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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Ralph Jessen

Akademische Elite und kommunistische Diktatur

Die ostdeutsche Hochschullehrerschaft in der Ulbricht-Ära

Cover: Akademische Elite und kommunistische Diktatur

Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 1999
ISBN-10 3525357974
ISBN-13 9783525357972
Kartoniert, 552 Seiten, 50,11 EUR

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Klappentext

Die Hochschullehrerschaft zeigt sich am Ende der DDR-Geschichte als loyale Dienstklasse des Regimes - staatstragend, stillhaltend und keineswegs revolutionär. Dabei war die SED-Führung 1945/46 an den Universitäten noch auf ganz andere Professoren gestoßen: politisch der Linken fernstehend, mit bildungsbürgerlichem Hintergrund, elitärem Selbstbild und hohem Prestige. Wie konnte sich bis zum Ende der sechziger Jahre diese Transformation von der bürgerlichen Bildungselite zur sozialistischen "Intelligenz" vollziehen? Es gelang der SED-Führung in weiten Teilen, das Professorat auszutauschen oder in die Parteidisziplin einzubinden, den Berufszugang mit politischen Kriterien aufzuladen und die Hochschullehre selbst zu ideologisieren. Andererseits blieben bestimmte Elemente des tradierten Hochschul- und Wissenschaftssystems erhalten, nicht zuletzt die informellen Machtstrukturen der Ordinarienuniversität. Die kommunistische Transformation an den ostdeutschen Universitäten gelang, das Ideal kommunistischer Hochschulpolitik - die Weitergabe von Wissen ohne Bindung an die alte Ordinarienuniversität - blieb dagegen unerreicht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2000

Lobend kommentiert Martin Sabrow dieses mit dem Preis des Historiker-Verbandes für Habilitierte ausgezeichnete Werk: dem sozialhistorischen Blick des Autors sei eine Erhellung der Kontinuitätslinien in den Hochschulen der DDR ebenso gelungen wie die Ausleuchtung von Bruchstellen. Durch gruppenbiografische Erhebungen für 721 Hochschullehrer aus Leipzig, Berlin und Rostock habe er nachvollzogen, wie die jeweils neueste Phase in der Abgrenzung zur Bundesrepublik sich an den Hochschulen historisch in der DDR niederschlug: 1945 als Entlassung nationalsozialistisch belasteter Lehrer, ab 1948 ihre schleichende Wiedereinstellung, Vergabe von Gastprofessuren an westliche Hochschullehrer und insgesamt hohe Gehälter, ab 1961 - also dem Mauerbau - dann ein enormes Absinken der Bezahlung und eine Enthierarchisierung innerhalb der Universitäten, die mit der Anbindung einer hoch loyalen Dienstleistungsklasse an den Staat einherging. Nicht in den Blick genommen hat der Autor allerdings, so Sarkow, die universitären Lehrinhalte und die Spannungen zwischen staatlich und parteilich geführten Institutionen. Deshalb sind ihm "wesentliche Funktionsmechanismen" von Wissenschaft in sozialistischen Diktaturen entgangen, meint Sarkow, der die Studie dennoch außerordentlich erhellend findet.

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