Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Peter Bichsel

Alles von mir gelernt

Kolumnen 1995-1999

Cover: Alles von mir gelernt

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN-10 3518410997
ISBN-13 9783518410998
gebunden, 266 Seiten, 19,43 EUR

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Klappentext

Peter Bichsel erzählt, erinnert sich, denkt nach, sagt seine Meinung, träumt und lächelt, und alles, was ihm begegnet, wird zu einer Geschichte, die mal im Bergdorf Barbiana spielt, mal in einem Restaurant in Norddeutschland, oft in einer Beiz in Solothurn oder, weit weniger oft, im fernen Amerika. Und er erzählt von seinen Leuten, von Schampi Gerwig, dem jüngst verstorbenen Änneli, von Beaujolais, dem alten Boxer, oder von Martina Hingis, einer Heldin unserer Zeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.05.2000

Die gesammelten Kolumnen des Schweizer Schriftstellers, so Hans-Jörg Graf, sind "Korrektiv einer korrumpierten Wirklichkeit". Indem er Beiläufiges ins Exemplarische wendet, beispielsweise das zwangsläufig belauschte Gespräch im Zug zwischen zwei Trinkern, die sich in Lügengeschichten überbieten, nimmt er einmal mehr die Umkehrung der geltenden Wertungen vor: Die Verlierer sind die Gewinner, denn sie gönnen sich den Luxus, Geschichten zu erzählen - "und es wird zur Wahrheit, weil man es erzählen kann". Mit seinem Eintreten für die Verlierer bietet Bichsel "Gegenentwürfe zur Maschinenwelt" an, meint Graf, und verweist damit auf dessen grundsätzliches Interesse am "Ausprobieren, wie es wäre, wenn es nicht so wäre, wie es ist".

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2000

Bruno Steiger bespricht diesen Band zusammen mit mit "In Olten umsteigen - Über Peter Bichsel" (ebenfalls Suhrkamp).
Die 16 Autoren der kleinen Festschrift "In Olten umsteigen", so Steiger, seien alle "freundschaftlich Zugewandte, Gratulanten" und schildern Anekdoten aus dem Leben des Dichters - wie er zum Beispiel einmal eine einstündige Radiosendung mit seiner Lieblingsmusik nach 47 Minuten abbrach, weil er einfach fertig war. Bichsel sei eben ein Mann des "Weniger ist mehr".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2000

In einer Doppelbesprechung beschäftigt sich Sabine Brandt mit den folgenden Büchern zu und über Peter Bichsel:
1) Peter Bichsel: "Alles von mir gelernt"
Zeitungskolumnen als für den Tag geschriebene Beobachtungen und Reflexionen sind nicht immer noch nach Jahren lesenswert, meint Sabine Brandt. Bichsel macht sie ihrer Meinung nach jedoch zu einer literarischen Form, in der das "Aussprechen von Wahrheiten" uns zur Belehrung gereicht. Und dass dieses so inspirierte Lernen nicht "mittels des erhobenen Zeigefingers" stattfindet, führt sie an der titelgebenden Kolumne gleich vor. Da denkt Bichsel nämlich über zwei Personen nach, die zunächst nichts miteinander zu tun haben: ein Clown kommentiert beim Anblick aller Vorführungen seiner Kollegen "Alles von mir gelernt", während ein anderer Mensch unbelehrbar davon überzeugt ist, man habe ihm operativ die Leber entfernt. Für Artisten ist der Wille zum Lernen überlebenswichtig, schreibt Bichsel; der "Leber-Mann" dagegen hat sich eingerichtet im Zustand des Nicht-Wissens darüber, was ihm geschieht (ein Zustand, in dem wir alle meist verharren). Andere Kolumnen beschäftigen sich beispielsweise mit der Rechtschreibreform, der Schweiz als "unbeobachtetes Land" und dem Sozialismus; auch sie werden von Brandt lobend erwähnt.
2) Herbert Hoven (Hrsg.): "In Olten umsteigen. Über Peter Bichsel"
Aus Anlass des fünfundsechzigsten Geburtstags, so verrät es der letzte Beitrag in diesem Buch über den Schweizer Schriftsteller, sind die Erinnerung an Begegnungen mit Bichsel erschienen. Unter den Autoren sind illustre Namen zu finden, schreibt Sabine Brandt, so Max Frisch und Peter von Matt, der erste Verleger des Dichters, Otto F. Walter und viele mehr. Sie beschäftigen sich, so die Rezensentin, mit seiner für ein "vergleichsweise schmales Werk" erstaunlichen Publikumsresonanz. Leider schreibt sie nicht, zu welchem Ergebnis die Freunde kommen, aber ihre eigene Würdigung in dieser Besprechung legt nahe, dass es auch in deren Erinnerungen um den leisen Humor des Dichters gehen könnte, mit dem er bei seinen Klagen über die "Unvollkommenheit und den Jammer der menschlichen Gesellschaft" sich selbst immer auch einschließt, - und damit seinen Lesern ein Stück Selbsterkenntnis ermöglicht.

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