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Klappentext
Aus dem Französischen von Jörg Aufenanger. Paris im Frühjahr 1992 - der Erzähler stößt auf ein altes Foto und die Erinnerung setzt sich in Gang: Francis Jansen hatte es gemacht, der Fotograf mit der Rolleiflex, der bald darauf für immer verschwand. In dessen Atelier war er mitgegangen, das bereits wie verlassen wirkte. Nur die drei Koffer voller Fotos, dem Vergessen überlassen. Das war 1964, Frühling in Paris und er ein so junger Hund.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.02.2001
In virtuoser Vermischung von Fiktion und Realität, findet Rezensentin Sabine Doering, schafft Modiano einen Detailrealismus, der an die literarischen Pseudobiografien W. Hildesheimers erinnere. Eng sei hier die Geschichte einer Nachkriegsjugend mit Reflexionen über das Vermögen der Kunst geknüpft. Auf den ersten Blick war der kleine Roman in den Augen der Rezensentin nach einem alten Modiano-Muster gestrickt: dem "Dreisatz", wo ein "gereifter Erzähler" aus der Gegenwart in seine Jugend zurück blicke und dahinter eine noch viel fernere Vergangenheit aufscheine. Diesmal führe der Autor seine Leser ins Paris des Jahres 1964, wo ein Fotograf ein junges Paar für eine Reportage über "die Jugend von Paris" sucht und der junge Mann durch den Fotografen "das Schreiben als ihm gemäße Ausdrucksform entdeckt". Hinter diesem Muster entdeckt die Rezensentin ein poetisches Spiel, dass der Autor mit seinen Lesern treibt, in dem er so tue, als erzähle er eine "Erweckungsgeschichte", in der er im Rückblick seinen eigenen Weg in die Literatur neu erfinde.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2000
Auch der jüngste Roman des französischen Autors behandelt das Thema, das Modiano immer behandelt, behauptet Milo Rau: "Erinnern und Vergessen". Und der Autor tue dies in seinem speziellen "Flüsterton", unsicher, leise, zweifelnd, aber hartnäckig. Bei der Geschichte, so Rau, geht es um die Begegnung zweier Männer, von denen einer ein Fotograf ist, der irgendwann verschwindet und den anderen sein Archiv ordnen lässt. So wie die Fotografien nur zufällige Ausschnitte der Wirklichkeit bezeugen könnten und vom allmählichen Verblassen bedroht seien, spiegele auch die Erzählweise die gleichzeitige Konzentriertheit und Verstörung des Ich-Erzählers wider. Was auf den Fotos nicht mehr zu sehen oder von der Begegnung zu erinnern sei (die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen), erfinde der Erzähler hinzu: eine vorsichtige Rekonstruktion des Geschehens im Kampf gegen das Vergessen, lautet Raus Resümee, unternommen in dem Bewusstsein, dass alles dem Vergessen anheim gegeben ist. Etwas "gespensterhaft".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.10.2000
Wirklich "neu" ist der jeweils neue Roman des französischen Schriftstellers Patrick Modiano nicht, findet die Rezensentin Martina Meister. Dazu ist der "vertraute Geschmack der Vergangenheit" und ein ähnliches Grundmotiv, nämlich eine Spurensuche, in seinen Romanen zu omnipräsent. ". In dieser Tradition steht auch Modianos neuste Veröffentlichung auf deutsch "Ein so junger Hund", die bereits 1993 im Original erschienen ist. Diesmal sucht der Protagonist einen Fotografen, der ihn als junger Mann fotografiert hatte. Entweder man mag Modianos Bücher - dann ist man meist gleich süchtig - oder eben nicht, findet Meister. Sie begründet Modianos Leitmotiv mit dessen persönlichen Trauma - dem Verlust des Bruders und des jüdischen Vaters: "In jeder Romanfigur, der er als Erzähler nachjagt, sind sie präsent." Eine sehr große Fangemeinde hat er hier noch nicht, anders als in seiner Heimat, aber sie wächst, und Meister konstatiert, dass auch die Kritik sich immer mehr für den Autor interessiert.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.08.2000
Gleich zwei Neuerscheinungen von Patrick Modiano: "Ruinenblüten" (Suhrkamp) und "Ein so junger Hund" (Kowalke und Co Verlag) - Michael Althen nimmt das zum Anlass, den Autor und seine Werke genauer vorzustellen. Im Grunde, so Althen, funktionieren alle (und so auch die beiden neuen) Romane des Autors auf dieselbe Weise. In einem "Dreisprung ins Reich der Erinnerung" stehen drei Zeitebenen nebeneinander: eine Erzählgegenwart, die Erinnerung an die "unbeschwerten" sechziger Jahre und Rückblenden auf die Zeit der Okkupation. Das in den Romanen geschilderte Paris sei erkennbar fast nur an den "Namen von Straßen, Plätzen, Geschäften, Metrostationen", ansonsten aber eine Welt jenseits von Zeit und Raum. Auf den ersten Blick, so Althen, erscheinen Modianos Erzählungen fast schwerelos - und lassen einem dann doch "das Herz schwer werden".
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