Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen übersetzt von Carl Weissner. Morgens brät Andrea für ihren Mann Speck, sie macht Rührei, kocht Kaffee, sie trifft sich mit Freundinnen zu einem Einkaufsbummel und feilscht mit ihrem Antiquitätenhändler um eine Suppenterrine. Danach fährt sie zu einem Motel, mietet sich ein Zimmer; sie duscht, legt sich ins Bett, nimmt Tabletten aus ihrer Handtasche und schluckt sie. Andrea Brewers Familie ist nach ihrem Selbstmord zutiefst verstört, plötzlich geraten alle Beziehungen aus der mühsam gewahrten Balance: Der Sohn James kann seine Frau nicht mehr ertragen, die Tochter Maizie, im fünften Monat schwanger, sucht Trost bei einem Arbeitskollegen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2000
Jörg Hentzschel begrüßt es sehr, dass diese Novelle hier getrennt von anderen Erzählungen Bauschs veröffentlicht wurde: ihre "emotionale Wucht" verträgt sich - wie er findet - schlecht im Kontext mit anderen Geschichten. Ausgangspunkt der Novelle ist ein Selbstmord, der Ausblick kann also nur besser werden und sich auf das Leben richten. Dennoch verheißt nach Ansicht des Rezensenten "dieses verzweifelte Ringen um das Glück" der Hinterbliebenen nur wenig Hoffnungsvolles. Sie identifizieren sich mir der Toten, so Hentzschel, indem sie sich isolieren und einander entfremden. Bauschs Stärke liegt, wie der Leser erfährt, im Subtilen und in den Dialogen. Er verzichte auf die plakative und dramatische Schilderung von Gefühlen. Vielmehr vermittele sich etwas von der "Irritation" der Figuren, von der "Fremdheit", und bisweilen gerade durch das, was sich "eben nicht abspielt".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.05.2000
Manuela Reichart lobt in ihrer knappen Besprechung die Plastizität, mit der Bausch ganz alltägliche Dinge beschreibe. Dem Autor gelinge es, der "undeutlichen Melancholie", mit der der Text beginne, zu scharfen Konturen zu verhelfen. In seiner Novelle werde "eindrucksvoll die Familie als unschlagbare und kraftvolle Stütze des Lebens" beschworen. Bausch, der sich zuvor als "Meister" von Kurzgeschichten gezeigt habe und auch Romane verfasse, habe hier eine Zwischenform gewählt, die der Novellen-Definition Goethes gerecht würde, die eine "unerhörte Begebenheit" als konstitutiv für die Novelle ansieht. Die Schilderungen der "Wünsche, Missverständnisse und Alltäglichkeiten" löse sich in Zuversicht, bemerkt die Rezensentin erleichtert, und am Ende "schließt sich der Kreis".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2000
Eine Ehefrau, Ende Fünfzig, bringt sich um, weil sie mit dem Verkauf ihres Hauses die Aussicht "auf die im Morgennebel schwimmenden Berge Virginias" verlieren wird. Verstört verfallen Verwandte und befreundete Paare nach diesem Selbstmord wieder in ihre Kommunikationslosigkeit, ohne etwas von der Toten oder sich selbst begriffen zu haben. Von dieser im "Immergleichen" sich abspielenden Folter quälender Zweisamkeit hat der Autor in seinem "stillen" Roman "eindringlich" erzählt, urteilt Dieter Bartetzko. Die "doppelzüngigen" Dialoge der Paare, deren eiserne Lebensregel "die absolute Diskretion der indirekten Rede" ist, sind die besondere Stärke des Buches, schreibt er.
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