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Paul Brodowsky
Milch Holz Katzen
Klappentext
Paul Brodowskys Prosaminiaturen nehmen Alltägliches in Blick, aber auf eine Weise, dass dieses in ein merkwürdiges Licht gerät. Zunächst meint man, vertraute Situationen vorgeführt zu bekommen: Familiengeschichten, Landschaftliches, Erotisches, tastendes Sich-Vergewissern eines suchenden Ichs - aber dann bricht das Unerwartete herein; man kann es sehen, schmecken und riechen, und doch wirkt plötzlich alles geheimnisvoll, surreal.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.11.2002
Ziemlich überflüssig findet der Rezensent Anton Thuswaldner diese Prosaminiaturen des erst 22-jährigen Paul Brodowsky. Der Autor hätte seiner Meinung nach mit dem Debütieren lieber noch ein bisschen warten sollen, bis er tatsächlich etwas mitzuteilen hat: "Brodowsky gehört zu jenen Autoren, die an eklatantem Mangel an Stoff leiden, aber unbedingt etwas erzählen wollen". Er unterstellt dem Autor eine engstirnige Fokussierung auf das eigene Ich, die andere Wahrnehmungsebenen fast völlig ausblendet. Auch stilistisch ist der Rezensent nicht gerade beeindruckt - zu phrasenhaft kommt das Geschriebene seiner Meinung nach daher. So ist sein Fazit über den Autor ziemlich ungnädig: "Mit seiner Ästhetik der Willkür und Effekthascherei stiftet er vorsätzlich und virtuos leere Verwirrung."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.06.2002
Da geht einer hin und will sich partout an Ilse Aichinger messen, schreibt Samuel Moser nicht ohne Bewunderung. Das verlange "Mut zum Epigonalen" und den stelle der erste 22-jährige Paul Brodowsky durchaus unter Beweis. 45 Kurzprosatexte seien entstanden, die bis in die Textarchitektur nach Aichinger klingen: ihre Paradoxien, ihr Witz, ihre fröhliche Resignation, ihr Kampfgeist, all das lässt sich bei Brodowsky wiederfinden, meint Moser, und es ist "nicht einmal schlecht gemacht, im Gegenteil". Dennoch, etwas fehlt. Brodowsky ist nicht Aichinger, auch wenn er fast wie sie schreiben kann. Er ist einfach zu jung, findet Moser. Aichingers Dissidenz sei aus Lebenserfahrung erwachsen, dagegen spüre man bei Brodowsky nur eine "melancholische Komponente". Zu viel Können sei das Problem dieses Autors, der zukünftig erst lernen müsste zu verlernen, auch wenn das paradox klinge. Für den Anfang aber, meint Moser, ist es nichts Schlechtes, sich an Ilse Aichinger abzuarbeiten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.05.2002
Es handelt sich, meint Sabine Franke, bei diesem Autor um einen echten "Wahrnehmungsexzentriker", der sich in seinen Prosaminiaturen, deren Beschreibungen oft eher dem ländlichen Raum entstammen, allemal mehr für die "Würmer im Holzboden" interessiert als für das unsereinem Aufregendere. Erinnert fühlt sich die Rezensentin an Stifter und Bernhard, findet aber Brodowsky deshalb weder epigonal noch altmodisch im schlechten Sinne. Im Gegenteil: der junge Autor (erst 22) zeigt mit diesem Band von Kleinprosa allen, "was eine Harke ist". Franke schließt ihre Rezension mit einer Einladung, Brodowsky kennenzulernen: "Treten Sie ein und schauen Sie sich um."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2002
Nach diesem "überraschend ausgereiften Beginn" ist nach Ansicht von Rezensent Richard Kämmerlings von dem 1980 geborenen Autor "noch einiges zu erwarten". Der "schmale Prosaband" enthält dem Rezensenten zufolge fünfundvierzig Miniaturen, die, auch großzügig gesetzt, meist nicht einmal eine Seite füllen würden. Doch vom ersten Satz an erzeugen sie große Neugierde, schreibt der sichtlich beeindruckte Kämmerlings. Die Texte seien musikalischdurchkomponiert, arbeiteten mit "Leitmotiven" und glichen oft "Kadenzen, die mit immer neuen Zwischen- und Untertönen" eine Auflösung verweigerten. In den Texten findet Kämmerlings die "romantische Sehnsucht nach der verlorenen Einheit mit der Natur" in eine "schleichende Renaturalisierung der Umwelt des "Ichs" umgeschlagen. Die Unmöglichkeit der Kommunikation mit der Flora und Fauna samt ihren eigenen Gesetze jenseits "bearbeitender, kultureller Logik" ist laut Kämmerlings das eigentlicher Thema des Bandes. Kleine Schlenker skizzieren Sprache und Motivwelt des jungen Autors. Der Stoff, aus dem die Traumgebilde dieser Kurzprosa sind, lesen wir auch, findet sich nicht in realen Landschaften, sondern auf weiten, unbegrenzten Sprachebenen. Trotzdem bleibe hier nichts abstrakt.
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