassischen Moderne hing, bürgerliche Empfindungen zu verletzen. "Das Dritte Reich", von dem Bolano hier erzählt, ist ein Strategiespiel, das es offenbar wirklich gegeben hat, und Udo Berger ist ein naiver junger Mann, der glaubt, als Deutscher müsse er ja wohl oder übel die Rolle der Nazis übernehmen. Es folgen verstörende Kapitel, aber auch urkomische (etwa über "Meine Lieblingsgeneräle"). Unübersehbar, meint Jessen, sei Bolanos Vergnügen am poetischen Tabubruch und an der Vorstellung, nach den "bösen Deutschen" auch die "törichten Deutschen" ins Verderben laufen zu sehen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.08.2011
Andreas Breitenstein legt uns das atemberaubende Debüt von Roberto Bolano ans Herz und kann kaum fassen, dass in diesem Erstling des 2003 früh verstorbenen chilenischen Autos bereits eine derartige Perfektion zu finden ist. Von Anlaufschwierigkeiten in diesem Roman, in dessen Zentrum ein deutscher Tourist in Spanien steht, der mit einem unheimlichen Unbekannten im Strategiespiel "Das Dritte Reich" den Zweiten Weltkrieg "ergebnisoffen" nachspielt, kann der Rezensent zumindest nichts entdecken. Mit wachsendem Glücksgefühl liest sich Breitenstein in den beeindruckenden erzählerischen Reichtum von Bolanos zwischen magischem Realismus und genauen Alltagsbeobachtungen, zwischen Poesie und Ironie changierende Geschichte und zeigt sich gleichermaßen von dessen "Menschenkenntnis" und seiner Anverwandlung von Spieler-Fachjargon, Touristenstumpfsinn und "dämonischer Iberienkunde" schwer fasziniert. Bolano führe nicht nur die "Leere der Gegenwart" vor, sondern er lasse auch höchst eindrucksvoll die "Illusion", durch "Lifestyle, Konsumismus und Spiel" das Böse zu besiegen, zerschellen, so der Rezensent bewundernd.
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