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Paul Virilio
Der große Beschleuniger
Klappentext
Aus dem Französischen von Paul Maercker. Herausgegeben von Peter Engelmann. Der Exodus ist nicht mehr linear, sondern kreisförmig: Die Inbetriebnahme des weltgrößten Teilchenbeschleunigers im September 2008 markiert für Paul Virilio das Ende der anthropostatischen Sesshaftigkeit. In seinem neuesten Essay kreist der Denker der Geschwindigkeit einmal mehr um sein Kernthema: die Beschleunigung der Realität. Den titelgebenden Large Hadron Collider des CERN sieht er als Symbol der zirkulären Ausweglosigkeit, die durch den ständigen Geschwindigkeitsrausch, dem wir in der medialen Informationsflut verfallen sind, unsichtbar bleibt. Denn die erzwungene Mobilität der Menschen und Datenmengen verzerrt die natürlichen Rhythmen, was Virilio als gefährliche Abkehr von der lokalen, menschlichen Zeit zugunsten der globalen Maschinenzeit interpretiert, die wiederum die Realität jedes Einzelnen beschleunigt. Wir haben die Zeitmauer erreicht. Virilio ruft uns dazu auf, diese Hegemonie des ewigen Augenblicks der technologischen Moderne zu überwinden, uns vom Fortschrittsgedanken zu lösen und dem illuministischen Kult um die Lichtgeschwindigkeit abzuschwören.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2012
Nicht wirklich erwärmen kann sich Christof Forderer für Paul Virilios neues Buch "Der große Beschleuniger". Die Thesen des als großen Kritiker der gesellschaftlichen Beschleunigung bekannten französischen Philosophen scheinen ihm oft sehr suggestiv vorgebracht und wissenschaftlich kaum begründet. Auch stört ihn der "apokalyptische Predigerton" des Autors. Er hält Virilios Analyse der Ursachen von problematischen Beschleunigungsprozessen Monokausalität vor. Den Empfehlungen des Autors, die Verlangsamung zum Regierungsprogramm zu machen und ein Ministerium der Zeit einzurichten, das über die Wahrung natürlicher Zeitrhythmen wacht, begegnet er mit einer Forderung nach mehr Futurismus in Politik und Gesellschaft, muten ihn Virilios Ansichten mitunter doch etwas anachronistisch an.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.09.2012
Dass Paul Virilio nur noch ein Epigone seiner selbst ist, mag Rezensent Christof Forderer nicht unterschreiben. Denn auch wenn der Philosoph in "Der große Beschleuniger" viele seiner bekannten Thesen wiederholt, findet der Rezensent einige instruktive neue Gedanken. Im Wesentlichen stellt das neue Buch für ihn eine Anwendung von Virilios kritischer Kulturgeschichte der Beschleunigung auf gegenwärtige Probleme dar wie z.B. die Finanzkrise, Deregulierung der Arbeitswelt, Krise der Demokratie, Krise der Familie. Da geht es etwa um den Zusammenhang von Nanosekunden und Credit Crunch oder den rasenden Stillstand der Jetztzeit. Forderer findet den Text, wenn auch nicht immer leicht verständlich, so doch insgesamt recht "anregend".

Paul Virilio
Paul Virilio, geboren 1932 in Paris, Begründer der Ècole d`architecture spéciale, lebt als Architekt und Schriftsteller in Paris.mehr lesen














