Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Ein Mann sieht in der Metro eine Frau, die vor dreißig Jahren seine Jugendliebe war. Damals lebte Jacqueline mit einem anderen im Quartier Latin, schnüffelte Äther und träumte von Mallorca. Heute folgt ihr der Erzähler bis zu einer Party, auf der sie sich zunächst nicht zu erkennen gibt. Eine nostalgische Liebesgeschichte aus dem Paris und London der sechziger Jahre.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.01.2001
Alexandra M. Kedves ist sehr angetan von diesem Roman des bereits mehrfach ausgezeichneten französischen Autors. Sie lobt diese "kleine Geschichte", die die Erinnerung an eine Begegnung aus dem Paris im Winter 1964 heraufbeschwört, für das Wagnis, seine Charaktere und Gefühle deutlich zu beschreiben, indem er sie lediglich mit "wenigen Strichen "skizziert. Sie preist die "klare, karge Sprache" des Autors, der damit eine ganze "Epoche" zum Leben erweckt habe. Zudem sei der Roman auch eine "Liebeserklärung" an Paris, die Modiano mit seiner "federleichten, vergangenheitsschweren Prosa" zum Ausdruck bringt, so die Rezensentin begeistert. Die Übersetzung ins Deutsche wird ihrer Meinung nach der stilistischen "Schlichtheit" des Autors völlig gerecht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2000
Fast könnte man denken, Hannelore Schlaffer nehme das Buch ernst. Streng klärt sie den Leser darüber auf, dass es heute eben modern sei, im Roman nicht mehr Charaktere zu zeichnen, sondern "Piktogramme". Überrascht merkt man dann, dass die Rezensentin von der abgebrühten Nichts-ist-wichtig-Pose des Erzählers ganz unbeeindruckt bleibt. Tatsächlich, stellt sie fest, ist dem Erzähler im Roman keineswegs alles egal, vielmehr sollen allerlei vage Andeutungen auf eine Verletzung in der Vergangenheit - natürlich durch eine Frau - den Leser ahnen lassen, wie sensibel, wie "erschüttert das jugendliche Herz einst war". Liebhaber solcher Romane tröstet Schlaffer damit, dass das "ästhetische Mißvergnügen" immerhin durch das "moralische Bewußtsein" aufgewogen wird, am Fortschritt der Literatur teilzuhaben.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.04.2000
Geradezu zärtlich beschreibt Michael Althen die "flüchtige" Welt des Erinnerns in diesem Roman. Zwar passiert eigentlich nicht um viel, aber dennoch geht es natürlich um alles, vor allem um die Erinnerung an die Jugend, die einem immer erst später aufgeht als die Zeit, in der "alle Entscheidungen schon gefallen" sind, schreibt der ganz mit dem Autor fühlende Rezensent. Der Erzähler streift in diesem Roman durch die Stadt und erinnert sich an Jaqueline, die vielleicht nicht einmal "die große verflossene Liebe" war. Aber etwas an der Zeit mit ihr war so prägend, dass er, und auch das ist schon wieder lange her, einmal einer Frau folgte, die aussah wie sie und feststellen musste, dass nicht alles Chimäre ist und die Vergangenheit wirklich in die Gegenwart hineinragt; aber was dann genau passiert ist, will Althen nicht verraten. Auch so macht er neugierig auf das, was er "Modianos Unschärferelation" nennt - nämlich je unzuverlässiger die Erinnerungen sind, desto mehr Schwerkraft gewinnen sie.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2000
Einen "Magier der Vergangenheit" nennt Martina Meister den französischen Schriftsteller Patrick Modiano und bedauert, daß ein gutes Dutzend seiner Bücher bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden ist. Auf den Spuren einer verlorenen Liebe und einer verlorenen Zeit begleitet die Rezensentin den Erzähler dann in die Stadt seiner Jugend: das Paris der 60er Jahre. Sie ist fasziniert von der Art, wie langsam und behutsam Modiano die Wörter zu Bildern verdichtet, "die wie ein Film der `Nouvelle Vague` in Schwarzweiß an uns vorbeilaufen." Kein Plot, fast keine Geschichte, dafür jede Menge "Schwebezustand zwischen Wirklichkeit und Imagination". Man gerät in den "Sog seiner Sprache", findet Martina Meister, doch leider nur im Original. In Elisabeth Edls Übersetzung nämlich sei dieser Sog oft nur zu ahnen.
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