Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Norbert Johannimloh

Die zweite Judith

Roman

Cover: Die zweite Judith

Haffmans Verlag, Zürich 2000
ISBN-10 3251004867
ISBN-13 9783251004867
Gebunden, 190 Seiten, 19,94 EUR

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Klappentext

Die Welt ist in Aufruhr. Die Einheit des christlichen Glaubens ist dahin. Zwischen Reformation, Gegenreformation und Rebellion gegen die Jahrhunderte alte Obrigkeit verlaufen verwirrende Fronten. Ein neuer Glaube, die "Gemeinde Christi", lehrt, dass nur die Taufe im Erwachsenenalter gültig ist und dass die Menschen wie die ersten Christen wieder zur Gütergemeinschaft zurückfinden müssen. Die Täufer erhalten erstaunlichen Zulauf, und in Münster hat sich Johann Bockelson, genannt Jan van Leyden, gar zum König des Neuen Reiches gekrönt. Hier will er mit seinen Gefolgsleuten den zum Osterfest prophezeiten Untergang der Welt erwarten, den nur die im Sinne der neuen Bekehrten überleben werden. Am 17. Februar 1534 kommt es zur Belagerung Münsters. In den Stadtmauern regiert Jan van Leyden mit unumschränkter Macht und grausamer Hand. Nach alttestamentarischem Vorbild führt er die Vielweiberei wieder ein. In drei Kapiteln erzählt Norbert Johannimloh die Geschichten von dreien dieser Frauen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.02.2001

Thomas Köster schlägt Norbert Johannisloh mit seinen eigenen Waffen. "Sie erwartete vom Dichter, dass er sie eintauchen ließ in eine ganz andere Welt. Aber da die Wörter, die er gebrauchte, auch sonst im alltäglichen Sprechen benutzt wurden, konnte die Reise in eine andere Sphäre nie ganz gelingen", zitiert der Rezensent aus "Die zweite Judith". So ergeht es der Protagonistin Elisabeth Wantscherer. Und auch dem Leser, findet Köster. Leider. Statt einen dramatischen Bogen über das aufregendste Kapitel der Münsteraner Stadtgeschichte zu spannen, habe sich der Autor in sprachlich saloppen Schilderungen über sexuelle Begehrlichkeiten verloren. Der Rezensent hätte hingegen lieber mehr über die Wiedertäuferbewegung und den "Kleinstaat Gottes", den der Niederländer Jan van Leiden um 1534 in Münster errichtet hatte, erfahren. Hm.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2000

Nicht ohne Interesse hat Dirk Schümer diesen Roman über das "kurzlebige Gottesreich der Wiedertäufer" als "Studie in Vergangenheitspsychologie" gelesen. Denn der Münsteraner Autor und frühere Dozent für Niederhochdeutsch vermische klug "Hintergrundinformationen aus dem nicht gerade armen Chronikbestand" mit Erlebtem und Erlittenem, das nirgendwo aufgeschrieben wurde. Denn: "die zweite Judith" Hille Feicken hat es wirklich gegeben. Aber so richtig gut fand der Rezensent das Buch dann trotzdem nicht. Johannimloh kenne zwar seine Quellen, aber "die zwischen Wahnwitz und sozialer Revolte oszillierende Mentalität der Wiedertäufer" werde allzu oft "mit dem Erfahrungshorizont eines Jugendbuchlesers kurzgeschlossen". Der Verdienst des Buches liege zwar in der Aufmerksamkeit für die Rolle der Frauen in diesem weltanschaulichen Kampf, aber die "knospenden Brüste" und "sinnlichen Lippen" der Damen hören sich für den Kritiker dann nach "Altmännernostalgie" an. Gegen Ende wird das Buch doch in die "lange Reihe der künstlerischen Adaptionen des unerhörten Themas" aufgenommen: das Täuferreich sei im Kursus zur Frauengeschichte angekommen.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren