Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Chomskys Kritik an der Macht der Märkte zu lesen ist der erste Schritt, sich politisch zu engagieren. Welche weiteren Schritte auf dem Weg zu einer gerechteren Gesellschaft vonnöten und realisierbar sind, erfährt der Leser in diesem Buch.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.12.2000
Der Linguist Noam Chomsky ist seit vielen Jahren einer der schärfsten radikaldemokratischen Kritiker der amerikanischen Demokratie. Seine Hauptthese, die der Rezensent Uwe Pralle zustimmend referiert, lautet, dass die amerikanische Demokratie nur - vom Verfassungsvater James Madison bereits formuliert - ein Ziel kenne: "die Minderheit der Wohlhabenden gegen die Mehrheit zu schützen." Globalisierung und Neoliberalismus dienten da einerseits, so Chomskys Beispiele, als Beglückungsstrategien für den Rest der Welt und andererseits hielten sich die USA im eigenen Land keineswegs an die so lautstark gepredigte Doktrin der Marktfreiheit. Wie stets spielen auch die Medien mit ihrer Produktion von "Konsens ohne Zustimmung" eine wichtige Rolle in der kritischen Analyse. Der Rezensent enthält sich eines eigenen Urteils, nennt Chomskys Kritik nur einmal "mitunter sarkastisch", scheint sonst aber ganz einverstanden.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000
Fritz J. Raddatz ist ernsthaft erschüttert von Chomskys Essay über den Neoliberalismus und die neue globale Weltordnung. Nicht weil es so schlecht wäre. Im Gegenteil. Das Bild eines "Kapitalismus ohne mensches Antlitz" ist zwar nicht so neu, wie Raddatz einräumt, aber Chomsky eröffne einen völlig neuen Blick. Dabei sieht Raddatz die Brisanz des Essays nicht so sehr im präsentierten Tatsachenmaterial, obwohl er sich viel Raum nimmt, Zahlen, Daten und Fakten aus Chomskys "niederschmetternden Bilanz" darzustellen. Das Brisante macht Raddatz in den aufgezeigten fatalen Folgen für die Demokratie aus: Dass der Mensch im Zeitalter von Kommunikation und Information der völligen Manipulation unterliegt. "Die Undurchschaubarkeit unserer gesellschaftlichen Systeme produziert etwas Verhängnisvolles: Verdruss und Passivität" - die schlimmsten Feinde der Demokratie. Raddatz schließt mit der Aufforderung, doch wieder Marx zu lesen und über eine postkapitalistische Gesellschaftsordnung nachzudenken: "Schließlich schien die Abschaffung der Sklaverei auch einmal undenkbar."
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.10.2000
Unter dem ironisch und doch ernst gemeinten Motto "Chomsky hat immer Recht" handelt Mark Terkessidis zwei zeitgleich auf Deutsch erschienene Bücher des amerikanischen Linguisten und Anarchisten Noam Chomsky ab: die Streitschrift "Profit over people" (Europa Verlag) sowie den Aufsatz - und Interviewband "Die politische Ökonomie der Menschenrechte" (Trotzdem Verlag).
Chomsky sei grundsätzlich und "unzeitgemäß misstrauisch", meint Terkessidis, der eingesteht, dass Chomsky in seinem Eifer auch schon mal zu weit gehe, etwa wenn er dem regimetreuen Sender Milosovic` ein Interview gewährt, weil er gegen die Nato-Bombardierung ist. Nach Terkessidis leistet Chomsky "Drecksarbeit", er liefert dem Leser genaue und kaum veröffentlichte Informationen, die vor allem die us-amerikanische Subventions- und Sicherheitspolitik, deren "schamlosen Protektionismus" und die verlogene neoliberale Ideologie angeht, die dort am meisten Chancen hat, gibt Terkessidis den Autor wieder, wo die formelle parlamentarische Demokratie am Werke ist. Für Chomsky bedeute der Neoliberalismus "eine neue Form leninistischer Elitenherrschaft", schreibt der Rezensent und weist darauf hin, dass ausgerechnet der Anarchist Chomsky den Staat als einziges wirksames Gegengift betrachte. Ein hilflose Schlussfolgerung, meint Terkessidis, die an der Richtigkeit von Chomskys Analyse jedoch nichts ändere.
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