Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Rawi Hage

Kakerlake

Roman

Cover: Kakerlake

Piper Verlag, München 2010
ISBN-10 3492053793
ISBN-13 9783492053792
Gebunden, 320 Seiten, 19,95 EUR

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Klappentext

Aus dem Englischen von Gregor Hens. Mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor beschreibt Rawi Hage in seinem zweiten Roman die Welt aus der Perspektive eines menschenfeindlichen Diebes "mit Migrationshintergrund". Nach einem missglückten Selbstmordversuch wird der namenlose Erzähler, der überzeugt ist, halb Kakerlake, halb Mensch zu sein, zu einer Therapie verpflichtet. Die Sitzungen finden bei einer ebenso ernsten wie attraktiven Therapeutin statt. Er erzählt ihr widerstrebend seine Geschichte - oder das, was er dafür ausgibt ? Weil er von seinen Einbrüchen allein nicht leben kann, heuert "Kakerlake" als Spüler in einem Res­taurant an. Doch als er herausfindet, was der wichtigste Gast dieses Restaurants seiner Geliebten vor ein paar Jahren im Iran angetan hat, ist die Katastrophe eigentlich unausweichlich...

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.12.2010

Zwischen Amüsiertheit und Verzweiflung schwankt Katharina Granzin bei ihrer Lektüre von Rawi Hages zweitem Roman. Darin erzählt ein libanesischer Immigrant in Kanada seiner Therapeutin seine schreckliche Familiengeschichte und bricht, sich als Kakerlake imaginierend, in fremde Wohnungen ein, um Essbares und Alltagsgegenstände mitgehen zu lassen, erfahren wir. Die wahnhaften Kakerlakenepisoden erlauben soziologische Erforschungen aus der Nähe, sind aber in den Augen der Rezensentin zugleich eine rabenschwarze Metapher "existentieller Unbehaustheit", die den Leser anscheinend nicht unberührt lassen. Wenn der Protagonist am Ende zum Rächer seiner iranischen Geliebten wird, die ebenfalls ein Trauma zu bewältigen hat, ist das zwar eine gänzlich überraschende, aber zumindest erleichternde Wende der Geschichte, auch wenn Granzin angesichts der verzweifelten Lage nicht so weit gehen möchte, dies als Happy End zu beschreiben.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.11.2010

Einen Einblick in die "Schattenzonen des Migrantenmilieus" bietet Rawi Hages zweiter Roman "Kakerlake" nach Ansicht von Rezensentin Angela Schader. Sie erkennt zahlreiche Parallelen zum Erstling des Autors ("Als ob es kein Morgen gäbe"): auch diesmal gibt es einen Ich-Erzähler, der von der Gewalt in seiner libanesischen Heimat traumatisiert ist und sich Ausland abgesetzt hat, der Drogen nimmt und sich in Phantasien flüchtet. Offen bleibt für sie hier, ob dessen Gefühl, halb Mensch und halb Kakerlake zu sein, als "literarischer Dreh", "Psychose" oder "selbstironische Geste" des Protagonisten zu verstehen ist. Hage scheint ihr auch darin seinem Erstling zu folgen, dass er eine Milieustudie in eine dramatische Handlung überführt. Allerdings findet Schader dies weder beim ersten Roman noch hier so "schlüssig und durchdacht", wie sie sich das wünschen würde. Nichtsdestoweniger: als ungeschminktes Bild des Migrantenmilieus hat das Buch seine Stärken. So bringt es einem nach Auffassung der Rezensentin zwar nicht seinen Protagonisten näher, "wohl aber ein Stück harscher Lebenswirklichkeit".

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren