Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Robert Jütte

Arme, Bettler, Beutelschneider

Eine Sozialgeschichte der Armut in der Frühen Neuzeit

Cover: Arme, Bettler, Beutelschneider

Hermann Böhlaus Nachf. Verlag, Weimar 2000
ISBN-10 3740011181
ISBN-13 9783740011185
Gebunden, 320 Seiten, 34,77 EUR

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Klappentext

Aus dem Englischen von Rainer von Savigny. Wie sah der Alltag derjenigen aus, die vor Beginn der Industriellen Revolution am Rande des Existenzminimums lebten und ständig dem Risiko ausgesetzt waren, an den Bettelstab zu geraten? Welche Marginalisierungs- und Ausgrenzungsprozesse fanden in einer durch Privilegien und Geburtsrechte geprägten Gesellschaft statt, die erst durch die Französische Revolution in ihren Grundfesten erschüttert wurde?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.08.2000

In einer sehr kurzen Besprechung lobt Frauke Hamann das Buch für seine erhellende Untersuchung des Armutsbegriffs und seiner Entwicklung. Auch wenn wenig Neues geboten werde, überzeuge das Buch durch die "komprimierte Darstellung" und liefere die Grundlage für das Verständnis der Entwicklung des Armutsbegriffs in der Moderne, so die Rezensentin anerkennend.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.08.2000

Auch wenn Ulrike Baureithel an einigen Aspekten des Buchs etwas auszusetzen hat, so zeigt sie sich im Großen und Ganzen doch recht angetan von dem Band. Sie ist verblüfft, dass sich offensichtlich nicht nur die Ursachen für Armut, sondern auch die "Lösungsstrategien" in der frühen Neuzeit nicht wesentlich von denen der Gegenwart unterscheiden. So ist beispielsweise auch damals Kinderreichtum, wie die Rezensentin anmerkt, nach Jütte durchaus ein Armutsgrund gewesen - entgegen heute weit verbreiteter Auffassungen. Zweifel äußert sie jedoch über Jüttes These, dass Frauen in der frühen Neuzeit "auf mehr Unterstützung hoffen konnten". Vielmehr hält es die Rezensentin für denkbar, dass sie in Quellen schlicht seltener auftauchen. Problematisch findet sie darüber hinaus, dass Jütte wenig systematisch vorgeht - weder in zeitlicher, noch in territorialer Hinsicht. Auch hätte sie sich eine stärkere Berücksichtigung von Aussagen der unmittelbar Betroffenen gewünscht. Dennoch findet sie das Buch insgesamt durchaus "aufschlussreich".

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.07.2000

Der Stuttgarter Historiker, so Marion Lühe, hat hier eine Studie vorgelegt, die zwar wissenschaftlich nur wenig Neues bietet, dafür aber höchst lesbar ist. Ihre Besonderheit liegt zudem in dem "hervorragenden Überblick", den sie durch eine europäische Perspektive gibt. Die Rezensentin vollzieht in ihrer Besprechung die Hauptlinien der von Jütte dargestellten Entwicklung nach: sie reicht vom ursprünglich positiven Verhältnis zu den Armen als "Stellvertreter Christi" und Auslöser mildtätiger Handlungen bis zur Trennung von schuldhaft und schuldlos Armen, deren einer Teil zunehmend staatlicher Aussonderung, Zwang und Strafe anheim fällt, während der anderer Teil in den Dunstkreis staatlicher Fürsorge (die ihren pädagogischen Eifer bis heute nicht unterdrücken kann) gerät. Dabei weise Jütte zudem nach, dass sich die Sozialpolitik in katholischen Ländern weniger von denen der protestantischen unterschied und unterscheidet, als bisher angenommen.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2000

Der Wandlungsprozess von Armut und Fürsorge in Europa vom Mittelalter bis zur Neuzeit ist Thema dieses Buches, das Jürgen Schmidt stellenweise spannend gefunden hat, teilweise jedoch auch kritisiert; z.B ist ihm die aus der Armut entstehende Subkultur zu inkonsequent behandelt worden. Dagegen vollzieht er in seiner Besprechung ausführlich nach, wie die Auffassung von ehrbarer Armut sich wandelte, als immer mehr erwerbslose Arme sich neben Gebrechlichen, Witwen und Waisen um die Töpfe derer drängten, die aus christlicher - meist kirchlicher - Fürsorge Almosen verteilten. Mit dem Vorwurf des Müßiggangs entstehen Zucht- und Arbeitshäuser, denen bald nicht nur fremde Arme ("Landstreicher") unterworfen werden, sondern auch die ansässigen. In Frankreich und England werden sie aufgegriffen und zwangsweise in die Kolonien deportiert: die Ära des "großen Einsperrens" hat Foucault das genannt. Erwähnenswert findet Schmidt auch den Anhang mit ausführlichen Biografien von Sozialreformern samt Zeittafel und Register.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

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19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

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