Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Rebekka Habermas

Frauen und Männer des Bürgertums

Eine Familiengeschichte (1750-1850)

Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2000
ISBN-10 352535679X
ISBN-13 9783525356791
Gebunden, 456 Seiten, 39,88 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Rebekka Habermas stellt in ihrem Buch zentrale Vorstellungen über eine spezifisch bürgerliche Lebensform zwischen 1750 und 1850, besonders über die bürgerliche Geschlechterordnung, mit Nachdruck in Frage. Mit mikrohistorischer Genauigkeit betrachtet sie die Entwicklung zweier Generationen einer Familie und gelangt zu erstaunlichen Erkenntnissen in den Bereichen Arbeit, gesellschaftliches Leben, Heiraten und Ehe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.09.2000

Nach Thomas Anz wird dieses Buch der "künftigen Bürgertums-, Familien und Geschlechterforschung zu denken" geben müssen. Denn Habermas hat hier, wie der Rezensent betont, nicht nur überraschende und aufschlussreiche Quellenfunde ausgewertet, sondern vor allem auch Diskrepanzen in der äußeren Darstellung und der praktizierten Lebensführung des Bürgertums dieser Zeit aufgezeigt. Das nach außen transportierte "Leistungsethos" der Männer und der Müßiggang der Frauen erweist sich demnach bei genauerer Betrachtung als ein Ideal, das der Realität widerspricht. Aber auch Klischees von der materiell motivierten Ehe, einer Emotionslosigkeit zwischen Eheleuten und auch zwischen Eltern und Kindern müssten nach Habermas revidiert werden. Anz hebt besonders die sorgfältige Auswertung der Quellen durch die Autorin hervor und lobt darüber hinaus ihre "höchst anschauliche Darstellung" von Alltag, Familien- und Gesellschaftsleben der Familie Merkel, die durch Reflexionen über die "Entwicklungen der Geschichtswissenschaft und der Geschlechterforschung" ergänzt werde.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.06.2000

Wolfgang Kaschuba glaubt, dass dieser Band „zu Recht Aufmerksamkeit erregen und Kontroversen auslösen wird“. Denn die Autorin hat, wie er feststellt, hier nicht nur eine Studie im traditionellen Stil verfasst, sondern darüber hinaus etwas bei Historikern sehr Ungewöhnliches getan: Sie hat „eine Revision der bisherigen Forschung“ vorgenommen, und zwar eine Revision nicht nur der Forschungsergebnisse, sondern auch eine der Perspektive, des Blickwinkels. Und so komme die Autorin u. a. zu dem Ergebnis, so Kaschuba, dass das Bürgertum keineswegs so homogen war, wie bisher angenommen, sondern beträchtliche „soziale und regionale“ Unterschiede feststellbar sind. Darüber hinaus habe Habermas eine erhebliche Diskrepanz von bürgerlicher Theorie und praktischer Umsetzung diagnostiziert. Schließlich plädiert sie auch für eine Systematik, von der „Geschlechter“ und „Kultur“ nicht ausgeschlossen werden dürfe. Bei ihrer Untersuchung über eine Nürnberger Kaufmannsfamilie hebt Kaschuba die „überaus vielfältigen und aussagekräftigen Quellen“ hervor, durch die Habermas manch überraschende Erkenntnis gewonnen habe. So waren die Bürger von 1750-1850 „offensichtlich einfach weniger fleißig und weniger politisch aktiv, als uns ihre Selbstdarstellungen glauben machen sollen“, wie Kaschuba verwundert feststellt.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2000

Ein großes Lob für dieses "gelungene Exempel mikroskopischer Geschichtsschreibung" bekommt die Autorin für ihr dickleibiges Werk von Richard Kämmerling. Die Geschichte zweier durch Heirat verbundener Familien zu Beginn des 18.Jahrhunderts in München, deren Alltag miterlebbar wird durch die Auswertung massenhafter Briefe und Tagebücher, ist von der Autorin eingespannt in den Rahmen einer geschlechterspezifischen Fragestellung. Kämmerling schätzt die narrativen Passagen ebenso wie ihre geschickte Verbindung mit einer "umfassenden Kontextualisierung". Es gefällt ihm, wie die Historikerin den Prozess der Herausbildung bürgerlicher Umgangsformen beschreibt, nämlich parallel im außerhäuslichen wie häuslichen Leben stattfindend: wo der Mann zunehmend als auch moralische Autorität durch führende Positionen im Beruf wirkt, tut es die Frau ebenfalls, nämlich in der Führungsposition als alltagspraktischer Vorstand eines oft zwanzigköpfigen Haushalts. Erst als der häusliche Bereich sich verkleinerte, da keine wirtschaftliche Notwendigkeit mehr für die kleine Landwirtschaft oder den großen Obst- und Gemüsegarten mehr bestand, wurde die Zivilisierungsarbeit der Bürgerfrauen stärker nach innen geleitet. Die Ablehnung der gängigen "Emotionalisierungs"-These für das Ende der 18. Jahrhunderts durch die Autorin findet Kämmerling einleuchtend und meint insgesamt, dass ihre "außergewöhnliche" Studie "unser Bild vom Bürgertum" verändert.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren