Bücherschau der Woche
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Klappentext
Deutsch von Martina Tichy. In seinem Streifzug durch die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts der sizilianischen Geschichte und Kultur zeigt Peter Robb die Verquicklung des organisierten Verbrechens mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf. Die diabolische Figur seines erzählenden Berichts ist Italiens mächtigster Staatsmann der Nachkriegszeit: Guilio Andreotti. Peter Robb enthüllt auf scharfsinnige Weise die Verbindungen Andreottis zur sizilianischen Mafia, der Cosa Nostra. Sie erweist sich als Staat im Staat und zugleich als ein tief in der Gesellschaft verwurzeltes, weit verzweigtes Phänomen.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.11.2000
Kann man Justizakten und Antimafia-Reporte auswerten und in Beschreibungen kulinarischer Gepflogenheiten ummodeln, fragt Werner Raith. Seinem australischen Kollegen Peter Robb, der als Dozent und Journalist über 15 Jahre in Palermo und Neapel gearbeitet hat, sei dies - in Maßen - gelungen. Was die kulinarische Erkundung Süditaliens angeht, leuchtet Raith die Vorgehensweise des Autors ein: nehme man wie der Autor die Mafia als Inbegriff der sicilianità, die sich an innerfamiliären Strukturen, außerstaatlichem Moralkodex und dem Festhalten überkommener Traditionen festmachen lässt, dann könne man diesen Zusammenhang kaum besser illustrieren als an Gesprächen über die Zubereitung von Pasta con le sarde. So kommt es, schreibt Raith, dass sich der Leser manchmal in einen Gourmetführer versetzt fühlte und dabei doch eine Menge über sizilianische Machtstrukturen erfährt. Eines stört Raith allerdings: Frauen kommen im Buch nur am Rande vor. Den Einsatz der "Frauen gegen die Mafia" in Palermo oder der neapolitanischen "Mütter gegen die Drogen" sieht der Rezensent schlicht gar nicht gewürdigt, aber gerade sie seien Hoffnungsträger einer Veränderung.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2000
Lob von vorne bis hinten, das Roland H. Wiegenstein über das Mafia-Buch des australischen Journalisten Robb ausschüttet: klug recherchiert, lebendig geschrieben lautet sein Gesamturteil. Nicht nur ein Buch über die Mafia, das neue Fakten ausgräbt und ebenso die Vorgeschichte aufarbeitet, rühmt Wiegenstein, sondern auch ein Buch über Sizilien, das ausführliche Beschreibungen der Städte, Landschaften und Bewohner sowie deren Kultur und Essen enthält. Und drittens sei es auch ein Buch über Italien geworden, aufgrund der engen und landesweiten Verflechtung zwischen Mafia und Politik, die sich am ehesten an der Figur Giulio Andreottis festmachen lässt. Der Autor habe lange in Italien gelebt, berichtet der Rezensent, und sei extra zum Prozess gegen Andreotti angereist gekommen; die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft gegen ihn diente dem Autor als roter Faden. Heute, da ist sich Wiegenstein mit Robb einig, sei eine neue Allianz zu befürchten: zwischen Berlusconis "Forza Italia", den von ihm beherrschten Medien sowie den neuen Herren der Mafia in Süditalien.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.10.2000
Georg Sütterlin bespricht zwei Neuerscheinungen zu Italiens Süden: Peter Robbs "Sizilianische Schatten", eine ihn politisch wie literarisch überzeugende Reportage über die sizilianische Mafia sowie "Totem und Ragù", Marino Niolas Städteportrait Neapels, das ihm weit weniger gelungen erscheint.
1 Peter Robb: "Sizilianische Schatten".
Ganz ausgezeichnet findet Georg Sütterlin die Sizilien-Reportage des australischen Journalisten, der die Formierung der "Neuen Mafia" in den 70er und 80er Jahren untersucht und dabei auch die italienische Nachkriegspolitik unter die Lupe nimmt: Das schnelle Wachstum der sizilianischen Mafia verdankt sich unter anderem auch den amerikanischen Besatzungstruppen, die sich der Beziehungen amerikanischer Mafiosi für ihre Sache bediente. Robb bewältige sein umfangreiches Thema souverän, schreibt Sütterlin, er verbinde historische Exkurse, eigene Reiseerlebnisse, Portraits und kulturelle Schlaglichter mit seiner politischen Recherche, die keinen Hehl aus seiner Meinung von Giulio Andreotti mache. Als - interessanten, aber eigentlich störenden - Fremdkörper empfindet Sütterlin die eingeflochtenen Erinnerungen Robbs an seine Zeit als Englisch-Lehrer in Neapel; für sich genommen ein überzeugender Text, der auf ihn im Kontext zu Sizilien allerdings wenig erhellend wirkt.
Marino Niola: "Totem und Ragù. Neapolitanische Spaziergänge"
Im Vergleich zu Robbs Ausführungen über Neapel kommt dieses literarische Portrait der Stadt viel schlechter weg. "Akademisch-dürr" nennt Georg Sütterlin die Ausführungen des Autors, der schließlich den Leser an der Hand nehmen und durch die (Geschichte der) Stadt führen soll. Das Brevier sei zwar in gut klingende Stichworte unterteilt wie "Theater der Toten" oder "Kastrat und Matriarchat", leider sei die Sprache jedoch zermürbend theoretisch, das ganze Buch eher als eine "Parodie strukturalistischen Denkens" zu lesen. Bloß dass der Witz auf der Strecke geblieben ist. Was dem Leser bleibt, ist die laut Sütterlin "verlockende Aufmachung" des Buches, das zumindest optisch zum Lesen einlädt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.05.2000
In einer recht ausführlichen Rezension zeigt sich Thomas Hauschild besonders beeindruckt von Robbs Fähigkeit, die "Spannung von politischem (oder kriminellem) Leben und literarischer Widerspiegelung" in einem Buch darzustellen. Natürlich geht der Rezensent darüber hinaus auch auf Robbs Buchkonzept ein, der nicht nur auf die Entstehung der Gabel, italienische Kochrezepte und Essgewohnheiten zu sprechen kommt, sondern auch von Parteispenden, dem Andreotti-Prozess, dem Gesundheitssystem und vielem anderen mehr zu erzählen weiß. Hauschild hebt neben vielen anderen Aspekten besonders Robbs Begegnung mit Leoluca Orlando hervor, der die sizilianische Problematik untrennbar mit dem Kalten Krieg verbunden sieht. Dieser habe verhindert, dass sich die demokratischen Kräfte in Sizilien entfalten können. Hauschild lobt darüber hinaus Robbs unpathetische Herangehensweise bei seinen italienischen Betrachtungen, und vor allem gefällt ihm, dass sich dieses Buch "ständig in ein anderes verwandelt": Mal ist es Kochbuch, mal Reiseführer, "mal Kritik der Moderne, mal kritische Distanz, mal Ethnografie und Kunsthistorie". Eine Herangehensweise, die der Rezensent als beispielhaft würdigt.
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