Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
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Klappentext
Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Pussy/Patrick war eine Hostess mit Niveau. Schreiben Sie Ihr Leben auf, hat der Psychiater geraten, und so soll es sein. Pussy erzählt das Leben undWirken des Patrick Braden. Patrick ist das Resultat einer gemeinsamen Nacht eines Paters mit seiner Haushälterin. Im bigotten Irland der Fünfziger wächst er bei Pflegeeltern auf, die ihm aber mit ihren Sauforgien und Schlägereien kaum imponieren können. Wie schön ist es da, davon zu träumen, nicht mehr Patrick zu sein, sondern Pussy, rundum schön zu sein und auch die weibliche Unterwäsche endlich tragen zu können, die er zuvor heimlich von der Leine stahl. Patrick/Pussy macht seine Träume wahr und geht nach England. Mit geschminkten Lippen und im Minirock schafft sie an als Transvestit auf dem Straßenstrich von Piccadilly. Doch der Gewalt des irisch-englischen Konfliktes entkommt auch Pussy nicht.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.06.2000
Spürbar fasziniert zeigt sich Peter Michalzik von diesem Roman, und zwar nicht in erster Linie, weil sich McCabe hier seiner Ansicht nach "endgültig als die Stimme für durchgeknallte und abseitige Randfiguren" erweist. Vielmehr als dies hat ihn die Virtuosität der Sprache beeindruckt: Einzigartig ist die Fähigkeit des Autors - so Michalzik -, die oftmals chaotisch verlaufende Entstehung eines Gedankens und seine Umsetzung in mündliche Sprache nachzuzeichnen. Die "sich überschlagende, hektische Stimme von Patrick" kann man bei der Lektüre des Buchs förmlich hören, findet der Rezensent. Günstig erweist sich dabei, dass der Protagonist, eine ehemalige Drag-Queen und nun "ältere Frau mit Kittel", seine Lebensgeschichte einem Psychiater erzählt und dabei aber gleichzeitig auch den Leser anspricht. Das Kreiseln der Gedanken, auch das Abschweifen, findet der Autor nicht nur im positiven Sinne "naiv, spontan, indiskret und sentimental", sondern es wirkt auf ihn auch "ungeheuer echt".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.06.2000
"So sarkastisch" habe der 1955 in Irland gebürtige Patrick McCabe noch nie erzählt, meint H.G. Pflaum über "Breakfast on Pluto" fast ehrfürchtig. Denn hinter McCabes wüster Geschichte und obszönem Vokabular ist für den Rezensenten deutlich die eigene Verletzung oder Wut des Autors spürbar, die ihn dafür um so treffsicherer machen. McCabes Angriffslust gilt dem religiös-reaktionären wie politisch-orthodoxen Klima Irlands in den 60er Jahren, in denen der homosexuelle Protagonist der Geschichte heranwächst, um dann so schnell wie möglich nach England zu entfliehen. Aber auch dort hält ihn diese eigentümliche Mischung von Sex und Politik, die für Pflaum das eigentlich Provokante des Romans ausmacht, weiter gefangen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2000
Burkhard Scherer ist zwar von dieser fiktiven Autobiografie fasziniert, findet sie aber zu konstruiert. Die Lebensgeschichte des irischen Findelkindes, Transvestiten und `Callgirls` nimmt man der Hauptfigur nicht ab, weil dahinter der Schriftsteller McCabe mit seinen „artifiziellen“ Kunstgriffen hervorscheint, kritisiert er. Dadurch fällt es dem Leser schwer, sich in die Geschichte hineinziehen zu lassen, der Roman bleibt "einem fern", so der enttäuschte Rezensent. Er misst diesen Roman an einem früheren Text des Autors, bei dem dieser die „Latte auf eine Höhe gelegt" habe, die „kaum zu übertreffen“ sei. Der neue Roman hat diese Höhe nach Ansicht des Rezensenten offensichtlich nicht erreicht, weshalb er nicht zufrieden mit diesem Buch ist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2000
Das Buch hat es Michael Schmitt nicht leicht gemacht. Zur Strafe gibt er seine Schwierigkeiten an uns weiter. Der Roman des Iren Patrick McCabe, im "Times Literary Supplement" mächtig heruntergemacht, sei wirr, schrill, burlesk, blasphemisch, politisch unkorrekt, aber dennoch oder gerade deswegen ist der Funke beim Lesen etwa nach der Hälfte des Romans auf den Rezensenten übergesprungen. Und so kommt Schmitt zu dem Schluss, dass diese Geschichte eines schizophrenen Transvestiten ein "erschreckendes" aber wahrhaftiges Bild einer gewalttätigen Epoche im Irland der 70er Jahre zeichnet. Die Übersetzung von Hans-Christian Oeser habe die Klippen des Texts und die Wirren der Ebenen im übrigen souverän gemeistert.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.05.2000
Der aus Irland nach London geflüchtete Transvestit Patrick alias Pussy Braden alias Mütterchen Riley schreibt als Patient des Psychiaters Dr.Terence seine Geschichte auf. Ein Buch voller "Schwulst und Kitsch" und "gruseligen Bestialitäten", findet Friedhelm Rathjen. Und dennoch gefällt ihm etwas an diesem Nachfolger des Buches "Schlächterbursche". Wo jener "grandios" und "erdenschwer" ist, hällt sich dieser "fulminante Roman" hauptsächlich an die Oberfläche der Glitzerwelt des transvestitischen Lebens. Beide leben von einer ähnlichen Ausgangslage, nämlich einem Protagonisten, der als Waise "früh ins soziale Abseits und in psychische Abgründe geraten ist", von irischen Motiven wie bigotten Pfarrern, IRA-Gewalt und einer "irren, halluzinatorischen" Sprache. "Der Irrwitz dieses Romans ist der Irrwitz der Welt", meint Rathjen, und bezeichnet zu guter Letzt Patrick McCabes sogar als Genie.
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