Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Peter Blickle

Das Alte Europa

Vom Hochmittelalter bis zur Moderne

Cover: Das Alte Europa

C. H. Beck Verlag, München 2008
ISBN-10 3406571719
ISBN-13 9783406571718
Gebunden, 320 Seiten, 26,90 EUR

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Klappentext

Peter Blickle erläutert in seiner umfassenden Darstellung, wie die politische Organisationsform der Häuser die Gesellschaft der Bauern und - später - der Bürger auf einer horizontalen Ebene verbindet und sie über das Haus der Adligen und des Fürsten hierarchisch strukturiert. Die hohe Bedeutung des Hauses für die Entwicklung der Werte Solidarität und Recht erweist sich, wenn die Vielzahl der Häuser zur Gemeinde wird und Bauern und Bürger ihr Miteinander gemeinverträglich und so frei wie möglich organisieren. Diese Struktur - so zeigt der Autor anschaulich - ist in ihrer europaweit flächendeckenden Ausbreitung die Voraussetzung für den Siegeszug des Christentums, in dem der Erlöser als leidender Christus in die Mitte von Sakralität und Spiritualität rückt: Christus und die Märtyrer fördern durch ihr Vorbild die für die Gemeinschaft konstitutionell unverzichtbare Ethik des Mitleidens; zudem erscheint Christus als Inkarnation des gegen die herrschaftliche Unterjochung gerichteten Freiheitsbegriffs: Wenn Christus den Menschen befreit, dürfen weder weltliche noch geistliche Herren den Menschen wieder in Unfreiheit pressen.

BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Peter Blickle: Das Alte Europa - mehr zum Buch und eine Leseprobe beim C.H. Beck Verlag

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.01.2009

Peter Blickles Abhandlung über das "Alte Europa" vom 13. Jahrhundert - als sich die sesshafte Besiedelung durchsetzte - bis Anfang des 19. Jahrhunderts hat Urs Hafner gefesselt, auch wenn ihm die Darstellung des emeritierten Berner Historikers mitunter allzu sehr von seinen "normativen" Quellen geprägt scheint. In Anlehnung an Otto Brunners durchaus umstrittenes Bild des "Ganzen Hauses", das für die mittelalterliche Gesellschaft steht, spricht Blickle dem dritten Stand mit seinen kommunalen und familiären Strukturen prägende Wirkung zu. Die Verteidigung der "kommunal-häuslichen Freiheiten" und der auf wahrem Mitleid gestützten Frömmigkeit gegenüber Adel und Geistlichkeit spiele dann beim Autor auch eine entscheidende Rolle in der Geschichte Europas, so Hafner weiter, der jedoch einwirft, dass es in der historischen Realität weniger "idealtypisch" zuging. Die zivilisatorischen Errungenschaften durch Bauern und Bürger seien interessant und manchmal gar "ergreifend" dargestellt, die "Schattenseiten der Zivilisation" allerdings würden vornehmlich verschwiegen, gibt der Rezensent mit Blick auf Hexenverfolgung und Judenpogromen  zu bedenken.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.12.2008

Ein weiteres Buch zum "Jahr der großen Summen" hat Christian Jostmann gelesen. Peter Blickles aus der Schweizer Perspektive verfasster Versuch einer intellektuellen Vergewisserung des Alten Europas, also seiner Geschichte von 1200 bis 1800, findet er allerdings ehrgeizig und gelungen genug, um in der Menge der großen Überblicksbücher zu bestehen. Eher schmal im Umfang, erscheint der Inhalt des Bandes dem Rezensenten durchaus als systematisches, abstrahierendes Konstrukt, das, ausgehend vom "Grundbaustein" des Hauses und von der Kommune Sozialstrukturen und die ihnen eigenen Spannungen untersucht. Was Jostmann vermisst, ist ein weniger scharfer Trennstrich zwischen dem Mittelalter und Alteuropa, der auch längerfristige Entwicklungen berücksichtigt, sowie der Einbezug des Alteuropa mitprägenden Fremden, die Türkenkriege etwa oder die Kolonisierung.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2008

Als allzu widerspruchslose Identitätsbehauptung liest Michael Borgolte den Band von Peter Blickle. Dessen teleologische Darstellung eines kompakten Europas mit verbindlichen Wurzeln und Werten erscheint Borgolte zu nonchalant und generalisierend. Das von Borgolte als Blickles "Universalschlüssel" für die Vergangenheit erkannte Interpretament des "ganzen Hauses" als Basiselement für vormoderne, vertikale und horizontale Gesellschaftsordnungen, möchte der Rezensent so nicht gelten lassen. Zu sehr lässt Blickles ideengeschichtlicher Ansatz ihn anthropologische und kulturwissenschaftliche Denkweisen und den Einbezug wichtiger Forschungsergebnisse vermissen.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

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07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

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12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

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