Stöbern nach Themen

Durchsuchen Sie unsere Bücherdatenbank nach Themen, Ländern, Epochen, Erscheinungsjahren oder Stichwörtern.

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Rawi Hage

Als ob es kein Morgen gäbe

Roman
Cover: Als ob es kein Morgen gäbe
DuMont Verlag, Köln 2008
ISBN 9783832180973
Gebunden, 254 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Gregor Hens. Bassam und sein bester Freund George, den alle nur De Niro nennen, ziehen durch das Bürgerkriegs-Beirut der achtziger Jahre. In ihrer Kindheit sammelten sie gemeinsam Kugeln und Granathülsen in den Ruinen, um sie gegen Zigaretten einzutauschen. Seitdem sind zehntausend Bomben auf Beirut gefallen. Heute sind sie Teenager und haben Eltern und Geschwister, Nachbarn und Freunde verloren. Sie sind Überlebenskünstler, die ihren Anteil am Glück fordern. Sie ergaunern sich Geld, sie verlieben sich, sie fangen an zu leben. Aber während Bassam davon träumt, nach Rom zu gehen, wo "sogar die Tauben glücklich und gut genährt wirken", schließt De Niro sich einer christlichen Miliz an, um zu kämpfen. Bassam weigert sich, und eins ist klar: Er muss fliehen. Aber auf dem Weg zum Schiff in die Freiheit fängt De Niro ihn ab.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.06.2009

Den Grundton, den Rawi Hage in seinem Roman "Als ob es kein Morgen gäbe", kennt Tobias Gohlis: Es sind die Ohnmacht des Individuums, die Übermacht des Apparates und das Ende von Glaube, Liebe und Hoffnung, die jeden guten Spionageroman ausmachen und die auch Hage mit seiner Geschichte aus dem libanesischen zu einem bitteren Dreiklang verbindet. Erzählt wird die Geschichte zweier junger Männer, die ins Fahrwasser der Milizen geraten und deren Vorstellungen vom Freiheitskampf bald durch reichlich Koks benebelt werden und in eher unromantischen Machenschaften böse enden. Das liest sich wie eine Empfehlung.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.06.2009

Rezensentin Shirin Sojitrawalla ist sehr beeindruckt von diesem Debütroman von Rawi Hage, der vom libanesischen Bürgerkrieg erzählt, aus dem der Erzähler als an "Kopf, Körper und Seele Versehrter" hervorgeht. Die Hintergründe des Krieges spielen dabei nicht die größte Rolle, die Stärke der Erzählung liegt in den Augen der Rezensentin vor allem im "Atmosphärischen" und in der Beschreibung des Alltags der Protagonisten. Sojitrawalla lobt Hages Erzählstil, den sie mal als "metapherngesättigt", mal als "lakonisch" beschreibt, und meist "höchst leinwandtauglich". Nicht nur deshalb fühlt sie sich an den Animationsfilm "Waltz with Bashir" erinnert. Das Buch, obwohl im damals verhaftet, handelt nämlich ebenfalls eher "von den Folgen des Krieges" als vom Krieg selbst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.04.2009

Mit Eleganz hat dieser Roman nichts am Hut, meint Tobias Wenzel. Das englische Original mit seiner "klaren" Sprache zieht er deshalb der mitunter etwas gestelzten Übersetzung von Gregor Hens vor. Die Erfahrung des Krieges aus Sicht eines jungen Menschen zwischen Liebe und Verrat zu vermitteln, gelingt dem aus Beirut stammenden Autor Rawi Hage laut Wenzel allerdings sehr gut. Bei aller Rasanz sorgen die von Hages Held Bassam gegen den Krieg in Stellung gebrachten Metaphern und Vergleiche für die richtigen Bilder im Kopf des Lesers. Und wann immer Hage das "Feuerwerk der Worte" einstellt, erscheint es Wenzel als der richtige Augenblick, um den Leser auf "den Raum zwischen den Zeilen zu verweisen".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.03.2009

Tief beeindruckt ist Alex Rühle von Rawi Hages "Als ob es kein Morgen gäbe" und kann kaum glauben, dass es sich hierbei um einen Debütroman handelt. Der Autor erzählt von den beiden Jugendlichen Bassam und George, die zunächst als beste Freunde durch das von Bomben zerstörte Beirut streifen, um später auf unterschiedliche Seiten zu geraten: George wird Kämpfer der christlichen Milizen und ist sogar dafür verantwortlich, dass Bassam gefoltert wird, Bassam gelingt die Flucht nach Paris. Die höchst raffinierte Konstruktion, die sprachliche Wucht, die Lakonie gepaart mit Poesie und die in schnellen Schnitten montierten Szenen - das alles macht den Roman für den Rezensenten zu einem meisterhaften Werk, und er sieht sich nicht nur einmal an Ari Folmans israelischen Film "Waltz with Bashir" erinnert, denn auch in dem Roman bildet das Massaker von Sabra und Shatila den finsteren Mittelpunkt. Was dieses Buch für Rühle aber vor allem deutlich macht, ist, dass es keine "objektive Erzählung eines Krieges geben" könne und die "Vernunft nicht mehr als eine nützliche Fiktion" sei, wie Bassam, glücklich nach Paris entkommen, konstatiert.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2009

Außerordentlich beeindruckt zeigt sich Rezensent Alexander Müller von diesem nach seinem Erscheinen bereits mit dem hoch dotierten IMPAC-Preis ausgezeichneten Roman. Geschrieben hat ihn der im Libanon aufgewachsene, nach einem Fotografie-Studium in New York nach Montreal gezogene Rawi Hage. Er erzählt eine Geschichte, die im Beirut der achtziger Jahre beginnt und in der zwei Freunde auf verschiedene Seiten der ideologischen und Kriegsfronten geraten. Während George, der seinen Vater bei einem Bombenanschlag verliert, den Krieg flieht, schlägt sich Bassam, Spitzname "De Niro", auf die Seite der christlichen Milizen. Besonders überzeugend findet der Rezensent die Sprache, die Hage für seine Geschichte findet, eine Sprache nämlich, "die schockiert, wachrüttelt und das Pathos nicht scheut". Diese Sprache ist es zuallererst, die das Buch für Müller unbedingt lesenswert macht.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.03.2009

Angelika Schader stellt Rawi Hages im vorigen Jahr mit dem Impac-Literaturpreis ausgezeichneten Roman über den Bürgerkrieg in Beirut vor, der sie trotz beeindruckender Details im Ganzen nicht überzeugen konnte. Der 1964 in Beirut geborene Autor, der 1981 in die USA auswanderte, bedient sich bei seiner Geschichte über ein Freundespaar, das zu erbitterten Feinden wird, filmtechnischer Motive und Methoden, stellt die Rezensentin fest. Während sie die durch kurze Schnitte bestimmte, fragmentierte Erzählweise zur Beschreibung der bürgerkriegsgeschüttelten Stadt und Gesellschaft durchaus angemessen findet, will sie die filmische Konstruktion des Romans nicht recht begeistern. Wenn Hage seine Handlung dramaturgisch zuspitzt, droht das in den Augen Schaders gar die bedrückende und damit beeindruckende Realität des Bürgerkriegs zuzudecken, wie sie bedauert. Wenn sie auch die psychologische Plausibilität des sich zuspitzenden Freundeszwistes vermisst, hat ihr der Schlussteil die Intention dieses Bürgerkriegs-Romans "mit aller entsetzlichen Schlüssigkeit" doch deutlich gemacht, wie sie bekennt.

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern | Share on Google+

Rawi Hage

Rawi Hage, geboren 1964, aufgewachsen in Beirut und auf Zypern, erlebte den libanesischen Bürgerkrieg am eigenen Leib. 1982 ging er nach New York, wo er Fotografie studierte. Seit 1991 lebt ... mehr lesen

Weitere Bücher von Rawi Hage

Rawi Hage: Kakerlake. Roman

Cover: Rawi Hage. Kakerlake - Roman. Piper Verlag, 2010.
Piper Verlag, München 2010.
Aus dem Englischen von Gregor Hens. Mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor beschreibt Rawi Hage in seinem zweiten Roman die Welt aus der Perspektive eines menschenfeindlichen Diebes "mi … mehr lesen

Bücher zum gleichen Themenkomplex

Amin Maalouf: Die Verunsicherten. Roman

Cover: Amin Maalouf. Die Verunsicherten - Roman. Arche Verlag, 2014.
Arche Verlag, Zürich 2014.
Aus dem Französischen von Lis Künzli. In seinem bisher persönlichsten Buch überlässt Amin Maalouf einem Mann das Wort, der sich verraten fühlt von seinem Land, seinen Freunden, seinen… … mehr lesen

Shereen El Feki: Sex und die Zitadelle. Liebesleben in der sich wandelnden arabischen Welt

Cover: Shereen El Feki. Sex und die Zitadelle - Liebesleben in der sich wandelnden arabischen Welt. Hanser Berlin, 2013.
Hanser Berlin, Berlin 2013.
Aus dem Englischen von Thorsten Schmidt. Dieses Buch wagt sich an ein Tabu: Fünf Jahre lang hat Shereen El Feki Frauen und Männer in den arabischen Ländern, vor… … mehr lesen

Zeina Abirached: Das Spiel der Schwalben.

Cover: Zeina Abirached. Das Spiel der Schwalben. Avant Verlag, 2013.
Avant Verlag, Berlin 2013.
Ein Tag wie jeder andere im Beirut des Jahres 1987. Die libanesische Hauptstadt ist von einem Bürgerkrieg zerrissen, der seit Jahren tobt und noch Jahre andauern wird. Eine… … mehr lesen

Iman Humaidan Junis: Andere Leben. Roman aus dem Libanon

Cover: Iman Humaidan Junis. Andere Leben - Roman aus dem Libanon. Lenos Verlag, 2013.
Lenos Verlag, Basel 2013.
Aus dem Arabischen von Regina Karachouli. Myriam ist fast vierzig, als sie erstmals wieder ihre Heimat besucht. Fünfzehn Jahre sind vergangen, seit sie mit ihren drusischen Eltern vor… … mehr lesen

Shani Boianjiu: Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst. Roman

Cover: Shani Boianjiu. Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, 2013.
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2013.
Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch und Ulrich Blumenbach. Lea, Avishag und Yael leben in einem israelischen Dorf an der Grenze zum Libanon. Ihr Alltag ist geprägt von… … mehr lesen

Archiv: Buchautoren