Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Ob man Institutionengeschichte schreibt oder Wirtschaftsgeschichte, Verfassungs- oder Familiengeschichte ? stets ergeben sich andere Kontinuen und andere Krisen. Dies bedeutet auch, dass von denselben Ereignissen ganz verschiedene Darstellungen gleich wahr sein können, je nach Perspektive, und dass diese Perspektiven selbst an ihre Zeitlichkeit gebunden bleiben ? Grund genug für Goethes Anregung, "die Weltgeschichte von Zeit zu Zeit umzuschreiben". Was trennt historische Zeiten von den Zeiten nichthistorischer Erzählungen? Worin geht Geschichtsschreibung über das schlichte Notat historischer Ereignisse hinaus? In den Studien dieses Bandes wird das, was Dauer, was Lang-, Mittel- oder Kurzfristigkeit genannt wird, daraufhin befragt, was sich darin eigentlich wiederholt, um einmaliges Handeln zu ermöglichen. Denn außerhalb dieser Frage lässt sich Geschichte weder erkennen noch darstellen.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.01.2001
Carl Wilhelm Mackes Rezension liest sich fast wie ein Hymne auf Reinhart Koselleck, eine Hymne, in der mehrfach auf den überragenden Einfluss des Historikers in der Geschichtswissenschaft hingewiesen wird. Am vorliegenden Band kommen nach Macke zwei der großen Stärken des Historikers besonders zur Geltung. Da ist zum einen seine Fähigkeit, in "Metaphern und Bildern" historische Zusammenhänge besonders anschaulich zu erläutern, wobei Koselleck auch fachübergreifend vorgeht und Beispiele etwa aus Architektur, Geologie oder Literatur heranzieht. (Macke betont, dass Koselleck großen Wert darauf legt, dass ein Historiker sich verschiedener "Zeitschichten`" ein Begriff, der sich auf geologische Formationen bezieht, stets bewusst bleibt und historische Ereignisse nicht isoliert betrachtet). Eine andere Stärke des Buchs sieht Macke in Kosellecks didaktischem Geschick. Der Historiker entspricht in den Augen Mackes dem Idealbild eines Lehrers, weil er "nicht belehren, aber neugierig machen will". Und so erwartet der Rezensent auch schon mit Ungeduld das angekündigte Erscheinen von weiteren Texten Kosellecks.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.11.2000
Thomas Meyer stellt einen Sammelband mit 17 Aufsätzen des Bielefelder Historikers aus den vergangenen 25 Jahren vor: lesenwert, befindet der Rezensent. Zugleich bedauert er, dass ein wesentlicher Aufsatz, nämlich "Sozialgeschichte und Begriffsgeschichte" von 1986, der die "Wende" Kosellecks zum Geschichtstheoretiker oder -philosophen illustriert, fehlt. Die Ungleichzeitigkeit verschiedener Zeitschichten, die dennoch alle gleichzeitig wirksam sind, sind ein wesentliches Merkmal der Neuzeit, rekapituliert Meyer die zentrale These Kosellecks. Gleichzeitig werde der Historiker unfähig, Prognosen abzugeben - Meyer verweist auf Kosellecks Kritik an der Wiederveröffentlichung von Hellmuth Plessners "Die verspätete Nation". Die Prognose wäre im nachhinein zu einer zwangsläufigen Entwicklung umgedeutet worden. Nach Meyer fällt die Prognose für Koselleck in den Bereich des moralischen Urteils, das zwar persönlich wichtig, aber zur Wahrheitsfindung nicht tauglich sei. Um so seltsamer stößt Meyer auf, dass ausgerechnet Kosselleck jüngst in eine Auseinandersetzung mit dem israelischen Historiker Motzkin auf der Unteilbarkeit seiner "Primärerfahrung" im zweiten Weltkrieg beharrt hat. Konsequenz: "Jeder bleibt mit seiner Erinnerung allein", so Meyer, die im kollektiven Gedächtnis keine Entsprechung findet. Spannende Lektüre.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
"Soll man enttäuscht sein?" fragt Gerrit Walther und kommt nicht ganz umhin. Bloß deshalb allerdings, weil Koselleck "nur" seine gesammelten Aufsätze vorgelegt habe, nicht die große "Historik", die mancher erwartet hatte. Das war`s dann auch schon, von Enttäuschung weiter keine Spur in dieser Rezension. Im Gegenteil. Wenn Walther anhand der versammelten Texte Kosellecks Denken rekapituliert, ist allenthalben Bewunderung zu spüren. Für Kosellecks Redekunst, Scharfsinn und Enthusiasmus - und schließlich auch für die Entscheidung gegen das eingangs vermisste opus magnum: Koselleck zelebriert Theorie als Metapher, so Walther, "doch seine Abstinenz von historiographischer Praxis stärkt seine These, dass Sprache und Geschichte nicht zusammengehen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.09.2000
"Quod erat demonstrandum" - diesen Nachsatz verdienten die achtzehn Vorträge und Essays des Historikers Reinhart Koselleck wohl, ginge es nach Michael Mayer. Im Umgang mit dem Phänomen der Zeit, dem Mysterium magnum, demonstriere Koselleck die gebotene Bescheidenheit und entwickle sein theoretisches Modell, "das die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen wie den Zusammenhang von einmaligem Ereignis und Wiederholung näher zu bestimmen erlaubt", nicht als Selbstzweck. In den "Bemerkungen" Kosellecks zu relevanten Themen der Historik erkennt Mayer das entscheidende Plus des Buches. Das Zeitschichten-Modell des Autors - was zu beweisen war - wird durch sie bewiesen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.08.2000
Reinhard Koselleck beschreibt in dieser Sammlung von 17 Studien, folgt man der nicht immer sehr klaren Wiedergabe in der weitgehend nur referierenden Besprechung Hanno Helblings, den Zusammenhang von Geschichte, Textdokumenten und Geschichtsschreibung als intrikaten. Die Aufgabe des Historikers sei nie nur hermeneutisch: Den Texten entnehme er Beschreibungen zeitlicher Verläufe, die über das Wissen der einzelnen Dokumente hinausgehen. Die Zeit der Geschichte sei immer schon mehrfach gebrochen: "gewesene Wirklichkeit" erweise sich im Text des Historikers stets als "vergangene Auseinandersetzung mit Wirklichkeit", die in der Gegenwart der Lektüre die Kontinuität der Auseinandersetzung mit Geschichte erzeuge. In einem anderen Aufsatz gehe es um das Verhältnis von Raum und Geschichte. Koselleck konstatiere eine Beschleunigung im Geschichtlich-Werden der Natur bis hin zur "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen". Das gehe so weit, dass (gegenwärtig) sogar die "Strukturen zum Ereignis" würden. Zusammenfassend lobt Helbling "dankbar und bewundernd" den Reichtum der Kenntnisse, die Präzision der Beschreibungen und Lektüren in Kosellecks Aufsätzen.
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