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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Oskar Pastior

Mein Chlebnikov

Deutsch-Russisch mit CD

Urs Engeler Editor, Basel 2003
ISBN-10 3905591707
ISBN-13 9783905591705
Gebunden, 64 Seiten, 24,00 EUR

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Klappentext

Velimir Chlebnikov, 1885-1922, gilt als herausragender Exponent des russischen Modernismus, seine "transmentale Sprache" war Zeitgenossen wie Majakowski und Burljuk und vielen späteren sprachalchemistischen Dichtern Inspiration. "Bei Chlebnikov", schreibt Oskar Pastior im Nachwort, "reizte mich gerade die Unmöglichkeit, diesen Wortgebilden mit einer Sinn-Klang-Rhythmus-Übertragung beizukommen; die Herausforderung, seine Methode, die er als 'Sternensprache' universell theoretisiert, aber den Ableitungs-, Kombinations- und Flexionsmöglichkeiten der russischen Sprache entnommen hatte, auf die im Deutschen angelegten Möglichkeiten zu übertragen. Wahrig, Kluge, Dornseiff und andere Wörterbücher halfen mir, deutsche Stammsilbenfamilien zu durchforsten. Wirkliche Hilfe im einzelnen waren die Ko- und Tugendbolde meiner durch relative Mehrsprachigkeit, durch ein eklektisches Germanistikstudium und durch die Liebe zu barocker und experimenteller Literatur erworbene 'Aufweichung' des normativen Denkens - sie gaben mir den Mut zu Hochstapelei und Invention."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2004

"Jedem hörenden Leser seinen Pastiorchlebnikov!" fordert Rezensent Michael Lentz nach begeisterter Lektüre des Buches und inklusivem Abhören der beigegebenen CD. "Diesem Chelbnikovpastior alle lesenden Hörer!" Der Titel des Buches sei Programm: Mein Chlebnikov. Denn es handele sich nicht um eine schnöde Textverrechnung. Vielmehr bedurfte Oskar Pastiors "Verdolmetschung" der Texte des russischen Futuristen laut Lentz "eines Chlebnikov in allen Aspekten wortkünstlerischen Denkens gleichgesinnten und gleichwertigen Sprach- und Formbewusstsein". Zwar vermutet der Rezensent, das dieses Projekt Pastior "die Aktivierung aller multilingualen Vorratskammern und Inventare" abverlangt hat. Doch die Operation wird als ausgesprochen gelungen bewertet. Denn in dieser "höchst privaten Aneignung" fand Lentz ganze Etymologien und Wortgeschichten "eingefaltet", was er augenscheinlich höchst inspirierend und Chlebnikov-erhellend fand. Pastiors Lesung der Texte auf der CD zum Buch fordere "das Denken mit den Ohren", schreibt der Rezensent, der Pastiors Stimme als Boot beschreibt, das den Leser sicher über die "Textwellen" setzt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.2004

Zwei Dinge hält Reinhard Lauer in seiner Mehrfachbesprechung von neuen mustergültigen Übersetzungen russischer Lyrik fest: Russische Gedichte sind erstens noch viel besser als russische Romane, zweitens leider kaum zu übertragen. An beidem gibt unser Rezensent dem "klanglichen Raffinement", der "rhythmischen Vielfalt" und dem "schier unerschöpflichen Wortreichtum des Russischen" die Schuld. Bei Oskar Pastiors Band ist sich Lauer gar nicht mehr sicher, ob es sich noch um Übersetzungen handelt. Denn wie er darstellt, gehörte Velimir Chlebnikow zu den "größten Erfindern im Bereich des dichterischen Wortes". Auf allen Ebenen der Sprache habe Chlebnikow eine neue, experimentelle "Sternensprache" geschaffen. Pastior nun habe nun versucht, "zwischen dichterischem Verfahren und Sekundärsemantik" zu vermitteln, und erstaunlich findet Lauer, was dabei herausgekommen ist: "Die Ergebnisse klingen im Deutschen nicht anders als im Russischen", stellt er fest und zitiert: "tschiribombös profelurte kikieglitz / o schansam / teich auf!"

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.02.2004

Die vorliegende Übersetzung von Oskar Pastior hat, wie uns Rezensent Oliver Ruf erklärt, einen Vorgänger: die 1969 von Peter Urban ins Leben gerufene Chlebnikov-Anthologie, an der eine ganze Reihe zeitgenössischer Dichter, darunter auch Pastior, beteiligt waren. In der vorliegenden, "bibliophil" gestalteten Ausgabe, dichte jedoch Oskar Pastior allein. Dichtet, denn wie der Rezensent mit der Einleitung von Felix Philipp Ingold erklärt, heißt den Wortformer Chlebnikov übersetzen immer, in Chlebnikovs findiger Weise selbst zu dichten; Chlebnikov in der eigenen Sprache "fortzudichten", indem man das mit der eigenen Sprache veranstalte, was Chlebnikov dem Russischen zu- und anmutet habe. Für eine solche "Übersetzung", lobt der Rezensent, ist Pastior der richtige Mann. Wie auch Chlebnikov stütze sich Pastior auf den "historisch gewachsenen Wortbestand", bediene er sich des "Periodensystem des Wortes", um daraus eine "Sternensprache" zu formen, lobt unser Rezensent. Sehr gelungen findet Ruf nicht nur Pastiors Übertragungen (denen jeweils das russische Original gegenübersteht), sondern auch seinen "behutsam ins Ohr passenden" Vortrag auf der beigefügten CD. Einfach "märchenhaft".

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