Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Per Olov Enquist

Der fünfte Winter des Magnetiseurs

Roman

Carl Hanser Verlag, München 2002
ISBN-10 3446201297
ISBN-13 9783446201293
Gebunden, 263 Seiten, 21,50 EUR

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Klappentext

Aus dem Schwedischen von Hans-Joachim Maass. Das 18. Jahrhundert zwischen Aufklärung und Irrationalismus: Der Magnetiseur Friedrich Meisner zieht als Wunderheiler durch die Lande. Die einen verehren ihn wie einen Held und Guru, die anderen jagen ihn als Scharlatan und Volksverhetzer. Seit fünf Jahren ist er nun schon auf der Flucht ... Per Olov Enquist hat in diesem frühen Roman (1964) echte und fiktive Quellen dicht miteinander verwoben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.04.2002

Per Olov Enquists Roman "Der fünfte Winter des Magnetiseurs", 1964 erschienen, 1966 übersetzt und nun wieder aufgelegt, beschreibt die Mechanismen der Verführung und ist nach Hermann Wallmann, nach wie vor hochaktuell. Auch wenn die Geschichte, berichtet der Rezensent, historisch angelegt sei. Im Winter des Jahres 1793 zieht der "Wunderheiler" Friedrich Meisner ein ganzes bayrisches Dorf in seinen Bann, bis er der Scharlatanerie überführt und verurteilt wird, referiert Wallmann über den Inhalt. Enquist sei es hier weniger darum gegangen, den Magnetismus zu thematisieren, als vielmehr "auf seine Weise den autoritären Charakter" zu studieren, der einem wie Meisner besondere Fähigkeiten zuschreibe, denkt der Rezensent. Und das sei dem Autor brillant gelungen. Helmut Heißenbüttel habe Enquist einst zugeschrieben, dass er wie wenige verschiedene Erzählformen gekonnt für eine "literarische Großform einzusetzen" wisse, und der beeindruckte Rezensent stimmt ihm ohne Einschränkungen in dieser Ansicht zu.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.03.2002

Einen "Erzähler im besten Sinne" nennt Petra Kipphoff den schwedischen Schriftsteller Per Olov Enquist in ihrer Besprechung des wiederaufgelegten Romans von 1964. Darin geht es um den Wunderheiler Meisner, historische Vorlage ist Franz Anton Mesmer, Erfinder des "tierischen Magnetismus", des Mesmerismus also, ein Sujet, das Faszination und Sprengkraft entwickelt, wie Kipphoff meint. Ihre gründliche Kritik liest sich allerdings etwas schleppend, zu viel behandelt sie, bevor sie zur Sache kommt: Enquists Allroundtalent, seinen großen Erfolg "Der Besuch des Leibarztes", geschichtliche Hintergründe, Sloterdijk, Stifter. Aber schließlich erfahren wir, was ihr an dem Roman so gefallen hat: "Knappe Szenen, kleine Zwischenspiele und glänzende Charakterisierungen fügen sich zum Panorama jener Kontraste und Konflikte, als deren Exponenten Meisner und sein medizinischer Widerpart Anton Steiner stehen".

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002

In diesem frühen Werk Enquists erkennt Claus Ulrich Bielefeld schon die sprachlichen und stilistischen Modulationsfähigkeiten des Autors, der über drei Jahrzehnte später "Der Besuch des Leibarztes" schreiben sollte. Die "effektsicher und perspektivenreich erzählte" Geschichte eines Seelenheilers, der im ausgehenden achtzehnten Jahrhundert die Tochter eines Arztes von einem hysterischen Leiden befreit, sei ein farbiges Sittengemälde, aber gleichzeitig eine große Parabel über die "Gegenläufigkeiten von Vernunftgläubigkeit und Irrationalismus". Bielefeld lobt den Roman als Beispiel "großer und verführerischer Erzählkunst".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2002

Dieser schon 1964 im Original erschienene Roman ist den Informationen Tilman Spreckelsens zufolge nun im Zuge des Erfolges von "Der Besuch des Leibarztes" auf deutsch erschienen. In beiden Romanen, so der Rezensent, geht es um "Aufklärung und Okkultismus". In beiden Romanen stünden Ärzte im Mittelpunkt. Während Enquist jedoch im Struensee-Roman "entschieden Partei für eine rationalistische Weltsicht" ergreife, lasse er in seinem jetzt publizierten Frühwerk diese Frage unentschieden. Enquists Zurückhaltung gehe so weit, dass er die Handlung stetig bis zu jenem Punkt erzähle, an dem über den Protagonisten vor Gericht entschieden werde. Da breche das Buch ab. In den Augen des Rezensenten ist dies dem Roman "bestens" bekommen. Dessen Grundprinzip sei die Ambivalenz der Hauptfigur gegenüber: einem Arzt "in der Nachfolge" Franz Anton Mesmers, welcher kurz vor der Französischen Revolution die "Fluidum"-Theorie entwickelte, der zufolge Krankheit lediglich auf einen gestörten Fluss dieser Substanz zurückzuführen sei, der mit Hilfe eines Magnetiseurs wieder in Gang gebracht werden könne. Von Mesmers Ansatz, der Spreckelsen zufolge auch auf die Befragung des Unbewussten setzt, lasse sich eine "verschlungene Linie" zu Freud ziehen. Diesen Ansatz nun lege Enquist "so deutlich" seinem Text zugrunde, dass er nie in die Nähe eines "naiven Historienromans alter Schule" gerate. Im Gegenteil, dieser Magnetiseur magnetisierte wohl auch diesen Rezensenten.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.02.2002

Erstaunt und äußerst positiv überrascht ist Rezensent Andreas Breitenstein, zu welch überragender Leistung der von ihm geschätzte schwedische Autor Per Olov Enquist schon im Alter von 30 Jahren fähig war. Der 1966 erstmals auf deutsch erschienene Roman über einen erfundenen Wunderheiler und Magnetiseur ist eine wirkliche Wiederentdeckung, preist Breitenstein. Er lobt die "souveräne gedankliche Durchdringung" und die "formale Brechung" der Handlung, sowie den durch Montage geschaffenen Reichtum an Perspektiven und Erzählweisen. Für Breitenstein ist dieser Roman "ein Vorspiel" zum 20. Jahrhundert, in dem es bereits den "Führer und die Masse, den Artist und das Publikum, den Utopist und der Märtyer" gibt. Kleine Mängel können Breitensteins hervorragenden Eindruck von diesem "Glanzstück" nicht trüben.

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