Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Politische Mythen als narrativ, ikonisch und rituell vermittelte und erfahrene Geschichten besitzen über die kollektive Erinnerung und symbolische Botschaften eine Begründungs- und Sinngebungsfunktion für politische Gemeinschaften, können aber auch zu deren Auflösung und Zerstörung beitragen. Die Autorin macht entscheidende Widersprüche zwischen politischen Erwartungen, ideell Vorgestelltem und real erfahrener Politik mit dem Ergebnis eines schleichenden Sinnverlustes in der DDR deutlich. Schwerpunkte der Untersuchung sind: der Antifaschismus als Gründungsmythos, Bauernkrieg und Reformation als Additionsmythen und das Preußentum als mythenpolitischer Anpassungsversuch. Theoretisch innovativ gestaltet sich die Verknüpfung von Mythentheorien aus der Philosophie, gedächtnistheoretischen und politikwissenschaftlichen Ansätzen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2002
Rezensent Jochen Staadt bespricht vier Bücher zur DDR-Geschichte, nämlich: "Mythen in der Politik der DDR" von Raina Zimmering, "Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüdischen Kommunisten in der DDR" von Karin Hartewig, die "Albert Norden"-Biografie von Norbert Podewins und Simone Hannemanns Buch über "Robert Havemann und die Widerstandsgruppe 'Europäische Union'".
Raina Zimmerings Buch "Mythen in der Politik der DDR" räumt mit der Klischeevorstellung auf, dass Mythen grundsätzlich der Rechten zuzuordnen seien und Rationalität und Aufklärung der Linken, meint Staadt. Er gibt wieder, auf welchen Mythen der "SED-Staat" nach Zimmering beruht: "antifaschistischer 'Gründungsmythos'", Aneignung der Bauernkriege und Reformation als DDR-Vorgeschichte und Preußenmythos. Dabei hält sich Staadt in einer Beurteilung zurück. Nur eines findet er sehr "erstaunlich" - und hier wird dann doch Kritik deutlich: Das, was der Rezensent für den "eigentlichen Ursprungsmythos" der DDR hält, hat die Autorin gar nicht untersucht. Den Kommunismus.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.01.2001
Andreas Lehmann hält die Studie der Politikwissenschaftlerin Raina Zimmering für ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit. Denn Zimmering räume manch griffige und weithin verbreitete Formel über den Niedergang des Arbeiter- und Bauernstaates aus dem Weg. Statt in den vielbesungenen Kanon über Staatsverschuldung und machtpolitische Verluste durch den Zusammenbruch der Sowjetunion einzusteigen, lenke die Autorin detailreich und mit zahllosen Beispielen gespickt die Aufmerksamkeit auf politische Mythen und deren Niedergang. Das ist mutig, neu und vor allem eine ganz andere Betrachtungsweise, lobt der Rezensent. Zimmering komme in ihrer Untersuchung zu ganz anderen Ergebnissen als sämtliche andere DDR-Forscher: Antifaschismus und Lutherkult - der eine Mythos im Bröckeln, der andere künstlich in einer atheistisch geprägten Gesellschaft aufgesetzt - füllten am Ende der DDR einen mythenfreien Raum, der dann zum Verfall von politischer Identität und staatlicher Legitimation führen musste. Eine geistreiche Abhandlung, die allerdings, erläutert der Rezensent, eine im Forschungsgegenstand begründete Schwäche birgt: Hier werde ein System analysiert, das letztlich keins gehabt habe.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2000
Dass die DDR mit ihren eigenen Mythen nicht sorgfältig genug umgegangen ist, so Susanna Katzorke, ist These und Ergebnis dieser Studie. Dabei beklagt die Autorin und Lehrbeauftragte an der Humboldt-Universität Berlin nicht etwa das Vorhandensein überhaupt von politischen Mythen, sondern sieht sie vielmehr als zur Politik sui generis gehörig, schreibt Katzorke. So gilt ihre Aufmerksaamkeit vor allem der inneren Konsistenz bzw. Inkonsistenz, die sie am Beispiel des antifaschistischen, anti-preußischen Gründungssmythos der DDR exemplifiziert. Als dessen Bindungskraft nachließ, wurde zur nationalen Identifikation plötzlich preußisch-aufklärerische Größe als positive Erbmasse angeboten. Einen ähnlichen Kurswechsel hatte man auch in Bezug auf Luther schon einmal vorgenommen: erst "verachtungswürdiger Gegenspieler Thomas Müntzers", dann "anbetungswürdige Kultfigur". Und weil die öffentliche Diskussion hierzu nicht Stellung beziehen durfte, was aber "unabdingbares Korrektiv zum Funktionieren politischer Mythen" sei, referiert Katzorke, haben solche Identitätsbehauptungen schließlich gänzlich an Wirkung verloren. Die Besprechung von Susanne Katzorke ist leider nur eine Art zustimmendes Referat und enthält keinerlei Hinweise auf besondere Qualitäten oder Mängel des Buches.
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