Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Peter Rinderle

Der Zweifel des Anarchisten

Für eine neue Theorie von politischen Verpflichtungen und staatlicher Legitimität

Cover: Der Zweifel des Anarchisten

Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN-10 3465032330
ISBN-13 9783465032335
Broschiert, 369 Seiten, 49,00 EUR

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Klappentext

Zwei Fragen stehen im Mittelpunkt der politischen Philosophie der Moderne: Hat der Bürger eine moralische Pflicht zur Befolgung der Gesetze? Kann der Staat ein Recht zur Ausübung politischer Herrschaft in Anspruch nehmen? Der Anarchist geht von einer engen Korrelation der beiden Fragen aus und gibt eine negative Antwort. Trotz ihres Zweifels an der Autorität des Staates postulieren nun jüngere, philosophische Anarchisten (Wolff, Simmons) im Gegensatz zu traditionellen, politischen Anarchisten doch keine Pflicht und kein Recht zur Abschaffung des Staates. Zunächst wendet sich das Buch einer Analyse der genauen Bedeutung, der normativen Quellen und der verschiedenen Spielarten des anarchistischen Zweifels zu. Eine kritische Rekonstruktion prominenter Begründungen einer Pflicht zum Rechtsgehorsam aus der Geschichte der politischen Ideen (Platons Dankbarkeitsargument, das klassische Naturrecht, Lockes Vertragstheorie) und der systematischen Debatte der Gegenwart (Harts Grundsatz der Fairneß, Rawls' Pflicht zur Gerechtigkeit, prozeduralistische und deliberative Theorien der Demokratie) bildet dann den Hauptteil der Untersuchung. Sie führt zum Ergebnis, daß sich der Zweifel des Anarchisten nicht vertreiben läßt. Obwohl das Potential der klassischen und zeitgenössischen Ansätze von vielen Anarchisten unterschätzt wird, bleiben zuletzt doch gute Gründe zur Skepsis gegenüber der Autorität des Staates bestehen. Die Teilergebnisse der Untersuchung lassen sich aber für eine neue, multiprinzipielle Theorie der politischen Legitimität fruchtbar machen, die insbesondere auch die enge Korrelation von bürgerlicher Gehorsamspflicht und staatlichem Herrschaftsrecht in Frage stellt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2006

Diejenigen, die an die Traktate deutscher Philosophen gewöhnt sind, sollten sich keinesfalls von den angelsächsischen Stilmitteln dieses Autors - Offenheit, Orientierung an der Sache, Verzicht auf Begriffshuberei und die einfache Darstellung vertrackter Sachverhalte - abschrecken lassen, mahnt Gerd Roellecke. Peter Rinderle fragt in seinem Buch nach der Rechtfertigung staatlicher Autorität. Was verpflichtet Bürger, politischen Entscheidungen zu gehorchen? In dem alten Streit zwischen Staatsbefürwortern und Staatskritikern, zwischen Etatisten und Anarchisten, setzt Rinderle auf das Konzept der Gegenseitigkeit. Das Verhältnis Bürgern und Staat müsse man als eines auf gleicher Augenhöhe begreifen, als gegenseitige Abhängigkeit von Individuum und Politik. Dann nämlich verpflichten Fairness, die Idee der Gerechtigkeit oder die Teilnahme am demokratischen Verfahren die Bürger dazu, politischen Entscheidungen Folge zu leisten, umreißt Roellecke Rinderles Gedanken. Wobei letzte Zweifel am Machtumfang des Staates, die "Zweifel der Anarchisten", beileibe nicht auszuräumen sind. Der Rezensent zeigt sich von Rinderles Ausführung im großen und Ganzen überzeugt, bedauert allerdings seine Entscheidung, Fragen zur Moral und ihrem Verhältnis zum Recht ausgespart zu haben.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren